Wingenroth, Max ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 7): Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg — Tübingen, 1908

Page: 318
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KREIS OFFENBURG.

Privathäuscr Bemerkenswerte Privathäuser: Haus des Münchner Kunstmalers Huber, Riegel-

bau ; die Herrenmühle, gegenüber der Linde, ehemals Allerheiligen gehörig (s. oben).
Über dem Kellertor steht:

17 F-I- (Kelch) VA 8 9
darüber an der Fassade eingemauert das Wappen von Staufenberg 1588 (dreifaches
Wappen); die Jahreszahl 1771 an einem Haus gegen Staufenberg zu.
Kruzifix Ein Kritzifix von 1759 bei Eyersbach, ein reicheres von 1789 mit dreigeteiltem

Postament, mit Maria, Johannes und Magdalena. Überlange, verwitterte Gestalten.

BURG STAUFENBERG

Schreibweisen: Stouffenberg ca. 1070 bis 1092; Stoufenberc n20 bis 1150;
Stoufenberg ca. 1150; Stöffenberg 14. Jh.; Sthüffenberg 1308; Stophenberg 1318;
Stauffenberg 1421; Stouffemberg 1441 etc.; die bürg zu Stöffemberg 1330; zu Stauffen-
berg in der vesty 1435.

Literatur: K. Asbrand, Badenia NF.I(i859), S. 340—425. (Eckert),Temringer
Peter oder die Sage vom Schloß Staufenberg 1863. F"i ekler, Schloß Staufenberg, in
Schönhut, Burgen etc. I, S. 96—-107. Th. Müller, Beiträge zur Geschichte der
Ortenau: I. Graf Burkhard von Staufenberg und die Grafen der Ortenau, Z. NF. 8 (1893),
S. 419—435. K. Schorbach, Jüngere Drucke des Ritters von Staufenberg, Ztschr. für
deutsches Altertum, Band 40 (1895), S. 123—126. Edward Schröder, Zwei altdeutsche
Rittermären: Moriz von Craon und Peter von Staufenberg, Berlin 1894, vgl. Z. NF. 9,
S. 336. Revue critique 39, S. 452. Göttinger gelehrte Anzeigen Nr. 5 (Mai 1895),
S. 405—416). Litter. Centralblatt Nr. 16.
Geschichtliches Geschichtliches: Die Fabeln, die man, wie früher üblich, über den römischen

Ursprung der Burg erfunden hat, brauche ich hier nicht zu widerlegen, noch weniger
die Kombinationen über die Beziehungen derselben zu dem Ringwall auf dem Stollen-
berge. Man mag das Alles in dem sehr anmutenden Aufsatze Asbrands nachlesen.

Jedenfalls schon früh knüpfte sich an die Burg die schöne Sage von jener Fee, die in treuer
Liebe mit einem Ritter Peter von Stauffenberg verbunden war: »Petermann der Diemringer, ein
degen uzerkorn, von Stoufenberg was er geborn, daz liet in Mortenouwe«. Er hatte ihr geschworen,
kein ander Weib zu nehmen, und er bleibt ihr treu, bis der König ihn überredet, seine Nichte, die
Herzogin von Kärnten, zu heiraten. Beim Hochzeitsmahle erscheint, wie die Fee als Zeichen an-
gekündigt, ihr weißer Fuß durch die Decke des Saales:

Ein Frauenfuß sich sehen ließ
Im Saale bloß bis an das Knie,
Und schöner ward auf Erden nie
Noch lieblicher ein Fuß gesehen
und drei Tage später war der Ritter tot. Der Dichter des Liedes war selbst ein Staufenberger,
Egenolf, der 1273 schon vorkommt und 1324 stirbt und offenbar als Vorbild Konrad von Würzburg
hatte. Die Dichtung ist früh gedruckt worden, in, wie es scheint, mehreren Inkunabeln, 1588 hat
sogar Johannes Fischart sie auf Wunsch des Junkers Melchior Wiedergrün von Stauffenberg um-
gearbeitet, aus dem 19. Jh. existieren drei Ausgaben. Den Helden der Dichtung genauer zu
bestimmen, ist bis jetzt nicht gelungen. Auch über den Zusammenhang der Familien Diemeringen
(Elsaß) und St. konnte nichts festgestellt werden. Ein Peter von St. erscheint 1274; es scheint
mir aber gänzlich ausgeschlossen, daß die Sage an einen Zeitgenossen des Dichters anknüpfte, wohl
eher an einen weit älteren Vorfahr des gleichen Namens. — Später — schon im 15. oder 16. Jh. —
scheint dann eine Verwechslung mit der Melusinensage eingetreten zu sein, und schließlich wurde
Staufenberg und die angebliche Burg auf dem Stollenberg als die Heimat der Melusine bezeichnet.
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