Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Auf die „Heidelherger
> 8 ^ Zeitung" kaun >na» sich

»-st"' —noch fnr die Monate
Augujl und Zeptember mit 38 Kreuzern abon-
niren bei allen Postanstalten. den Botcn und
Trägern, so wie der Expedition (Schiffgasse
Nr. 4).

* Politische Umschau.

Die „Allg. Ztg " schreibt auS Wicnc „Da
in glaubwürdigster Weise verlautet, daß Oester-
reich an dem Herzog von Augustenburg für
Holstein und Schlesivig sesthält, daß eS auch
den bckannten Borjchlag mit dem Prinzcn
Friedrich Wilhelm vvn Heffen nicht annahm,
jo ist die Bürgschaft sür etne Lösung der Her-
zoglhümersrage geboten, welche dcn alljcitigcn
Wüujchcn deS Rechts in Deutschlana cntspricht.
Diejer Haltnng OcsterreichS dürftc es auch
ivohl zuzujchreiben sein, daß cine »on Preußcn
in Frankfurl abgegebene Erklärung über das
Vorgehen in Rendsburg so schnell tam, Sie
sällt in die Anwesenheit Herrn v. Bismarcb's
dahier, und erfolgt am dritten Tage der Con-
fercnz in Wien zu Frankfurt. Daß Hcrr v.
BiSmarck sie schon früher hier abzugeben Ver-
anlasjung sand, als jein Gesandler in Frank-
fnrt, liegt so sehr aus der Hano, daß es be-
sondcrer Erwähnung kaum dedars.

Die „Allg. Z." bemerkt, daß die Besetzung
Rendsburgs ohne Vorwissen Hrn. v. BismarckS
als rein militärische Maßregcl cingetrcten ijt,
uud Hr. v. BiSmarck daher wirklich in der
Lage war, sie nicht bloß zu deSavouireu, son-
dern auch nachdrücklich persönlich an ihrer
Aufhebung zu arbciten. Ohne dic letztere wäre
lein Kriede mit Dänemark geschlossen wordcn.

Wicucr Blätter neuejten Datums melden,
daß die Verhandlungen in der SonntagScon-
serenz bis zur Unterzeichnung dcr Friedens-
Präliminarien und zum Abschluß deS Wafsen-
stilljtandeS gedichen sind. Dic Grundlagen dcS
Frieoens sind: Vollständige Abtretung ber Her-
zogthümcr sammt dcn jülischcn Enclavcu mit
Ausnahme deS AmlcS Ribe. Alsen und die
Nordseeinseln sallen an SchleSwig; dic Ostsec-
insel Arroe bleibt bci Dauemark; vvn Ribc
aus joll zum Behuf der Herstellung der ftrate-
gischen Grcnze eine Grcnzrectification ersolgen,
welche jedoch die Zntegrität und Eiuheit der
Herzogthümer nichl beeinträchtigt. (S. Wien,
1. August.)

Die baherische Regierung erkennt, wie die
„Bayer. Ztg." meldct, in dcr Besctzung von
Rendsburg eine Maßregel, welche mit dem be-

llum Kapitei vom Kchuldcnmachcn.

Mit d-n Schuldcn gcht eS wie mit dcn Kindern;
da sind sie balb, aber fle wachsen immer mehr an
und iffen Linen aus. Die Ileinen Kinder und die
Ileinen Schulden sind übrigenS die beschwerlichsien,
sie machen am meiste» zu schaffrn. Wie das Sprüch-
wort: „Kleine Dtebe hängt man, die großen läßt
man laufcn", in vtclen Fällen wahr ist, so ist es
nicht minder richtig, daß kleine Schulden mchr von
sich reden machen, als große. Aünf Guldcn dem
Krämer tzhuldig sein — pfui Leusel! Hundert
Gulde» dem Schneidcr — daS gefchtehr auch hon-
neten Kunden; tausend Gulden auf Wechscl —
das hat schon weniger zu sagen. Gehen die Schul-
den in die Mtllionen, dann nennt man sie An-
lehen und fi- werde» öffentlich abgeschlosscn.

Das Schuldenmachcn auf ein HauS gchört schon
gar zu den gcwohnlichen Dingen. Die Haushcrren
gliichen oa oft den OmnibuS-Kutschcrn i sie nihmrn
auf, was Platz hat, bis keiner mehr aussitzt. Eine
a»f Realttät vorgemerkte Schuldpost hcißt bekannt-
lich ein Satz. Mit solchen „Sätzen" geht es oft

stehenden Bundcsrccht in Widerspruch sleht, die
Autorität und das Anjehen dcs Bundes schwer
verletzt und ein für dic Sicherheit und Selbst-
jtändigkeit der klcineren BundeSstaatcn höchst
dcdenklicher Vorgang ijt. Die baher. Regierung
hat daher nicht gcsäumt, ihrcm Bevollmächtig-
len in Frankfurl dic Weisung zu erlheilcn, die
sofortige Entfernung dcr am 21. Zuli in Rends-
burg eingerücktcn prcußischen Truppen, aljo die
wejentliche Wiederhcrstellung des früheren Zu-
standeS daselbst zu verlangcn.

Nach der „Berl. B.-Z." schweben wegen Aus-
nahmc eincr schleswig-yolstcinischen Anleihe ge-
genwärtig Unterhandlungen zwischcn dcn Räthen
deS Herzogs Friedrich und dem Bankhause Ra-
phael Erlanger in Frankfurt a. M.

„Faedrelandet" bringt einen Leitartikel gegen
den Eintritt Dänemarks in den deulschen Bund.
Als Hauptgrund wirb dagegcn angesührt, daß,
wenn auch DänemarkS Lage augenblicklich schlecht
genug sei, doch kein Grund wärc, zu verzwei-
feln, so lange noch ein unabhängigcs, wenn
auch kleineres Dänemark existirc. Aus das Bei-
spicl PiemontS in 1849 und 1880 wird hin-
gewiesen, n»d daraus gefvlgert, daß auch für
Däuemarl noch wieder die Zeit kommen könne,
wo es daS Vcrlorenc wieder erwürbe. Däue-
mark sei jchon einmal aus tiefjtcr Erniedrigung
und Zersplitterung durch eincn König erhobcn
worden, dessen Sprichwort gewesen: Morgen
ist auch noch ein Tag.

Die Nachricht, der Kaijer und dic Kaiserin
von Franireich würdeu dcmnächst Eljaß und
Lothringcn bcjuchen, ist unbcgründct.

Durch Bejchluß des franzöj. Niiuistcrs deS
Znnern ist die Zeitung „Gironde" von Bor-
dcanx auf zwei Monatc suspcndirt worden. Es
ist dieS eines der besten Blätter, «elche in
Frankrcich erscheincn.

Zn Bezichung aus die Vereinigtcn Staaten
sieht man mit besondercr Spannung dcn näch-
stcn Nachrichten entgegen. Die letzten Mikthei-
lungen lassen zwar kcinen Ziveifel, daß Washing-
ton gesichert ist, allein der PlünderungSzug der
Südländer erweist stch als vollkommen gelungcn;
auch war die Hauptjtadt 36 Stunden lang jast
vollstäudig abgeschnitten.

Zur LchleSwig-Holstciu'sche»
Lache.

Paris, 30. Juli. Ein Artikel im „Consti-
tutionnel" von Limayrac despricht die Wand-
lung der vffentlichen Meinung in Deutschland
gegenüder Prcußen und Ocstcrreich aus Anlaß
des Politikwechsels diejer Mächte, in Folge dcsseu

wie mtt dem Tintenfaß: wenn er zu dick wird, ist
endlich kein HauS mehr da, lauter Satz!.. Dann
ist der HauSherr in der Tinte.

Auch mit den oerschiedencn „Sätzen" i» cinem
Tonstücke haben Haussätze Aehnltchkeit, wenn der
HauSeigenthümer ffetßig Schuldc» macht. Lrster
Satz: Snckuute con woto.. man muß sich erst an
daS Thema gewöhnen. B-im zweiten Satz geht'S
scho» sließio, 's tft schou All-s einS. Bcim dritteu
Satz wlrd gejagt, ein kleines Durcheinander, dann
wird umgeworsen und cs ist aus. Wie atte Wciber
aus dcm Kaffeesatze wahrsage», so kann ein kun-
diger Mann au« au« dcm Haussatze wahrsagen.
Er brancht dazn keln Zanberbuch, nur daS Grund-
buch. Wer dort dieseu oder jencn Hausherrn nach-
schiägt, kan» ihm i-icht wahrsagen, waS mit ihm
geschchcn wtrd. —

Bekanntlich haben abcr nicht alle Leute unbcweg-
licheS Gnt, und müffen, wcnn sie G-Id brante»,
ihr beweglicheS Eigenthum »erpfänden. Man nennt
dies gemeinhin »irsetzen, nnd die Hypotbekcnbank
sür solchc Lreditnehmer heißt das Vcrsatzamt. Dort
gibl man auf gute Worte gar ntchts, auf gut«
Psänder ,Mt gar «iel. Ps-nd-r drr Lt-d, haben

dieselben die Competenz deS BundestageS in der
Erbfolgefrage nichl mehr anerkcnnen und das
weise und billigc Princip nicht respektiren, daß
einc Frage ohne Mitwirkung dcr Bekheiligten
nicht gelost werden könne. Nach der Ansicht
deS Hrn. Limayrac sieht Deukschland mit Miß-
pergnügen und Unruhe, wie die Cabinette von
Wien und Berlin sich immer weitcr von den
Bedingungen entfernen, welche einzig im Stande
sind, eine ernstliche Lösung herbcizuführen und
cin dauerhasicS Werk zu schaffen. (Vorstehen-
der Art. war für die gestrige Nr. bestimmt und
ist »ur aus Versehen zurückgestellt worden.)

Wien, 1. August. Soeben erfolgte Unter-
zeichnung der Präliminaricn, bestimmend: Ab-
lrctung der drei Herzogthümer, von den zwei
jütiiche» Enklaven verblcibt Ripen dänijch; alle
Znseln, auch die gemischten, außer Arröe, wer-
den abgclreten. Ein dreimonatlicher Wasteu-
stillstaud wurde uach dcr „ Gencralkorresp."
untcrzeichncl.

Dentschland.

Mannhciin, 31. Zuli. BiS gestern lag,
wie der Schw. M. schreibt, im hicsigen Rhein-
hasen ein taum 18' langes Bovt von Gutta-
Percha mit ciner durch die Hand zu bewcgen-
den Schraube, Scgei, Rudern rc. arllg ausge-
takelt vor Anker. Drei Engländer waren in
demselben »vn Slraßburg angckvmmeu und
haben ihre Reise uach deu Nicderlauden svrt-
gesetzt. Zn der Doppelwand des Luherst zier-
iicheu FahrzcugS war sogar ein Schlaskabinct
augebracht.

Fcciburiz, 1. Aug. Die hiesige Zeitung
mcldct, daß ciu uutcr'm 19. Juli erlaffencr
erzbischöflicher Hirtcnbrief gcgen dic Schulreform
verlesen wurde, worin u. A. den katholischen
Geiftlichen die Ermächtlgung versagt ist, in dic
ncuc» Schulbehörden einzutreten und Religions-
untcrricht in den Schulen zu erlheilen. Wie
genannlcs Blalt hörl, hat der Hirtcnbries Hrn.
Proscssor Alban «tolz zum Vcrfasser und
iäßt AlleS hinter sich, was bis daher in dieser
Sorte von Schrislstellerci gcleistet «urdc. Ein
milder gesaßtcr Entwurf von anderer Hand soll
von maßgebender Seite nicht gutgeheißen worden
sein. Der Hirtenbrief sagtu.A.: „Eure Bertreier
(nämlich bie KapitclSgcistlichen) habcn in der
Versammlung vom 13. April d. I. es feierlich
ansgcjprochcn, daß wcnn der Kirche die ihr
gebührendc Mitwirknng LN der Leitung der
Schule versagt, und so dieie Leitnng ausschließ-
lich dem Staate und unlatholischen Schulbe-
hörden übcrautwortet würde, die Geiftlichkcit

daselbst teidcr gar keinen SchätzungSwcrth. llnend-
lich zahlrcich und veischieden stnd jene Zndividucn,
welche dle Hilsk des mcnschensrcundlichcn Pfand-
hanS>J»stituts in Ansprnch nchmen. Jm Allge-
meincn könnte man dle dortigcn Parteicn in zwei
Klaffen eintheilen: l. Zene, welche dag llcber-
flüsstge versetzrn, um Geld für daS Nothwendtge
zu erhalten und-2. Sotche, welchc das Nothwen-
dig- versetzen, um fich dle Mittcl sür daS Ucber-
ffüssigc zu vcrfchaffen. Die Dcvlse der ersten Klaffe
heißt: „Leben muß dcr Mensch!" Die Devife der
zwciten Klaffe lantet: „Leben muß derMcnsch!"
— Der llntcrschied liegt nur darln, vd man daS
„muß" oder daS „Lebcn" detont.

Gchen wir nun zu dcn eigentlichen schweben-
den Schulden Lber. Man sollte glanhen, schwe-
bende Schulden müßtcn lcicht s-ln, aber fle können
gewalttg drücken. Es kommt darauf an, wie man
sie nimmt.

Mlt den Schulden g-ht eS auch ost wie mtt den
Stiefeln. Jm Anfangc giniren fie lin wenig, so-
bald man sich abcr erst daran gewöhnt hat, geht
man recht gut damit herum. Di- alten Schulden
wi« die altcn Stiesel geniren am Ende gar nicht
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