Wingenroth, Max ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 7): Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg — Tübingen, 1908

Page: 279
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AMT OBERKIRCH. — OPPENAU. 279

Herrschaft Oberkirch, zum weltlichen Besitz des Bistums Straßburg, und wurde 1803
badisch. — Die Waldgenossenschaft des Mooses hielt ihr ehemaliges Waldgericht zu
ödsbach unter der Linde. Neuordnung der Waldgerechtigkeiten 1527.

Kapelle ad S. Jacobum. Kleiner Bau des 18. Jhs. auf älterer Grundlage: gekuppelte Kapelle
Rundbogenfenster in der Altarwand. Holzfigur der Madonna, 18. Jh., gut bemalt.

An der den Ort durchziehenden Landstraße ein Kreuz von 1687 sowie ver- Bildstöcke m
schiedene Bildstöckle. An dem Weg nach Lautenbach ebenfalls solche des 18. Jhs.
und ein Rokoko-Kruzifixus von 1730.

Auf dem Weg von Giedernbach nach Lautenbach zweidrittellebensgroße, flotte
Sandsteinstatue der Immaculata in der geschwungenen Haltung des 18. Jhs. auf üblichem
Rocaillesockel von 1750.

OPPENAU

Schreibweisen: ad Noppenow in Martnowa ca. 1070 bis 1092; Openowe zweite
Hälfte des 12. Jhs.; Noppenowe 1289; Oppinaue 1294; in valle Noppenowe 1316;
Noppenower tal 1321 etc. (Au des Noppo.) 1347 hören wir von einer »villa in valle
Noppenowe«; 1395 heißt es »zu Noppenowe in dem dorf«; 1381: »der farnd ob der
stad zu Nopenouwe«.

Literatur: Das Oppenauer Hubrecht aus dem XV. Jh., Z. III, 484; außerdem
Zentner, Das Renchtal, S. 221, und die allgemeinen Schriften.

Ortsgeschichte: Oppenau scheint ursprünglich Reichsgut gewesen zu sein. 1316 über-
trug König Friedrich dem Straßburger Bischof Johann I. von Dirpheim alle Reichsleute,
die in der Stadt Renchen, im Noppenouwer Tal etc. wohnten. Es war das ein großer
Schritt weiter zu dem von den Bischöfen erstrebten Ziel der Landesherrschaft über das
ganze Renchtal. In Frage gestellt wurde diese Erwerbung durch König Ludwig den
Bayer, indes kam eine Vermittelung zu stände, die den Besitz tatsächlich dauernd machte,
da die Pfandsumme von 4000 Mark, die dem Bischof als Ersatz für den in Benfeld durch
Ludwigs Partei erlittenen Schaden zugesagt war, natürlich niemals gezahlt wurde.x) Zu-
gleich waren die Bischöfe eifrig bestrebt, ihren Grundbesitz in der Gegend zu vermehren.
So hören wir 1319 von dem Ankauf von Grundstücken in dem Noppenauer Tal. Auch
gelang es ihnen, das stattliche Gut des Klosters Allerheiligen und die dazugehörige,
über dem Ort liegende Burg Friedberg, von der heute keine Reste mehr vorhanden sind,
durch Tausch von dem Kloster Allerheiligen zu erwerben. Oppenau, das bis zum
J. 1803, wo es badisch wurde, nun zum weltlichen, rechtsrheinischen Gebiet des
Bistums Straßburg gehörte, zur Herrschaft Oberkirch, machte deren schon mehrfach
geschilderte Schicksale mit. Es war später eines der sechs Gerichte der Herrschaft, und
zwar gehörten zu ihm2) Guckinsdorf, Bocksberg, Fohren, Ottersberg, Ebene, Ansätze und
Nordwasser, Heimburgerturm, Ramsbach, Ibach, Löcherberg, Freiersbach, Rüstenbach,
Döttelbach, Rench, Maisach und Lierbach. Bald nach der Erwerbung — nach Kolb8)
noch von Johann I. — wurde es zur Stadt erhoben und befestigt. Es hatte zwei Tore,

*) Fritz a. a. O. S. 151 ff.

2) Fe cht, Allerheiligen2, S. 104.

3) Kolb III, S. 39.
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