Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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uniomstische Corps rückten gegen Richmond vor.
Gencrnl Sherida» setzt scine vorrückenden Bc-
wegungcn fort. Dic Coniöderirten nvlhigten
alle Männer von 18 biS 50 Jahre» zum
Militärdienst.

Berlin, 10. Okt. Das kronprinzliche Paar
hat die Reise nach Nizza anfgegkben nnd gcht
in die Schweiz, von wo eS am 22. December
zurückkehren wird. Hcrr v. Bismarck wiro auf
den 28. Oklobcr aus Frankreich zurückerwartet.
Der Baron v. Budberg ist gestern hier einge-
troffen nnd kehrt morgen znm Kaiser von Ruß-
land nach Darmstadt zurück.

Hannover, 10. Okt. Dcr König hat ge-
stern die Kirchcnvorstands- und Shnodalord-
nnng sanktionirt. Die Publikation deS Gesctzes
wird dieser Tage erfolgen.

/X Aus der badischen Pfalz, 8. Okt.
Die Kartoffelernte ist in viclen Gemcinden
beinahe becndigt, dieselbe fällt nach Qualität
und Ouantität sehr verjchieden ans; so z. B.
ist dieselbe schlcchl auf gut gedüngtcn Feldern
mit schwercm Boden. recht bcfriedigend auf
magern Fcldern. Landwirthe, die ihre Felder
stark gedüngt, erhalten ctwaS mehr als eine
halbc Ernte im Verhältniß zn jencr dcS vorigen
Zahres; auch nach Onalität hört man Klagen,
wo die Feldcr zu stark gedüngt waren; natür-
lich habcn die Kartoffeln starkes Kraut getrie-
ben, daS vom Mehlthau hart betroffen wurde.
Die Tabakernte ist bckriedigender auSgefallen,
als man erwartete; denn spät gejetzte Feldcr
haben stch noch nach cingetretenem Rcgen präch-
tig gemacht; sclbst das Blatt, wclcheö Anfangs
sehr dick war, hat sich zu Gunstcn des Land-
wirthS noch spät auSgcbildet, wurdc dünn und
zart. Dagegcn haben die jüngsten kalten Rächte,
dem noch im Freien, anf den Fcldern bcftnd-
lichcn Tabak sehr geschadet, er ist crfroren.
Anch andere Pstanzen und auch die unreifen
Trauben haben durch die Kälte sehr gelitten;
die Blättcr an viclen Rebstöcken zcigen am
deutlichstcn die Wirkungen der kalten -ljächte.
Die Geschäfte in Hopfen sind flau; die Ver-
käufer HProducenten) halte» zurück und hofsen
noch bcsscre Prcise zn crziele» sür ihrc geringe
Ernte, die ihncn nach den jctzigcn — wirklich
geringen Augebote» — kaum die AuSlagen er-
scht. Wir kennen Landwirthc, die kaum cine
Achtelsernte haben; dazu noch solche niedcre
Preise. Die hier berührten Mijjvcrhältnisse,
wozu noch dic Klage übcr Futtermangcl kommt,
zcigcn sich auch da nnd dort im Handelsverkehr
bemerkbar; wir wollcn noch abwaricn, in wie
weit sich unserc Wahrnehmungen nach dieser
Richtung auch auf der Mannheimer nnd Hei-
dclbcrger Messe bemcrklich zeigen.

-f- Aus der Pfalz, 7. Octbr. Frank-
furter Hotelbcsitzer, auch badischc und hessischc
Wirthe machen jetzt stiundreisen und L-treifzüge
in die bayerische Pfalz, um ihre Weinlager mit
gutcm Rebensaft zu versehen. Jn Ncuftadt an
der Haardt, Musbach, Diedesheim und Zorst
begegnet man solchen Touristen. Von Dürk-
heim aus findcn grvßartige Traubenvcrsen-
dnngen statt nach dcm nördlichen und nord-

Wcgcn eingclegtcr Nachgebotc werden nachbe-
nannte städtischc Gefälte:

1) das Briickcngcid und das Pstastergcld am
Brückcnthdr;

2) dic Kähre zwlschcn Heidtlberg und Neuen-
heim;

3) dic Fähre zwischen der Schlierbacher Eisen-
bahnltation und dem Ortc Zicgelhanscn nnd
jener zwischcn dem Wolssbrunncn und dem
Slifte Ncuburg;

4) das Pstastergctd am Karlsthore

am Mittwoch, dcn IL. d. M„
DormittagS zwlsche» II und IL llhr,
aus dem Rathhausc dahler etner nvchinaltgcn Ver-
ftelgcrung ausgesetzt.

Bemerkt wird, daß bei dieser zwelten Verstetge-
rung kctne Rachgebolc mchr angenommen werdcn,
dcr Gcmrtnderalh sich abcr untcr drn drei Lcht-
btetenden die Wabl vorbkhält, uno daß bezügttch
dcs Fahrts zwtschen hicr und Nenenhelm stakt vcr
etnjahrtgcn ctne dreijädrige Pachtzeit be-
dungcn wcrdcn wlrd, mit dcm Vorbehalte jedoch,
daß die Pachtzeit dieser Fäbrc mit dem Äugcn-
blick- aufhört, wo eine Nähe odcr sliegcnde
Brucke zwischcn hicr und Ncuenhcim in Bc-
tricb gesctzt wird.

Hcidelberg, den 7. October 1861.

Dcr Gemeinderath:

KrauSmann.

(2) Steverl.

östlichen Deutschland, nach PoMmern, Ostpreu-
stcn, Wcstprcußen biS hincin iMS unzcheure
Reich der Czaren. Reichc Leute, wclche die
Traubenknr brauchen, bringen viel Geld in dic
Psalz, die auch auf deu großen Wochenmärktcn
von Amsterdam und London hinsichtlich vor-
züglicher Weintrauben längst als Milbewcrberin
aufgetreten ist. Die durch Eisenbahnen und
Dampfboote bcschleunigte verbindliche Annähe-
rung ermöglicht cine solchc Mitbewerbung. Der
bckannte großr Markt in Dnrkheim, sogen.
Wnrstmarkt, ist auch in di-scm Jahre stark be-
sucht wvrden, man traf dajelbft auch viele
Mannheimer und Heidclberger, die den großen
Schvppen dcr baycrischen Pfalz gewogen und
zugethan sind.

j Aus dem Amtsbezirkc Eberbach,

8. Oktbr. Ein böswilliger Corrcspondent des
„Badischen Beobachiers" hat auch aus hiesiger
Gegend in Betreff dcr OrtSschulraths-
wahlen nur daS berichtet, was seinem Zweck
und dem seiner GesinnungSgcnossen dienen joll,
und absichtlich das verschwiegen, was. er zu
seinem großen Verdrusse sonst nvch
„beobachten" mußte; denn er berichtet z. B.
in Strümpfelbrunn und Waldkatzen-
bach hätten die Kalholiken gar nicht gewählt
und in Uberdielbach HLttcn sich nur süns
katholischc OrlSeinwohner bei der Wahl be-
thciligt, und jetzt werdcn diese Orte täglich in
dem Verzeichnisse derjenigen aufgezählt, deren
Bewohner sich gegen die Wahl theilnahmloS
erwiesen hätlen und die dcßhalb der Schulrc-
sorm feindsclig gegenüberständcn. Der Wahl
in die evangelischen Ortsschulrälhe zu
Strüinpfclbrunn, Waldkatzenbach, Obcrdiclbach
-c. gcschicht kciner Erwähnung; dcnn hieran
hat sich — trotzdem däß dieselben, waS man
auch hätte „beobachten" sollen, in die Zeit der
dringendsten Fcldgeschäfte fielen — fajt auS
jcdem Hause, auS welchem Kinder in
die Schule gchen, «enigstenS ein Wahl-
berechtigter bctheiligt. Ebrnjo wird die
Wahl der doch anch in dic kathotijche Psarrci
Strümpfeldrunn gehör. Katholiken in Fried-
richsdorf »icht genannt; denn dcnen mußte
man „das grogle Äiißsallen bezeigcn." Hat
man sich doch seit vielen Wochen allc erdenk-
liche Mühe gcgeben, um sie von diesem „ge-
fährlichcn", Rom und Freiburg verlctzenoen
Schritle abzumahnkn, uno doch ist eine Wahl
zu Stande gekommen! — Za wahrlich, man
hat Zeit und Mühe nicht gespart, hat die Lunge
nicht geschont, die Leute dahin zu bringen, daß
sie äußcrn, was wir auS dem Munde Eines
der Getreuen zu vernehmcn Gelcgcnhcit halten:
„Jch bleibe, wie ich bin*), ich wähle
nicht". Mag auch z. B. in Obcrdicldach dieje
Ardeit eine leichte gewesen sein, weil da „glück-
licher Weise" kein Katholik eine politische Zei-
tung oder auch nur das einfache Gejetz, um
das eS sich handelt, vor der Wahl zu Gesicht
bckam; aber in Strümpfclbrunn mag sie saucrn
Schwciß gekostcl haben. Nur in dieser wich-
tigcn Angelcgenheit scheut man keine Mühe;

"1 Hi-rauS ist crstchtlich, in w-lchcr W-lse man auf
dic Lcnte eiiizuwlrkeii bclicvle.

Dlc HSusigen Anfragen und G-suche um Dar-
lcben aus dcr Sparkajse vcranlasseil uns zu der
Bckanntmachung, daß die genanntc Kasse znr Zeit
kltne vcrsügbarcn Gltder hat, um Dariehen machen
zu können.

Heldetbcrg, den 10. October 1864.

Die Sparkasse-Commission.

Krausmann. s2) -

Haus-Versteigerung.

Auf Bcrsüguug des G-richlS wird daS zur Gant- ,
masse de» Kukschers Gregor B n r g e r m e i st c r
dahicr gkhörige, in dcr Ankünbigung vom3l.Au-
gust d. I. nSher bcschrtedene WohnhauS am
Donnerftag, den 20. October d. J„
Nachmlttags 2 Uhr,

auf hicsigrm Rathhausc tincr 2trn V-rstcigerung
ansgrsktzl, wobei der endgiltigc Znschlag rrsolgt,
wcnn der SchätzungSpreis auch nlcht erreicht wer-
bcn sollte.

Heidelberg, den 3. Octoder 1864.

Der VoltstrcckungSbcamtc:
s2j H. P - z ° lö.

Ganterkknntnlß.

Gegen Kausmann Georg Helv, Tag des Aus-
bruchs des Zahlungsunvcrmögens 3. Zuni d. A„
Tagsahrt Donnerstag, dcn 10. Nvv-Mbtk d. Z„

MorgknS 8 Uhr.

man isi ja reichlich belohnt, wenn man seinem
lieben Oberbeobachter berichten kann: diese Ge-
mcinde hat nicht gewählt, und in dieser Ge-
meinde haben sich nur Wenige bei der Wahl
.belheiligt. Denn: „WaSwürde man sonst
'in Freibnrg dazu sagen?"

Äus Baden. Dic jährliche Generalver-
sammlung des Pestalozzi-Vercinr wurde dieSmal
am 5. October zu KarlSruhe abgehallen. Der
Rescroefond desselben hat sich auf 20,000 fl.
erhöht. Die Pestalozzi-Bereins-Lotterie erkug
dem Fond rein 21.073 fl. 50 kr.; so daß der-
selbe jetzt auf 41,000 fl. steht. DaS Beneficium
wnrde sür die Folge von 175 auf 225 fl. er-
höht. Die nächste General-Versammlung ist
nach Offenbach bestimmt. — Die Excommn-
nication deS Geh. Hofrath Dr. Beck, der, al»
katholischer Gcistlicher, jjch vcrhcirathct, macht
vieleS Aussehen. Ma» muß wirklich staunen,
sagt die „Bad. LandeSztg.", übcr die noch fort-
dauernde Ansichl, daß die Priestcrweihe dem
katholijchen Geistlichen einen unanslöschllchen
Character ertheile, der ihm lebenSlänglich an-
hafte, auch wenn er dem Priesterstande cntsagt
habe. Daß aber der Cölibat diesem Stande
eine bcsondere Heiligkcit vcrleihe, die durch die
Ehe entweiht oder abgcstreist werdc, und daß
daS ziemlich hiufige Znsammcnleben mit einer
Köchin achtunggcbietcnder, alS daS mit einer
Gattin sei, das widerstrcitct so schr dcn An>
jchauungcn und Ersahrungcn unscreS ZcitaltcrS,
daß man nicht weiß, ob man über eine dcrar-
tlge kirchliche Ucinmg lachen oder wcinen
soll. Herr Beck hat anßcrdcm, nach dem
„Oberrh. C.", schon vor 14 Jahrcn und auS
Gründen, dic ihn ehren, seinen Weihebrief an
die erzbischöfliche Curie zurückgejandt. — BiS
jctzt stnd die Wahlen in den OrlSjchulraih in
370 tatholischen Schulen mit 47,549 Wahlbe-
rcchtiglen u. 13,300 oder 27,97 pCt. WLHlcr»,
274 cvangclijchc» Schule» mit 38,967 Wahlbe-
rcchtiglen n. t4,339 odcr 38,78 pCt. Wählern,
14 ijraclitijchen «chulen mit 533 Wahlberech-
tigleu u. 268 oder 50,28 pCt. Wählern, aljo
im Ganzeu sür 658 Schulen n>it 85,049 Wahl-
berechligtcn u. 27,907 odcr 32,81 pCi. Wäh-
lern zu Slande gckommcn. Das ist bereits mchr
als dcr dritte Thell aller Schulen. — Acrnere
Wahlen ln den OrtSschulrath fanden statt in
Mühlburg, Lahr und ciner Reihc von Amts-
ortcn, in Kenzingen und dcm Amtsbczirk. Jn
21 Gemeinden deS BczirkSamIS Donaucschingen,
in Möyringcn, in verschicbenen Gemcinden des
WiesenthalS, in de» Amtsdezirken Weinheim,
Adelsheim. Ucberall fällt die Wahl auf Frcunde
der Schulreform.

vermischte Nachrichten.

Vmi Fraii v. K. i sl.; Nnaen. 1 fl.; I. 2 fl.: Frau
P—er 2 fl.; zusaminen 25 fl. 30 kr.

Versteigeruiigs-Ankttiidigung.

^ ^D^onnerstag, den 13. d^ Mts.
Nachmittags 2 Uhr,

im Pfandlocale (Kettengaffe) ctrca 50 Ttr. Hopfen
gegen Baarzahlung versteigert.

Heidelberg, 8. October 1804.

Der Gerichtsvollzieher.

Frey.

Pferde-Lersteigerung.

Dienstag, den 18. d. M., Nachmittags 2 Uhr,
werden vor dem Gasthaus zum Erbprknzen dahier
9 Milttärpierde

gegen gleich baare Zablung öffentlick verstetgert.
Schwetzingen, den 8. Octobcr 1864.

Großh. Obereinilkhmeret.

sind von heute an wicder zu haben bei

(2) Cnrl Will.

Einc szcwandte Kcllnorin und eine
Köchin wcrde» znm sofortigen Einlritt ge-
sncht. Wo sagt die Expcdition.
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