Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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abslchtigt und d-n Eis-nbahnbru - Jnspcktor
Schwabe mit den Borarbeiten beauftvagt hat.

Christiansfold, RorvschleSwig, 9, Juli.
Aus Anslet (am kleinen Belt, Fühnen gegen-
über) wird bcrichtet, daß heute Mvrgen drci
danische Kricgsschifse mit Transportbölen im
Schlepptru cine Trnppcnlandung versuchten,
sich aber in Folgc raschcr Alarinirung der
Preußen zurückzogen.

Aterlin, 10. Juli. Gegenüber oer Angabe
der Zeidler'schen Korrespondenz von gcstern,
Prinz Johrnn v. Glücksbnrg habe gar nichl
berbsichtigt, Berlin zu besuchen und die Ncise
nach Karlsbad anzntrcten, wird der heutigen
Spener'schen Ztg. mitgctheilt, der Prinz hrbe
sich allerdings wenige Stunden im strengsten
Jncognito hier rufgehalten und sei alsdann
nach Karlsbad gercist.

Paris, 10. Zuli. Der gestrige „Abend-
,moniteur" meldet: Der König von Dänemark
nahm die Demission des Ministeriums rn und
beauftragte de» Grrfen Molke-Mtschau mit
dcr Bildung eines ncncn Ministeriums.

Deutschland.

Karlsruhe, 9. Zuli. Aus die in öffent-
lichen Blättern erwahnte Vorstellung der Maun-
heimcr Handclskammer vom 4. d., worin ste
vom Staatsministerium Genugthnung wegen
Acußcrungcn in dcr Zwciten Kammcr fordert,
wurde ihr — wic dic KarlSr. Ztg. bcrichtet —
gestern cröffnet, daß das Slarlsininistcriuin in
diejer Eiugabe einen in jcdcr Beziehung unge-
eignelcn Schritt erkenne, und diefem keinc wei-
tere Folge zu geben vcrmögc. Bctrcffcnd dic
Erklärung übcr dcn Abbruch des VerkehrS mit
dem großh. HandclSministerium werde dieses
Ministerium das Sachgemäße vcrsügen.

Karisi'Uhe, 9. Jnli. Zn der heule unter
dcm Vorsitze Sr. Großh. Hoheit dcs Prinzen
Wilhelm abgchaltcncn 24. öffentlichen Sitzung
der 1. Kaßimer wurden nachsolgende Gcgen-
stände nach den Beschlüssen deS andcrn HauseS
ohne Besprechung zur Erledignng gcbracht:

1) dic von der großh. badischen mit dcr k. k.
öslerreichischen und mit der kgl. prcußischen Re-
gierung abgeschlossenen tztappciikoiiveiitioncn;

2) das ordentliche Budget der Poftverwallung,
dcr Eisenbahnbetriebsvcrwallung ic.; 9) daö
Budgct deS EiseiibahndaueS sür 1864 und 186b
in Vcrbiiidung mil der Itachweisnug über die
Verwcndungcn in den Zahren 1862 uiid1863;
4) dcr Gejctzesentwuif, die Uebcrnahme der den
vormals reichsunmittelbaren Grnndherren zu
leistenden Vergütungen aus dic Amortifations-
kasse betrejsend; h) dic Darstellung deS nni-
laufcndcn Betriebssonds dcs allgemeinen Staats-
haushalts aus letzten Dezembcr v. Z., sowic der
Voranschlag deS Bednrfnisses für 1864 und
1869; 6) der Nachtrag znm Budgct dcs großh.
Kriegsministeriums für 1864 nnd 1869 bezüg-
lich dcr Verwendung der für crhöhte Ersatz-
marinschast angefordertcn Summc und 7) dcr
Entwurs des Finanzgkfctzes für die Jahre 1864
und 1869. Hierauf folgte Erstattung und Be-
raihung von Pctitionsberichten. Schluß der
Sitzling.

lNVu in's Auge saßl, aus Pfandurkund-n g!gen
g-wöhnlichc B-rzinsung, uud wiitiri 2g°/, aus An-
nuitälen auSgcliehen; sodann hetrug dic Anlage
in SiaatSpapiiren 2S°/« und jcne gegen faustpfänd-
lichc Detung (Lomdardj 15°/« aller Kapitalanla-
gen; cin WcnigrS desteht auch in augekausten Gü-
terzielcrn. Einc erfrculiche Erscheinung ist -s sür
allc Diejmigen, welche der VersorgungSanftalt ihri
Geldcr anvirtranen, dah dic Rubrik„Berlust" in
den Rcchcnschaftsberichien lcer stcht; cs liegt hicrin
dcr Beweis, daß dcm Darleihgefchäft die nöthige
Sorgfalt zugewendii wird. Mindcr erfrculich triti
aus den Bcrichtcn die Wahrnchmnng hervor, daß
die Anstalt aus Ganten ic. Auögangs dcr 1840er
und Anfangs dcr 1850er Zahrc ctlichc 40 Wohn-
häuscr und gegcn 1300 Morgen Grundstüchc hat
übernchmen inüssen. Ein Berlust ist ihr indeß auch
hierauS nicht erwachscn, indein eS nicht an Gcle-
genheit mangcitc, stch dicser Grundsiüchc nach und
nach zum größten Theii wicdcr zu entäußern und
selbst einen nicht unbeträchtlichcn MehrcrlöS darauS
zu crzielen.

Zum Schlusse noch ein Wort über das neue
Statut. Es sollcn, wie dics dic neuen Statuten

— Bom Necknr, 8. Zuli. Die Z-Hl
derjenigcn Geistlichen, welche sich an dem Pro-
test gegen Dr. Schenkel aiigeschlosscn haben,
beträgl nach der ncncsteu Nr. des Kirchen- und
VoiksblatlS jrtzt 119. Einige, dic zur Mino-
rität in dcr KarlSruher Conserenz zähltcn und
zuerst, dcr Stimme ihreS GewissenS solgend,
ihrc Untcrschriflen verweigert hattcn, sind nach-
träglich über dieseS Hinderniß hinweggekommen,
um kcinen Riß in die Brüderschafk zu bringen.
„Vor lauter Zweckmäßigkeils - Bedcnklichkeit-n"

— jo erklärt das K. u. Volksbl. bie sache —
„scheink die Minoriläk auch nicht recht bedacht
zu haben, wie die Gemeindcn die «ache au-
schaueu werdcn." Einige äitcren Geiftlichen
der orlhoooxeu Richtuug, die aver sich aus der
Zcil ihrer Zirgend nvch eine toleranlere Den-
kungsart gcreltet und bewayrl hatleu, kouuleu
auch erst langsam uud allmählich ihre Bedenkcn
beschwichtigeu, und Iraten gleichfalls crst uach-
lrägkich jenem Beschlusse dei, den ihrc von
stärlerem Giaubeuseiscr gctriebeuen söhne hat-
keu schmieben hekfen. Denn die Pietit uud
respeklvolle Achtung, die sonst in dem Herzen
der Zugend keimte uud sich dem Aller zuwandte,
scheinl jetzt, wo die Weisheit der Väter nicht
mehr bis an diejenige ber Söhue reicht, sich iu
der umgekehrten Richtung zu bewegcn. Ein
anderer Psarrcr endlich, der srüher ein Paar
Slusen höher aus der Amtsiciter stanb nno eS
schwer zu verschmcrzcn scheiut, oaß sein Weg
abwärls und nichl hmauf zu den Slcrncn führte,
«eßhaib cr in dem Glanben an die Unauslösch-
lichkeil seiues früheren AmrscharakterS Trojt
suchl nnd sich noch sortwährcnd nenut, waS
cr nicht mehr ist, — auch cr konntc jich erst
spälcr enlschließen, eincn Maun, ber hauptsäch-
iich durch seinc Vcrwendung auf feincii jctzigcn
Posteu berujeu, beziehungSwcise zur Atinahme
besjeldcn bewogen wordcn war, wieder vou dem-
ic'ibeu verdrängen zu hclfcn. Es kostek wcniger
Selbstüberwinoung und kommt auch ciner wie-
dergcbornen und zum Durchbruch gckomme-
ncn Seeic uichl so schwer an, cinen Anderen
des Abfalls odcr der Apostasic, als jich jelbst
dcr Täuschiing und dcs Mißgrisfs zu beschuldi-
gen. Nun, wir wollen mit dicjc» Hcrren nicht
weiter rcchicii und nichl den Vorhang von oem
Abgrund ihres Herzcns hinwegzichcu; wcnu
aber die iu dem Kirchen- und Volksblatt ver-
trekenc Partei stch dermaßrn sclbft verblcndet,
daß sie wähuen kanu, die Gcmeiudeu aus
ihrer Scitc zu habeu, so wird sie bereits durch
den AuSgang der Ladenburger Diöcesansynode
eines Besseren belehrt worben sciu; denu dort
hal gerade eine Stimmc auS der Ge-
meinde so kräftig uud ersdlgreich sür die
GlaubenSsreiheil gesprocheu, daß der tetzcrrich-
icrtichc Autrag des gcistlichen VorstandeS nur
eine geistlichc nnd gar keine weltliche
Slimme sür sich gewiiinen konnte, also mit
Glanz durchfiel. Dieses Beispiel wird hoffent-
lich kein vereinzeltes bleiben; und darum sinö
wir dem Herin Dekan Dank schnldig, daß er

— freilich ans Verrechnung — seine Synodc
so ungcwöhnlich frühe abgehalten hat.

Mannheiui, 8. Juli. D-m „Fr. Z."
wirb u. A. von hier geschrieben: „Die nicht

vcrhkißcn, dcn bishcrigen GcschäftSzwcigcn noch
cinigc anderc angcrcihi wcrdcn. Außer den Versor-
gungSvcrirägcn wird dic Anstali auch LcbcnSvcrsvr-
gungsvcrträgc abschlicßcn, es soll fcrner mit dcr
Vcrsorglliigsanstait eine Sparkaffc nnd einc Auf-
bcwahruiigsaiistalt vcrbundcn wervcn, sic wirv Kiii-
dervcrsorgungsvereincn und audern Artcn von Ton-
linen ihre Thätigkeit widmen, und cndlich auch
einige Geschäfie dcr Hanbcisbanken, nämlich daS
Escompigcschäst und das Girogefchäft, in den Bc-
reich ihrer Wirksamkeit ziehen. Es wäre eben so
voretiig, als eS übcrhaupt mizulässig ist, übcr di-
Aussichten dcr neucn Geschäfie jetzi schon cin Ur-
ihcil zn fällen. So vicl scheini abcr gewiß, daß
daS Lebcnsversichcrungsgcschäfi — dcr, wic unS
bünki, wichiigsie d-r neu hiiizug-kvmmen-n Ge-
fchäsiSzweige — ciue guie Aufiiahine findcn werde.
Es bestehcn zwar fchon ähnliche Anstalien in Dcuisch-
land an manchcn Orien, allein daS LebeiiSvkrstchc-
rnngsgeschäit hat in D-Nischland nvch iangc nicht
dic Auödehnung gcwonncn, wie in andern Län-
dern. Zn England z. B. befindcn fich dcrartigc
Anstalien, von dcncn einzeknc 40- und 50.000
Tbciilllhmer zähicn, in wltt großricr Zahi, ai» in

ohne guteu Grund gepriescne Einigkeit zwischen
den Regierten und deu Regieceuöeu in Baden
hat eben eineu harten L-toß erliiten, der vicl-
leicht von vcrhängnißvollen Fotgen sei» wird,
die stch setzl noch nicht voraussagen iajsen. Der
in der gestrigcn Nummer oer Kärlsruhcr Zei-
lung veröffeuliichle Ärtttel, weicher dic aus-
rcgenden Aeußerungen des HaubelSmiuisiers iu
der Kämmer über oie Bantfräge gegeu die
hiesige Handelskammer aufrechl cryaii uuo ver-
schärft, gießk Oel in'S Feuer. Der hiesigen
Handclskammer, wekche bczüchtigt wird, durch
ihre Bcmängelungen deS Bankstaluks Schuko
zu sein, „daß Mannhcim eine Bank iiieyl er-
hält", ist dic Nieoerlage ourchaus niqt zuzu-
schreiben, die daS Hanoelsmiiiisterium erülicn
hal; von ihr eine Rechtsertigung sordcrn und
sie rnklagcn, wie geschehen, heißl öie öfsenlliche
Meinnng anklagen und vou ihr Recheuschaft
fordern. Die Presse uno insbesondere die Frank-
furter Presse, von der man wohk aniieymen
darf, daß geradc sic iu solcheu Fragcn mit
Sachkenutniß zu Werke geht, halle üder das
famose Baukstalul schon öffeulkich dcu Stad
gebrocheu, che die Mannheimer Haudclskammer,
welche zwei zu den Gründern der Bank ge-
hörende Mitgliedcr zn ihren Genosjen zähll,
das Statttt zu bemängeln sich crlaubte. Die
badische Rcgierung hat jetzt zwischen der vollen
Banksreiheil uach engüschem Vorbiid und der
ConcejsioiiSertheilung an Diejenigen, welche oie
Lank ohne alle pcrsönüch in Anipruch zu ueh-
menden Lorthcile, nach Arl der Frauksurter
Bauk iu'S Leben rusen zu wolleu, sich bereil
erllärt yaden, zu wählen. Bevor sie sich zu dcm
Eiucn oder Andern enlschkießl — das Lauo
wird mil dem Eiuen wie mit dem Andern zu-
srieden sein — drohl der vou dem HandciS-
ministeriuin heraufbeschworene Kampf mil der
hiestgcn HaudelSkammcr uuo der öffentiichen
Meinuug zu Eitthüllungeu führen zu müsjeu,
welche dcu Frieoen und oie Eintrachi iu Baoen
vielleicht aus einc schwere Probe ftellen werdeu."

Manaheim, 10. Zuli. Ju Foige deS
Erlasses großh. StaaisministeriuS (s. Karls-
ruhe, 9. Zuli) auf die Beschwerbe der hiesigcu
Haudclskammer gegen den Präsideutcu oeS
großh. HaiidclsiniuisteriumS, Herru Slaatsiälh
Malhh, wegeu seiuer AuSlassungen iu der 71.
Sitzuug oer II. Ständekammer, hadeu oie
sämmttichcu Mitglieder der Haudelskammer iu
ihrcr Sitzung vom 8. o. deu Ausiritt be-
schlossen, unb isl eine außerordcnttiche Geueral-
verjammlung der Handelsgenosseiischast dahier
zum Zwecke der Wahl dcr HaudeiSkammer aus
Dicnslag, den 1g. Zuli, eiuberufen.

^ Hetdeiberg, 10. Zuli. Zu dcm Vor-
lrag des Chefs des FiuauzdeparlemeutS au oie
würltcmdcrg. Ständcvcrjammlung zum Haupt-
stuanzctat sür die Fiuauzperiode 1. Juii 1864-67
heißt es über oie Dampfschiffsahrt auf dem
Neckar: Ein Erlrag oon dcr Rcckardamps-
schifffahrtSaustalt stcyt in ber uächsteu Perivbe
uicht zu erwarten. Der Betrieb diejer Anstatt
hängt yauptsiichlich vom Wasserstauo dcs Ncckars
ab, und iu Kolge der Coucurreuz der badijchcn
Obenwaldbahn wcrben die 'Neckaroampfschiffe
weniger alS bisher beuützt; die Eiunahmeii vom

Deutschiand. DieVorihcilc dcr LebenSversichcruiigs-
anstalien haben dort längft schon in allcn, und
insbesonderc auch in drn untcren Schichien der Bc-
vöikernng, Äncrkennllng grsunden. Und eS ist zu
hvffcn und ,u wünschen, daß auch in Denschiand
den LrbensversichcrungSanstaiirn, znmal d-n auf
Geg-nf-iligk-it hriuhenden, mehr und mrhr Anf-
merksamkeii wrrbe zugcwenvrt werden. (B. L.)

Einc ncuc Erfinbung in ber Eisenindustrie dürfie
vvn grvßcr industrirller und naiionai-ökvnomischer
Tragweiie werdcn. Ls handrlt fich dabci um nichis
Geringeres, ais aus ben Schlacken, wclchc bishcr
alö unbrauchbarweggcworfenwürden, guicS Schnne-
dcciscn und Siahi zn gewinncn. Dicse aus Kirsel-
erde, Schwefei, Phosphor und Aiaun bestchcnden
rinc drüchige Maffe dildrndrn Schlacken werden z-r»
stoßen, mii gebranniem, ungilöschien Kaik ver-
mischi und mü Wassrr b-f-uchiü. Dann wtrd das
Ganzr der Lufi auSgrsetzi und in einem Schmelz-
ofrn wie g-wöhnlich-s Eisenerz behandcli. Auf
diesem Wcge sollen die Schiacken, welchr bisher
nnr cine Laft waren, nvch ÜO pSi. «is-n lieser».
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