Wingenroth, Max ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 7): Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg — Tübingen, 1908

Page: 101
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AMT LAHR. — OTTENHEIM. IOI

Kern alt, mit Cement bekleidet. Im Erdgeschoss Portal im Kielbogen geschlossen, mit
sich schneidenden und todt auslaufenden Rundstäben auf steilen Basen (natürlich Sand-
stein), der Jahreszahl: l I % l J l X und dem Steinmetzzeichen: -n . Kreuzgewölbe

im Innern mit einmal hohlgekehlten Rippen, die ohne Konsolen an der Wand verlaufen,
und Schlussstein mit dem Agnus dei.

Auf dem Friedhof aufgestellt der obere Theil eines verstümmelten, naturalistischen Crucifixus
Crucifixus an baumartig gestaltetem Kreuz (16. Jh.), an dem ehemaligen Postament
eine verwischte Inschrift. An der Friedhofmauer alte Grabsteine mit mehrmals wieder-
kehrendem Streüf von Lawenstein'schem und Brombach'schem Wappen, deren Inschriften
durch Erhöhung des Friedhofniveaus zugeschüttet wurden, jedoch gut erhalten sind.

OTTENHEIM

Schreibweisen: Othenhen 845 Fälschung d. n.Jhs.; Ottenheim 1016; Oten-
heim 1225 etc.; Heim des Otto.

Archivalien der Gemeinde und Pfarreien: Mittheil. d. histor. Komm. Nr. 15 (1893)
S. 101—102.

Litteratur: Heimburger Grammat. Darstell, der Mundart des Dorfes O. Halle 1887;
Götz, A., Volkskunde von Siegelau, nebst Mittheilungen aus O. Alemannia XXV 1—62.

Ortsgeschichte: In O. amtirte 1070 der letzte Gaugraf der Ortenau, Luitfrid. Ortsgeschichte
Wie es an die Geroldsecker kam, ist unbekannt. Bei der Theilung von 1277 behielt
sich beide Linien den gemeinsamen Besitz von O. und dem gegenüberliegenden Schwanau
vor, da mit beiden Orten die Rheinschifffahrt beherrscht wurde. Schwanau war eine
mächtige Tiefburg, nach den Nachrichten fortifikatorisch vorzüglich ausgestattet. So
wurde denn auch im Anfang des 14. Jhs. Raub und Schädigung der Schifffahrer, ins-
besondere der Strassburger, Züricher Kaufleute, mit Erfolg betrieben und die Gerolds-
ecker standen diesem Treiben nicht fern. Das wurde schliesslich so arg, dass die Strass-
burger mit ihren Verbündeten vor die Burg zogen, nach langwieriger Belagerung sie
eroberten und dem Erdboden gleich machten. Damit war auch die Bedeutung des auf
der andern Seite liegenden Ottenheim dahin. 1481 ging die der Linie Hohengeroldseck
gehörige Hälfte erst pfandweise, dann 1503 als Eigenthum an Baden über, während die
andere Hälfte bei der Theilung von 1629 der Herrschaft Mahlberg zugewiesen, ihm
ebenfalls zufiel. O. war also baden-badisch. Unter den Geroldseckischen Vasallen hatte
Hans Truchsess verschiedene Güter hier. Ein Ortsadel wird erwähnt 1256, 1288
und 1317.

Simultankirche (ad s. Gallum). Ecclesia erwähnt 1136, Johannes dictus ad Simultankirche
Angelum quondam rector ecclesie in Otenhein 1296; Walramus de Veldencze, canonicus
eccl. Arg. et rector eccl. de Otenheim 1311. Bald aber hatte Ottenheim zwei Pfarr-
kirchen, zwei Pfarreien und zwei Pfarrherren. Die erste Erwähnung derselben geschieht
1326, wo ein Acker »bi der nuwen kirchen« angeführt wird2), dann 1422 bei der

*) Hertzog, Edelsasser Chronik(1592) S. 108 ff. Zimmer'sche Chronik Ed. Barack I. 365.
Strobel, Gesch. d. Elsasses II 199 ff. Badenia, Alte Folge II 301.
z) Ruppert, a. a. O. 403.
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