Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Wien, 2, Juli, Ueber den Stand der
Zollfrage schreibt man nnS auS München, 1.
Juli: „Auö dcn Vcrdandlungen der hiefigen
Zollconferenz ist die nicht unwichtige Nachricht
milzutheilen, daß nunmehr alle hier anwesenden
Delegirlen, die österreichischen einbegrissen, sei-
tenS ihrer Regierungeu instruirt worden sind,
in die Berhandlung über dcn vom hessen-darm-
städtijchen Bevollmächtigten, Hrn, v, Biegeleben,
nel kne fo> nnlirten Antrag einzutreten, Es
ist also kaum an desicn Annahme zu zweifeln,
Da nu» dieser Ankag, welcher gleich der öster-
reichischcn Llivulation vom 1, Zuni die Ütor-
mirung der Zwischenfälle bei einem neuen Ber-
tragsverhältnist zwischen Oesterrcich und dem
Zollvereine betrisit, wohl gecignct erscheint,
zwischen jcnen österreichischen Vorschlägen und
den Ansordcrungen, welche die süddentschc Staa-
tengruxpe stelle:, zu müsien glaubt, um ein
bindendeS Verhältnig zu Ocsterreich cinzugehen,
eine Brücke zu schlagen, so dürfte die Hosinung
nicht nnberechtigt scin, es werde auf dicser
BasiS zu cincr Bereinbarung kommen, auf
Grund deren eine Collcctivcrkläruug nach Berlin
gerichtct und damit der wohl bcvorstchende Vcr-
such Ocsterreichs, an die Prager Besprechnng
anknüpfend, in dirccte Verhaudlung mit Preu-
ßen zu lreten, wirksam unterstützt werden kann,
JedcnfallS wird man gegen die haudelspolitische
Vcrdrängung OcsterreichS auS Deutschland ge-
rade jctzt ernste Bcdcnken haben, wo der nord-
deutsche Handcl auf de» «schutz der österrei-
chischen ltriegsjchiffe angewiesen ist, eine große
Thatsache, wclche wohl verdient, von oenjenigcn
deulschen Staatcn, dcren Jutercsien zunächst
betheiligt sind, erusthaft erwogen zu werden."

C'» g ! a ü k>

Londo», 4, Juli, AbendS, Jm Oberhaus
erwidert Gras Rusicll auf eine Ansrage de«
Marqnis vo» Clanricardc, daß die von der
„Morning Post" »crösientlichtcn, die Wieder-
begründung der „heiligen Allianz" bctresienden
Depcschcn pure Ersindung scien, Der WScouut
Stratford de Redclisfe behält jich vor, morgen
diescS Thcma weiter anzuregcn, Der Gras v,
MalmcSburp kündigt für »ächsten Freitag eiuen
Antrag aus ein dem DiSraeli'schen ähnlichcs
MißtranenSvotum an, Zm UnterhauS möchte
Sir L, Palk wisien, ob dic Rcgierung amtliche
Mittheilung davon empfangcn habc, daß die
deutschen Mächtc sich an ihre währcnd der
Londoner Couferenz gemachten „Concessionen"
nicht gebunden erachten, und ob Ocsterreich die
Angabe RusicllS widerlegtc, als wolle cS
(Oesterrcich > sich auf dic Occupirung dcr Her-
zogthimcr beichränke»? Der Untcrstaatssecre-
lär Lahard antwortcte: Oesterreich habe auf
weitcre Eroberungen, abcr nicht aus weitere
Okkupationen verzichtct, Lord Palmersto» lhellt
mit, daß Preußen die heilige» Allianzdepesche»
der „Mornlng Post" deSavouirc, Hcrr DiS-
raeli beantragt ein dcr Regierung stark zu
Leibe grhendcs MißkauenSvotum, Auf Hrn,
Cobdcn's Anlrag wurde dic Debatte verlagt,
nachdem noch die Hcrre» Rewdcgate, Kinglake,
Pecl, Stanley uud der Attorney-General ge-
sprochen hatten.

Niederlande

Haaip, M, Znni, Mit dcm gestern ein-
getretencn günstigen Winde ist außcr 30 Kauf-
fahrcrn auch die öfterreichische Flotte vo» Tcpel
abgesegclt, Sie beftand auS dem Linicnschisi
„Kaijcr", dem Panzerschiff „Don Juan d'Aust-
ria", den Fregattcn „Schwarzenberg", „Ra-
detzky", „Frtedrich", ferner den „Sechnnd" u,
„Wall", und dem Admiralschiff „Elisabeth",

M e x i c o.

Santa Anna ift von dem neuen Kaiser
zum Feldmarschall crnannt worden und wird
von einem KriegSschisie abgeholt werden, Auch
die Generale Miramon, Almonte und
Marquez sind zu jener Würdc erhoben
wordc».

Reucste Kachrichten.

Darmstadk, Dienstag, », Zuli. Jn der
zweiten Kammer wurde der vorjährige Beschluß
wcgen Beilritts zum preußisch - französischcn
Handelsverkage, sowie wegen Aufrechthaltung
dcS ZollvereinS wiederholt crneuert und mit
eminenter Majorität der Regierung wegen ihrer
bisherigen Haltung in diejer Angelcgenheit ein
Tadclsvotum ertheilt.

Berlin, 5, Juli, Die „Üiationalzcitung"
bcrichtet, dem Vernehme» nach habe Hannover
dem Berliner Cadinct seine Bcrcitwilligkeit er-
klärt, dcm sranzöstsch-prcußische» Handclsvcr-
trage und dem ernencrten Zollvereine beizu-
trelen, weun bcr hannover'schen Regicrung ein
von ihr nihcr bestimmter Theil des bisherigen
PräzipuumS erhaltcn bleibe, Ucbcr die Höhe
deS Präzipuums jchweben die Vcrhandlunge»,

Wien, k. Zuli. Die Ocsterreichische Ztg,
schrcibt, daß in der Zollangelegenhcit ein ent-
schieoener Schritk geschehen sei, daß die Darm-
ftädter Anträgc als Bajis andcrweiliger Vcr-
handlungen biencn könncn und solches vom
Finanz- und HandclSminisicrium ancrkannt
woidcu sei; gestern wurden Znstructioncn jür
die Bevollmächtigtcn vereinbart und wcrdcn
wahrscheinlich nächstcnS abgehen, Der König
von Preußen geht am 1S. ds. von Karlsbad
nach Gastein,

vermtschte Nachrichtcu,

'Aus Baden. Die Verlegung dcs Ein-
führungStagcs dcr ncuen Organisalion aus 1,
October d, I, darf nach der Bad, LdSzig, al«
scslstchend betrachtet wcrde», — Der Lrztliche
Verein in Freiburg hat eine Berathung nber
die so anssällige Verbreitung der Hundswuth
gchalten und in d-rselben eine Eingabe an gr,
L-anilätScommission bcschlosien, worin gebetcn
wird, die längst bckannten und al« allein wirk-
sam bewährten Maßregcln zur Verhütung und
Verminderung diejer Krankheit alsbald durch-

Schloßwir1l)schas1.

Mittwoch, den 6, d, Mts,, wird bei günstiger Witterung die Musik des in Trier
garnisonirenden

preußischen Husaren-Regiments

hier spielen.

DaS NLHere besagen die Anschlagczettel, f2j

Gottlieb Wolber

Bersteigerungs-Ankündigung,

Zufolge Beschlusses des Gemeinderaths und enge-
ren Bürgerausschusscs vom Heutigen wird der 20
Rutben große AUmendplatz hinter dem früher der
Ehefrau deS Hofmusikus Edmund Neumann
in Darmstadt, nun der hiesigen Metzgergenoffen-
schaft gehörigen Hause in der oberen Neckargasse,
begränzt einsrits die Zufahrt von der Fischergasse
an den Neckar, anderscitS die Ledersabrikanren
Künzle und Schaaff, oben die Mctzgergenossenschaft,
unten der Neckar, worüber jedoch den Leoerfabri-
kanten Künzle und Schaaff ein Wegrecht zusteht,
am Montag den 1l. d. M.,
Vormittags 11 Uhr,

auf der hiesigen GemeinderathSkanzlei etner öffent-
iichrn Verstrigerung zu Eigenthum ausgesrtzt, und

werden dte Kaufliebhaber zu dieser Verhand-
ng eingeladen.

Heidelberg, den 1. Zult 1864.

Der Gemeindrrath.

S u l z e r.

(1) _ Sachs.

Aahrniß-Vcrsteifterunft.

In Folqe anitSrichtcrliänr Verfügung wrrdin
Donncrstag, den 7 Juli l. I.,
NachmlttagS 2 Uhr,

> Pfanvlocalt (.ltkttrngaffe) 1 Kanapre, l Loin.
ovc, 2 tannenc Klcivcrschranke, 2 Küchcnschränkr,
iaschtischr, Spirgcl, l Bavczuber und dtvrrsc Gr-
nüän'c grgen Baarzrhlnng verstcigcrt.
Hetdelbcrg, dc» 28. Zuni 1864.

Fr-Y.

führen zn wollen, ES handelt stch vorzugS-
welse nm Erhöhung der Hundestencr und um
die Elnführnng der Maulkörbe für dicse Thicre,
io lange sic stch auf dcr Straße bcfinden, —
Jn dcm Gasthans zum Adler in de»> Orte
Hecklingcn, AmtS Kenzingen, wurdcn bei
bautichcn Beränderungen in dcm Hausgange
3 menschliche eskclctte aufgcsnnden, wovon zwei
neben einander und daS dritte etwaS entfernt
danon lagen. Die Sketetle lagen aus drm Gc-
jichte und fand sich keine Spur von einem
Sargc vor.

Aus dem Auitsbezirke Laden-
hurg, 25. Zuni, DaS auf den 19, Juni d, I,
inLadenburg anberauml gcwesene Schützen-
fcst — Einweihung der Schlcßstätte — wnrde
auf Endc Zuli 0, Z. verlegt wegen eiugctrete-
»cr Hindernisie. Bis dorthin dürftc wohl auch
die Ernte becndigt unb damit ein schöner Platz
znr Festfeicr gewonnen sein, Frauen und Zung-
frauen der Stadt beabsichtigc», dem Schützen-
vereine eine Fahne zu jchcnken, Wir wünschlcn
nur, daß Gleiches auch für daS Feuerwchr-
corps geschehen, welchcs stch elfrig bcmühl,
durch vietfache Uebungen stcls tüchtiger und
gewandter dicfer RettungSanstalt obliegen zu
können.

-s- Heidelderg, 4, Juli, Der Frcmden-
besuch ift bis jetzt noch kcin beträchtlicher und
jpürt man in dieser Hinsicht die Wirkungen
deö deutsch - dänischen KriegeS, dcs gcjpannten
und unfreundiicheu VerhättnisicS zu England,
nicht minder die Folgcn deS immer noch fort-
dauernden hartnäckigcn KampfcS dcr amerika-
nischen Union mit den abgcsallene» Südstaate»,
eines KämpseS, desien Ende u»d Zietc »och gar
nicht abzusehcn sind, Die Zaht der jungcn
Amerikaner, wctche die hiesige Hochschute ve-
snchcn, ist nicht mehr so belrächtUch, alS in
früherc» Zahren, und dicö vernrsachc» gleich-
salls dic binligen Wirrcn jenscitS dcs großen
Weltmeercs, — Kctdmarschall Graf Wrangel
ist vcrfl, Woche auf seincr Fahrt nach Badcn
und Wildbad hier vorbeigekommcn; der ehema-
Uge Oberbefchlshaber in den Markc» u»d
»cuerUch in SchlcSwig sieht für sein hoheS
Alter noch rccht kräftig u»d rüstig aus, — Zn
de» Geblrgsorten Waldhilsbach und Gaiberg
stcht man eincm in Bczug auf Oualttäl u»d
Qanlität befriedigendcn Kirschencrtrag, auch
einer ergiebigcn Kornerntc enlgegcn, we»n jetzl
nach zahlreichen kühlen Regenlagen anhallcnd
warmcS Svmmerwctter auj die Zeitigung dcr
Feldfrüchle, dcr Kartosiclu und dcS Obstes
e inwirkt. — Die Flößerei ans dem Neckar ist
bis jetzl vou keinem Bclang, crst im Spatjom-
mer sollen, wie man vcrnimmt, größere Flöße
eintressen, — Schenkel, der wegcn seiues
Charakterbildes Zcsu so manchc Anfeindungen
erfährt, ist von cinem begabten deutschcn Dich-
ter jüngst gefeiert und begrüßl worden in einer
jchönen poetijchen Änspiäche, Strauß, dcr r,
Vcrfasier des Lebens Jesu, wird im Herbste
von Heilbronn hierhcr übcrsiedeln.

Feinstcn M»»«!»»'»» »o in bekann-
ter Güte und vorzüglicher Emmenthnler-
8k Rcnchner Rahni-Käse bringe wieber
in gefallige Erinnerung.

Franz Popp M-r«.

WohnungsveränÄerung.

Unterzeichneter macht hiermit die ergebenste
Anzeige, daß er seine Wohnung Untcrstraße
Nr, 17 verlaffen hat und nun in der Fischer-
gasic Nr, 4, im 2ten Stock, wohnt.

(1) Senf-Fabrikant Herion.

Zu vermiethen, soglrich °drr anf Mich-clt
dcr oiittc Stock, b-lichcnd anS drrl Zlmmern mlt
Zngehör an rlnr stillc Familir, dri
_I, Arell Ilnlristraße Nr, 17,

WL. Jnserate ^s«

sür dic Heidelberger Zeitung »nd drn Straßen-
anzeiger können entwedcr bei ber Expcdition
(Schiffgaffe Nr. 4) oder in drr Buchhandlung
de» Herru il. Voiss (astl. Hauptsk Nr. 20)
abgegeben werdcn.
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