Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Deutschland.
Karlsruhe, 28. Nov. Das heulige 13.
Bulletin über das Lefinden Jhrer Großh.
Hoheit dcr Frau Markgräfin Wilhelm lautet:
„Die Besorgniß wegen dcr Schwäche, wclche
gcstern Mittag bei der hohcn Kranken austrat,
dauerte dic Nacht übcr fort, jchcint jedoch
dicsen Morgen etwas geringer zu sei». Dr.
Buchcgger. Dr. Meier.

xx Heideloerg, 26. Nov. Kladdcradatsch
sagte nculich rccht imtzig: „Ein Gras ist gegan>
gen, ein Graf ist gekommen, der Name des
Hcrrn sei gelobt in Ewigkcill" Aber auch der
neue gräsliche Minister wird Oesterreich weder
von jeiucr Schuld noch von seinen Schulden
bcfreicn. Jn oer mitlelstaatlichcn Presse, welche
gcgen den Grasen Rechderg den Vorwurf crhob
und noch erhcbt, daß er uicht in Gemcinschast
mit bcn Mitlelstaaten dic Politik deS Bun-
destages in der schlcSwig-holsteinischen Frage
zur alleinigen uno reinen Haltung gedracht
habe, jprichl sich die Hosfnung auS, daß das
Wiener Eabinct gegenwärlig dicsen Standpunkt
cinnehmen, sich von Preußen trcnnen und die
Erledigung der Angelegenheiten oer Herzog-
thümer zu Gunsten der Augustenburgischen
Ansprüche herbeiführen wcrde. Die Verlretcr
dicjer Ansicht übersehen aber, daß gegen den
Willcn Preußens, man mag darüder denkeu
wie man wilt, die schlcswig-holsteinische Frage
nicht zu lösen ist. Dieie Ansicht wird auch in
Wien dic Oberhand behallcn, wo man den
Werth und die Bcdeulnng der preußischen
Allianz, namentlich in den Regierungskreiscn,
nicht untcrschätzt. UebrigenS sollen zwischen
den beiden Cabinettcn noch keine beslimmten
Vereinbarungen bejtehen übcr die nach dem
Frieden zunächst zu ergrcifenden Maßregeln;
conträre AuSlassungen darüber habeu nur dcn
Werth von politischen Conjecluren odcr Vcr-
muthungen. Nur so viel ist nach officiösen
Aiideutungcn sicher, daß prcußijcherseitS die
Aujhebung deS Exccutioiisverfahrens gcgen
Holstei» als der nächste herbeizusührende Vor-
gang in'S Auge gesaßt ist. Oejierreich und
Prcußen werden desyalb dcni Bunde Anträge
und Vorjchläge zu machen haben, waS ste be-
kanntlich öfterS thaten, um schließlich nach
eigencm Ermesse» und Gutdünken zu verfah-
ren, wovon wir im Lause dieses Zahres über-
raschende Proben und Pröbchen gehabt haben.
Wem Macht und Gewalt vcrliehen ist, dcr will
auch Gebrauch davon machen; von liebevollcr
Treue, Pietät und Anhänglichkeit ist da kcine
Rede, die waren in der That und Wahrhcit
niemals recht vorhandcn. Der dcutsche Bund
gleicht in dicser Hinsicht einer alten Coquette,
deren verblühte Reize die flatlerhaften Liebhaber
nicht mehr zu fesseln vermögen.

Aus Baden, 24. Novbr. Die Stellung,
welche das kirchliche Rcgiment in neucster Zcit
dem Staat gcgenüber bei uns eingenonmieii hat,
macht eine Erganzung und VcrvoUständigung
unjerer Gesetzgebung überall, wo das staatliche
mik cinem angeblichcn oder wirklichen kirchlichen
Jnteresse in Conslict kommt, zu ciner unver-
meidlichcn Nothwendigkeit. Wcnn kirchlicher

Stclle als Vogt abzugcbcn. Grüßt Dlch crgcbenst
Sophic Trümpy-Müller."

Ucbcr Dcmmc'S Bcrustmg nach Merlko wclß daS
„Jnt.-Bl." deS Rähcrn jn melden, er habe dieS
dcr Vcrwendung dcS Dr. Ncudörfer zu verdanken,

macht und vom Kaiscr Marimilian mit den mtli-
tärlschen und civilen Medicinalangelcgcnheitcn tn
Mcriko deanstragt tft.

Wle wir hörcn, sind dle Papicrc deS Hrn. Prof.
Dcmmc untcr amtliches Siegel gelcgt.

Ein Äbentcuer in Meriko.

(Schluß.)

E° gern ich nnn anch dem liebenden Paare dic
qualvollc Kreude des (etztcn Abschiedes gönnte, so
dnrste tch dlese Sccnc nicht allzu lange hinauS-
spinnen laffen. Der Officier, der das ErecutionS-
commando befehllgte, wandte fich an mich, was
cr zu thnn habc, da das Mädchen noch tmmer
ihren Gcliebten fcft umschlungcn hiclt und g-r
krlne Reignng zn haben schien, diesen Platz wilder

SeitS die erlangtc Selbstständigkeit dahin ge-
dcutct wird, daß jcde Zivangsgewalt von Seite
des Staats gegen Geistliche unstatthaft sei, so
ist es weder mit dcr Würde dcr Staatsregie-
rung, uoch mit dcn Jnteressen der staatSan-
gchörigen vereinbar, in vieleu höchst wichtigen
Dingen von dem gulen Willeu und gleichsam
von dcr Gnade des kirchlichen Regimcnts ab-
hängig zu scin. Dahin gchört u. A. die un-
behinderte Schließung rechtsgiltiger Ehen, die
gesctzliche Führung der bürgerlichen Standes-
büchcr u. A. Ersteres kaiin nur durch eine
consequente Durchsührung unsercr Ehegesetz-
gcdung, welche noch an ciner empftndlichen
Halbheit leidct, lctzteres dnrch Uebertragung
der SlandeSdücher an bürgerliche Beamte ge-
jchchen. ffeur auf solche Weise wird es möglich,
sorlwährende, iiiituiitcr ärgcrliche Conflicle von
vornhereln abzuschneioen, und mlt der pflicht-
mäßigen Sorge sür dic höchst wichtigcii Znlc-
rcsscn, die hier in Fragc kommen, zugleich den
wmijchenswerlhen Frieden zn wahrcn. Es ist
eine bekannle Erfahrung, daß Ordnung und
Zufricdenheit im Staat am sichcrsteii durch
cousequente Durchfühung der fundamentalcn
Grundsätze bewirkt werden. Auf dem letzten
Landtag stnd darum auch wiederholt in ange-
gebener Richtung Wünsche und Ansichten, selbst
von der RegierungSbank aus, ausgcsprochen
worden, deren Berücksichtigung, wie wir Grund
zu hosscn haben, schon in uächster Zeit statl-
fiiiden dürfte. Was die Führung der bürger-
lichen SlandeSbücher insbesondere betriffl, so
habcn wir von jehr würdigcn Geiftlichcn in
größercn Städten den dringenden Wunjch nach
einer Acnderung »eriivmmen, da die AuSdeh-
»ung und Form, wie jene Führüng im staat-
lichen Jnieresse verlangl wird, fast cine ganze
Krast in Anspruch nimmt und den Geistlichen
durch ein Uebermaß von Schreiberei scinem
cigcntlicheii Beruse entsremdet. (S. M.)

Aus Badon, 25. Rov. schreibt der „S.
M.": Von Seiten des kirchlichen Regiments in
Freiburg ist bicscr Tage eine gedruckte Jnstrnc-
tion an sämmtliche kaihotische Psarrcr und Cu-
raten des Landes ergaugen, worin ihncn über
ihr künstigeS Vcrhaltcii gegenüber den nun
übcrall in Wirkjamkeit trctcnden Ortsschul-
räthen genaue Weisuug ertheilt wird. Lctz-
tere geht im Allgemeinen dahiu, daß die Pfarrcr
den Ortsjchulralh ihrer Gemeindeii gänziich
iguorireu, in kciiierlci geschästiiche Verbindung
mit ihm trelcn und bczüglich des zu ertheilen-
den ReligionsuntcrrichlS sich so benchmcii sollen,
als ob kein Ortsschulrath beständc. Ueberdicß
werden die Psarrer aufgesordert, die Stistungs-
räthe ihrer Gemeinden, deren Vorsitzende sie
sind, zu veranlassen, keinerlei Beiträge kirch-
licher FoudS zur Unlerhaltung der Lehrer
und Schulen welter verabsolgen zu lasjcn. Mit
diejcm Liißcrsteii Schritt haben die gegenwär-
tigen Freiburger Kirchenregenten den Riß zwi-
schen dcr Kircheiigcwalt einerjeits und dem
Slaate und den Gemeinden andererseits voll-
endet; die Zukunft Ivird lehren, daß diese ge-
walljame Lostrennung der Geistlichkeit von der
Schule weder die kirchlichen Znteressen im All-
gemeinen fördern, noch am allerwenigs'ten die

zu vcrlaffcn. Jch bat zuerft dcn alten Dominika-
ncrmönch, fic in Güte zn bewegcn, daß fie fort-
gchcn möge, allcin seinc Worte trascn aus gänzlich
taubc Ohren. Als allcs Zurcden nicht hclfcn wollte,
befahl lch zwet Zuaven, daS Mädchen mit Gcwalt
von dcr Brust ihrcs Gcliebten loSzureißcn, was
erst nach hartnäcktgcm Widerstande von threr Scite
geschlhcn k-nnte. Zctzt licß ich dlc Erecution mög-
lichst derilen und zucrst dic bcidcn Söhne und dann
den alten Vatcr crschleßen. Allc drci starben mit
vielem Muthc und sankcn von den Kugeln der
Zuave» durchbohrt lautloS zu Boden. Als der
jüngste Räuber zusammcnstürztc, fileß feine Braut,
die tnzwlschen von zwci Zuaven am Arm seftgchal-
ten wurde, wetl sic fich noch immer an dcn Ge-
lieblcn hcrandrängenwollle, eincn gellenden Schmer-
jenSschrei aus, der welt übcr den ganzen Platz er-
scholl.

Nach bcendrter Erccution halten dle Soldalen
daS Mäbchen loSgelaffcn. Kaum war dles geschrhcn,
so sprang sie mit der größtcn Schnelligkeit und
Gewandthcit aus mich zu, und bevor thr noch Je-
mand in dte Armc faücn konnte, sührte fie blltz-
schnell elnen Stoß mtt einrm D-tche, den ffe au«

hierarchischeii Hvffnungen ihrer Urheber recht-
sertigcii wlrd.

Sluttgart, 23. No». Aus Würlemberg
ist eine Ziistinimuiigsadreffe zu dem Protest
der 118 Ketzeruchter in Badeu gegeu das
Schenkel'iche Buch abgegaugen. Dieselbe zählt
bis jetzt 182 lluterschrisleii, meist von Geist-
lichcn. Die Adreffe wird gauz im Slillen im
Lande herumcolpvrtirt. (D. A. Z.)

Kaffel, 24. Nov. Ju dcr heuligen geheimcn
Sitzung der Slände soll die Aoresse an den
Kurskrsten wegcu Stockung der Staatsgeschäste
cinstimmig angeuommen worden jcin.

Berlin, 25. Nov. Heute hieltcn die Stadt-
viroroiielen cine außcrordeiitliche Sitzung zur
Beralhung einer Magistratsvorlage bczüglich
dcr Rückkehr dcr Trnppen auS SchleSwig-Hol-
stein. Der Spener'jchen Zeilung zufolge wird
vvrauSsichtlich am 18. Decbr., wo sämmtliche
Truppen, welche am Kricge Theil gcnommen
haben, in ihrc Garnisoneii zurückgekchrt jein
werden, cine SiegeSfeier in sänimllichen Landes-
kirchen stattfinben.

Wien, 22. Novbr. Die gestern Abend ge-
schlvssenen Zeichnungen für das Stencranlehen
belaufen sich allein in Wien auf 48'/, Mill.
Guldcn, sie werden also im Ganzcn stcherlich
das Doppelte der ausgeleglen Sumine von 25
Mlll. erreichen. (Fr. Post.)

Wien, 23. Nov. Jm Abgeordnetenhause
wnrde heute der Aoreßentwurf vertheilt nnd
gclangt nächsten Dienstag zur Berathung. Der
Entwurf crkelint in der jährlich wiederkehrciiden
Wirksamkeit des ReichSratys ein in der Verfas-
sung begründcteS Recht und hält die regelmäßigc
Wiederkchr der Sitzungeii sür unentbchrlich. Er
beklagt oie Unterbrechung der verfassungSmäßi-
gen Thätigkeit in einzelnen Theilen des Reiches.
Er hält die ungcsänmte Einberusiing der Land-
tage von Ungarn und Kroatien nach Abschluß
der Aufgaben deS GesammtreichSraths für un-
crläßlich, und hofft, in nicht serner Zukunft
auch die Landtage Lombardo - Veneliens und
GalijicnS tagcn zu seyen. Eiiien gesicherten
danernden Arieden herzustellen und zu besesti-
gen, erkcnnt das Haus als unverrückdares Zicl
der Regierung und glaubl zuvcrflchtlich, die
Regicrung werde im Zusammenwirken mit dem
Deutschen Bunde den Herzogthümcrn zn ihrem
vollen Rechte in dcr Erdfolgefrage und auf
selbftstäildige Ordnung ihrer Angelegenheiten
vcrhelscn. Er wird die Bemühniigen der Rc-
gierung, welche bundeswidrigen Sonderbestre-
bungen eiitgegeiilreleii und burch Reformen in
der BuildcSversassuilg Deutschlands Bande
enger knüpsen, srendig begrüßen. Das Haus
erwartet die Darlegung dcr Gründe und Er-
solge, welche der AuSnahmszujtand in Galizien
gehabt, und wünscht, daß deffen etwaige Noth-
wendigkeit baldigst enlfalle. Es HLlt ciiie völlige
Umkchr zur strengen Regelung der StaalSauS-
gaben für unverweilt nöthig, namentlich die
Redncirnng der Ausgaben sür die Armee und
die Flolte. Es behält die Schlußfassung über
die Zulässigkeit der Feststclluiig dcS Budgets fkr
1886 dem Zcüpuiikt dcr wirklichen Vvrlagc vor.
Jn einem Ministerveraiitwvrllichkeitsgesetz er-
blickt es cine der dringendsten Ergänzungen der

ihrer Klridung hervorgezogen hatte, nach meincr
Brust. Jch batte diese Bcwegung glücklicher Wcise
noch rechtzeitlg genug bcmerkt, und da lch sehr ge-
wandt bin, s° konutr tch dem Stoß noch schncll
genug auswcichen, so daß lch nicht davon verletzt
wurde. Meine Soldatcn ergrtffcn nun sogletch das
Mädchcn und entwaffnetcn fie, was fie, ohnc den
mtndesten Widerstand zu leisten, auch geschrhen licß.,
Jhre dunklen Augen flammten förmlich vor Zorn
nnd Rachsucht nnd thr gebräunteS Geficht war fast
vor innerer Ausregnng weiß geworden. Dobci btß
fie mit ihrcn schönen welßen Zähnen so scharf auf
thre Ltppen , daß diese blntig wurden. Auf allc
an fie gertLteten Fragcn erwidertc ste kein Wort.
Zwar hätte lch elgentlich das Mädchen wegen dieseS
versuchten MordrS an das Gcricht ablicfern sollen;
boch widerstrebte dies meinem Gesühle. So bcfahl
tch denn zwei Zuaven, fic zu entwaffnen, clnr
Strecke sorlznsühren nnd fie dann ohne weitere
Bcletdtgung freizulaffcn, was anch geschehen ift.
Das Geficht dicser racheglühendcn Räubeebrant
werdc tch nlcmals vergeffen.
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