Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 19): Landkreis Cuxhaven — Braunschweig, 1997

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Bad Bederkesa, Amtsstr. 8, ehem. Amtsschreiberhaus, wohl 1740



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Bad Bederkesa, Bahnhofstr. 18, Bahnhof, 1896

Geeste-Elbe-Kanals, der seit 1860 die Fortset-
zung des Hadelner Kanals bildete, und die Eröff-
nung der Eisenbahnlinie nach Lehe 1896. Unter
anderem wurde 1897 eine Molkerei gegründet,
und auch der Fremdenverkehr, der sich in der
Gegenwart zu einem der wichtigsten Wirtschafts-
faktoren entwickelt hat, setzte schon um die Jahr-
hundertwende ein. Die Einwohnerzahlen spiegeln
das Wachstum des Ortes wider: 1855 lebten in
230 Wohngebäuden 1274 Einwohner, deren Zahl
1905 1680 betrug.

Bis zu diesem Zeitpunkt war die Bebauung
hauptsächlich den drei südlich der Burg im
Marktbereich zusammenlaufenden Hauptlinien
gefolgt: der von Süden kommenden Gröpelinger
Straße parallel zum Seeufer, der in nördliche
Richtung führenden Mattenburger Straße und der
vom Markt nach Westen abzweigenden Berg-
straße, die seit Mitte des 18.Jh. bebaut worden
war. Vor allem seit den fünfziger Jahren unseres
Jahrhunderts hat sich die Bebauung stark ausge-
dehnt, zum einen am Westhang des Geest-
rückens und zum anderen in Richtung des ur-
sprünglich außerhalb, nordwestlich der Ortschaft
gelegenen Bahnhofs (Bahnhofstraße). Das 1896
in Betrieb genommene Empfangsgebäude, ein
zweigeschossiger Ziegelbau mit eingezogenem
Osttrakt, ist in zeittypischen Formen mit Deut-
schem Band als Gurtgesims und stichbogigen
Fensterverdachungen gestaltet. Den ursprüngli-
chen Eingangsbereich akzentuiert ein Risalit mit
abschließsendem Freigespärre. Nach Westen
schließt ein Güterschuppen in Fachwerkbau-
weise an. Die bereits lange Zeit funktionslose An-
lage wird künftig ein Eisenbahnmuseum und -ar-
chiv beherbergen.

Burg Bederkesa

Das orts- und regionalgeschichtlich bedeutsam-
ste Baudenkmal Bederkesas stellt die nördlich
des Marktes gelegene Burg dar, heute Sitz der
Archäologischen Denkmalpflege des Landkrei-
ses und eines historisch-archäologischen Mu-
seums (Amtsstr. 15). Sie präsentiert sich nach
der in den Jahren 1976-82 durchgeführten Re-
staurierung wieder als eine nach Osten geöffnete
zweigeschossige Dreiflügelanlage. Errichtet wur-
de sie im Uferbereich des Bederkesaer Sees auf
einem künstlich aufgeschütteten Hügel anstelle
einer Motte des 12.Jh. Während der Sanierung
freigelegte Fundamente im Bereich des heutigen
Mittelflügels belegen außerdem als Vorgänger-
bau eine Turmburg der Zeit um 1400. Bereits
1381 konnte sich die Stadt Bremen in kriegeri-
schen Auseinandersetzungen die Hälfte der
Herrschaft Bederkesa aneignen und erlangte
1421 schließlich den gesamten Besitz. In der Fol-
ge wurde die Burg sukzessive zu einer der stärk-
sten Befestigungsanlagen im Bremer Machtbe-
reich ausgebaut: 1457-60 errichtete man den
Südflügel mit zweischiffigem Gewölbekeller (be-
legt durch die 1977 aufgefundene Inschrifttafel,
die heute über dem Eingang angebracht ist),
1535/36 folgte der Nordflügel und endlich, als
Verbindung zwischen beiden, 1579 der Westflü-
gel. Ein 1604 von Wilhelm Dilich publizierter Kup-
ferstich zeigt die durch Wall und Graben sowie
Eckbastionen befestigte Burg. Nachdem die
Herrschaft Bederkesa als Ergebnis des Dreißig-
jährigen Krieges an Schweden gefallen war, wur-
de die Befestigungsanlage nach 1661 geschleift,



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