Böker, Doris [Hrsg.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 19): Landkreis Cuxhaven — Braunschweig, 1997

Seite: 250
DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dtbrd_nds_bd19/0254
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile














im flachgedeckten Schiff der Mulsumer Kirche ist
der um 1500 eingebaute Lettner hervorzuheben,
der sich in einer spitzbogigen Dreierarkatur zwi-
schen Rundpfeilern zum Schiff hin öffnet. Laut
dendrochronologischem Befund wurde die Stän-
derstabwand über dem Lettner um 1521 einge-
fügt. Der etwa 1440 gearbeitete Flügelaltar, 1621
durch manieristische Aufsätze bereichert und im
folgenden Jahr von dem Otterndorfer Maler Jo-
achim Clasen neu gefaßt, zeigt im Mittelteil eine
Figur der gekrönten Maria mit dem Kind, flankiert
von zweireihig übereinander angeordneten 20
Apostel- und Heiligenfiguren unter Baldachinen.
Die auf einem als Kopf gestalteten Kragstein ru-
hende Kanzel vom Anfang des 16.Jh. mit Falt-
werk an der Rückwand wurde 1746 durch reich
geschnitzte Bekrönungen sowie eine aus Orna-
menten, Blumen und Inschriften komponierte
Farbfassung geschmückt. Dem 14.Jh. gehört
der schlichte Taufkessel aus Blei an, hinter dem
eine kleine Kreuzigungsgruppe als Rest eines
Schnitzaltars des frühen 16.Jh. angebracht ist.
Vervollständigt wird die Ausstattung durch ver-
schiedene, z.T. prächtig gestaltete Gestühle, die
vom Anfang des 16.Jh. bis in die Zeit um 1800
datieren.



In den späten zwanziger Jahren unseres Jahr-
hunderts ließ sich die Kirchengemeinde südlich
des Friedhofs ein mit Ziegeln verblendetes Pfarr-
und Gemeindehaus aufführen, das mit mittigem
Zwerchhaus und der keilförmig einbindenden
Dreiecksmauerung in den Giebeln betont traditio-
nell gestaltet ist (Schulweg).

NEUENKIRCHEN

Vier Kilometer südlich von Otterndorf liegt im Ha-
delner Hochland am westlichen Ufer der Medem
die Gemeinde Neuenkirchen, zu der außer dem
Kirchdorf die Strichsiedilung Dörringworth sowie
mehrere Streusiedlungen gehören. Die Siedlun-
gen rechts der Medem, Scholien, Brüninghemm
und Pedingworth, wurden erst 1929 eingemein-
det. Die sich z.B. vom Östlich benachbarten
Osterbruch mit seinen schmalen Marschhufen im
Landschaftsbild stark absetzende, unregelmäßi-
ge Flureinteilung und die Wurten dieser Region



Kirche St. Marien, Taufkessel, 1. Hälfte 14.Jh.



250
loading ...