Wingenroth, Max ; Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 7): Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg — Tübingen, 1908

Seite: 269
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AMT OBERKIRCH. — OBERKIRCH. 269

OBERKIRCH

Schreibweisen: Oberkirch ca. 1229; Obernkirchen 1236; oppidum 1303; Obir-
kilke 1247; Oberkilch 1316; merketstat Oberkirchen in der gegene zu6 Mortenowe
gelegen 1303.

Literatur: J.Bader, Die ehemalige Straßburgische Herrschaft Oberkirch, Badeniall
(1840), S. 219—237. K. Christ, Zu den Hausinschriften in Neuenheim und Oberkirch.
Picks Monatsschrift VI, S. 582. Hartfelder, Ordnungen der Stadt Oberkirch, J. 58,
S. 679. F. J. Mone, Der Schauertag zu Oberkirch im 16. Jh., J. 17, 1865. Fecht,
Allerheiligen, S. 85 ff. Fr. Schaz, Stadt O. und die Burgen des vorderen Renchthales,
Achern 1898. Die Bruderschaft zum h. Skapulier in Oberkirch, Freiburg 1865. (Dazu
die allgemeineren, öfters zitierten Werke von Fritz, Zentner etc. — Näher,
Ortenau, S. 25.)

Ortsgeschichte: Oberkirch wird verhältnismäßig spät erst erwähnt und dürfte also Ortsgeschichte
wohl auch erst im Laufe des 11. und 12. Jhs. aus vereinzelten Ansiedelungen entstanden
sein,1) die von Nußbach aus pastoriert wurden und dann auch eine Kapelle erhielten,
die dem Ort der oberen Kirchen den Namen gab. Diese Kapelle aber lag nicht an
der Stelle der heutigen Pfarrkirche, sondern in dem heute sogenannten Oberndorf, und
es ist möglich, daß wir ihre Überreste noch in dem auf dem Friedhof stehenden Bau
besitzen. Der Ort gehörte zu zähringischem Besitz und kam als Erbe an die Grafen
von Freiburg. 1246 aber wird Obirinkirchen als Stadt der Markgrafen Hermann und
Rudolf von Baden genannt (Kopie des 16. Jhs.). Wie es an diese kam und ob das
zusammenhängt mit der Verpfändung der damals schon bischöflich straßburgischen
Territorialbesitzungen Ullemburg und Renchen,2) vermag ich nicht recht zu sagen.
Sollten die Grafen von Freiburg es schon einmal an Straßburg abgetreten haben ? Bereits
vor 1273 waren Renchen und Ullemburg von dem Bischof zurückgekauft. 12 71 war
Graf Heinrich von Fürstenberg mit der Hälfte der Herrschaft Oberndorf, unterhalb der
Burg Fürsteneck, nebst dem kleinen Seitental des Walramesbaches Lehns- und Burg-
mann des Bischofs von Straßburg geworden. Die Besitzverhältnisse in der Gegend
müssen wohl strittig gewesen sein, was ich daraus entnehme, daß König Rudolf Lehen
in Fürsteneck und Oberkirch dem Markgrafen Rudolf von Baden verliehen hat (feoda
in Furstenecke et Obirkirche, que Rudolfus senior marchio de Baden a Rudolfo Romano-
rum rege et imperio possedit 1286). Es handelte sich also dabei um Reichslehen. Im
gleichen Jahre aber verzichtet der Markgraf darauf, und der König übergibt sie an
Friedrich und Egeno von Fürstenberg als »perpetuo libere possidenda«,3) also doch als
Allodialbesitz. 1303 verkauften dann Udelhildis, die Witwe Friedrichs, und ihr Sohn
Heinrich Schloß und Stadt dem Bistum Straßburg, das schon in der Gegend reiche
Besitzungen hatte. Als Pertinenzien zu Schloß und Stadt kamen damals dazu Güter in
Ringelbach, Geldengrunt, Frowensberge; sodann im Noppenouwer Tal in Gerwinsberge,
Nortwasser, Meisahe, Rotschier, Breitenberg, Dettlinsbach, Bestenbach, Eberlinsberge,
m dem Springe, Löhern, in der Gassen, Ruprehtsbühele, Sigmannesgassen, an der Matten,

) Die früheren Annahmen einer Entstehung des Namens aus Hypergraecia und eines lateinischen
Ursprunges brauchen hier nicht mehr widerlegt zu werden. . .

2) Fritz a. a. O. S. 144.
8) Krieger I, S. 664.
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