Wingenroth, Max ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 7): Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg — Tübingen, 1908

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20 KREIS OFFENBURG.

19. Jhs. ist der in diesen Gegenden stets wiederkehrende viereckige Thurm vorgelegt,
der sich in einem grossen Rundbogen dorthin öffnet. Das Kreuzgratgewölbe des Thurm-
erdgeschosses bildete ehemals wohl den Chor der (orientirten) Kirche. Nach Norden
hat dies Geschoss ein viereckiges, innen flachbogiges Fenster, nach Osten ein grosses
Rundbogenfenster, nach Süden eine Lichtluke, in dem obersten Geschoss nach allen
Seiten je zwei Rundbogenfenster (nach Osten nur eines). Wir dürften einen in seinen
Mauern mittelalterlichen, im 18. Jh. überarbeiteten Thurm vor uns haben. Auf ihm eine
Wetterfahne mit dem Schwan aus dem Stadtwappen.

Kirchengerathe Kirchengeräthe: zwei Kelche. An dem einen mit dem Strassburger Beschau-

zeichen steht: G. E. L. Nessler Past. ibid. 1755; an dem andern: »der Kirchen zu
Lichtenau Anno 1755 G. E. L. Nessler Past. ibid.« An der Westfagade der Kirche ein-
gemauert das aus der alten Kirche stammende Hanau-Lichtenbergische Wappen.

Befestigungen Reste der alten Befestigungen: im Pfarrhausgarten die Mauerreste eines vier-

eckigen Thurmes aus Bruchsteinmauerwerk mit Backstein untermischt, die Mauern
ca. 1 Y2—2 m dick, mit jetzt formlosem Eingang. Es sind die Reste des 1826 abgetragenen
Streckthurmes mit daran anstossenden Mauerzügen. Etwa 1 o m davor noch weitere
Mauerzüge erkennbar. Reste der Stadtmauer im Garten des Gasthauses zum Ochsen.
Ihr Zug ist in der Anlage der Strassen deutlich erkennbar. Ausserdem erinnern Namen
wie Schanze, Schlosshof, Zwinger, Münzhof, Münzwald an die alten Zeiten.

LINX

Schreibweisen: Lincgisen 1139; Lingiez 1289; Lingies 14. Jh.; Linkies 1390;
Lynckgieß 1412; Linggieß 1477; Linx 1595. (Verdorben aus Lingisheim = Heim
des Lingo.)

Archivalien: Auf dem Rathhaus ein Waldbrief.])

Litteratur: Schaible, a. a. O. 54.
Ortsgeschichte Ortsgeschichte'.' Gehörte zur Herrschaft Hanau-Lichtenberg, wurde 1803 badisch.

Pfarrkirche Evang. Pfarrkirche. Patron vor der Reformation S. Vincenz.

Die jetzige Kirche (s. Fig. 6) ist ein vielfach überarbeiteter Bau aus verschiedenen
Zeiten in Bruchsteinmauerwerk mit Mörtelbewurf, Gesimse etc. aus rothem Sandstein.
Ein einschiffiges Langhaus mit quadratischem Chor, der das Untergeschoss des Thurmes
ist, zu beiden Seiten desselben je eine Sakristei. Das gerade gedeckte Langhaus hat an
jeder Seite drei einfache Spitzbogenfenster, ausserdem je ein Rundfenster und je eine
spitzbogige Thür in deren Sturz die Zahl 1619 eingehauen ist.

Ueber dem Portal der westlichen Frontseite das Hanau-Lichtenbergische Wappen
(Fig. 7), eine fast genaue Wiederholung des Bodersweier'schen, in gelbem Sandstein, auch
die Inschrift in Capitale der Bodersweier'schen gleich mit geringen Abweichungen und
ohne Jahreszahl: »JOHANN REINHARDT GRAVE ZU HANAU UND ZWEI-
BRÜCKEN HERR ZU LICHTENBERG UND OCHSENSTEIN, ERBMAR-
SCHALCK UND OBERVOGT ZU STRASSBURG-« Das Langhaus hat einen

*) T r e n k 1 e , a. a. O.
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