Wingenroth, Max ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 7): Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg — Tübingen, 1908

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AMT LAHR. — KÜRZELL. .41

Archivalien: der Gemeinde und Pfarreien: Mittheil. d. histor. Komm. Nr. 15, 1893,
S. 100.

Ortsgeschichte: Nach K o 1 bJ) besass hier das Kloster Schuttern schöne Güter, Ortsgeschichte
welche es theils durch die Offonische Stiftung (!), theils durch Kaiser Heinrich II. 1016
erhalten haben soll. Während erstere Notiz sagenhaft ist, scheint letztere auch nicht
gesichert.2) Ichenheim gehörte zur Herrschaft Geroldseck, fiel 1277 bei der Theilung
an die Linie Lahr-Malberg, wurde 1321 an Hug von Geroldseck am Wasichin zur Hälfte
versetzt, welche Hälfte von diesem als Pfandlehen an die von Mülnheim kam. Was er
noch nicht verpfändet, brachte 1355 Heinrich von Geroldseck-Lahr wieder an sein Haus.
1430 nach Aussterben der Lahr-Malberger Linie kam K. an Mörs-Sarwerden ; 1442 durch
Pfandschaft zur Hälfte an Baden »und erbte, als auch das Haus Mörs-Sarwerden erlosch,
an die Grafen von Nassau-Sarbrücken«.3) Bei der Theilung 1629 fiel es an Baden-
Baden. — Auf der Gemarkung K. lagen die jetzt eingegangenen Dörfer Meroltsweiler
und Mütershofen.

Die Simultankirche (ad s. Laurentium) ist ein Neubau von 1827. Erwähnt 1136 Simultankirche
Kirechcella cum ecclesia. Um diese Zeit besass (Konfirmation des Papstes Innocenz II.)
Schuttern bereits das Patronatsrecht und einen Freihof mit vielen Gütern. Johannes
papa XXII tres parochias, nempe Saspach, Kirchzell, Jünswiler donat et monachis
monasterii Schutterani administrandas comittit anno 1325. Er gestattete dem Kloster
die Inkorporation und Versehung der Pfarrei durch einen Klostergeistlichen; was Bischof
Johann I. von Strassburg indess umänderte. 1419 hier Thuman von Schuttern lütpriester
erwähnt. In den Jahren 1564 bis 1567 vollzog sich der Uebertritt Kürzells zur Augs-
burgischen Konfession. Da es bei der Theilung der Herrschaft 1629 an Baden-Baden
kam, wurde es wieder katholisch, im 18. Jh. aber wurde die Kirche zum Simultaneum
gemacht.

In der Sakristei: Ein schöner Kelch, silbervergoldet, laut Inschrift im Fuss eine Khchengeräthe
Stiftung des Henricus Eicharius und der Maria Magdalena Funckartin 1611. An dem
Fuss (Sechspass), der mit Rollwerk, Engelsköpfen geschmückt ist, auf den fischblasen-
förmigen Abtheilungen Medaillons mit Reliefs: das Wappen der Stifter, Engel mit den
Leidenswerkzeugen, Stigmatisation des h. Franz, Magdalena am Fusse des Kreuzes.
Stange und Nodus mit Beschlägornamenten, Engelsköpfen und Fischblasen dekorirt,
die Cuppa schmucklos.

Ein weiterer, silbervergoldeter Kelch, in einfachen Formen, zeigt in hübsch gravirter
Rollwerkcartouche die Inschrift: Ex gratia Sibyllae Augustae Marchionissae Badensis
und ihr Wappen. — Sonnemnonstranz, silbervergoldet, getrieben, von 1770. — Mess-
gewänder mit typischer Empirestickerei und in den typischen Empirefarben.

x) II S. 136.

f) Ruppert a. a. O. S. 331.

8) Ruppert a. a. O. S. 334.
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