Wingenroth, Max ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 7): Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg — Tübingen, 1908

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KREIS OFFENBURG.



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Baugeschichte Die Baugeschichte dürfen wir also folgendermaßen rekonstruieren:

Das Portal der Vorhalle sowie deren Ostwand dürften ziemlich gleichzeitig in
Angriff genommen worden sein mit den Fundamenten der Ostteile. Wenn wir als
wahrscheinlich annehmen, daß die Mönche ihre Andacht in einem provisorischen Holz-
bau verrichtet haben, und andererseits die offenbar durchaus kontinuierliche Bautätigkeit
mit größtenteils denselben Arbeitern bis zur Hochgotik in Betracht ziehen, so werden
"'. <• . • wir diesen Beginn etwa in die

Zeit um 1220 bis 1230, also etwa
die Regierungszeit des Marchtaler
Abtes, ansetzen. Der Bau wurde
in den Formen des Ubergangs-
stils fortgeführt, die sich unmerk-
lich in solche der Frühgotik um-
wandelten, und zwar zunächst im
Chor, in der Vierung, im nörd-
lichen und dann im südlichen
Querschiff sowie der Vorhalle.
Chor, Vierung, Querschiffe wurden
mit frühgotischen Kreuzgewölben
eingewölbt, die auf den Vierungs-
pfeilern mit schwächeren und
jüngeren Diensten und ent-
sprechenden Diensten in den
Ecken ruhten. Diese Dienste
haben noch die ausgesprochen
flachen Basen der Frühzeit und
die schmucklosen Kelchkapitelle.
Daß die konstruktive Neuerung
der Gotik verstanden wurde, das
zeigen die wenn auch nicht über-
aus entwickelten, so doch voll-
kommen genügenden Strebepfeiler
an den Ecken. In den Wand-
arkaden des Chors ist der all-
mähliche Übergang zum neuen
Stil am besten zu erkennen:

antiALT "■ PtKeuTem-Ter).'

Fig. ijo. Klosterkirche Allerheiligen.
Im Langhaus gefundener Steinsarkophag.

während die der Südwand mit ihren runden Kleeblattbögen, den Eckblättern an den
Basen, den geriefelten Blättern an den Kelchkapitellen noch ziemlich in den Formen
des Ubergangsstils gebildet sind, lassen die Reste der Nordarkade auf eine schon mehr
gotische Bildung schließen. Ausgesprochen gotisch waren dann die Fenster des Chors,
ebenso wie die des nördlichen Querschiffes, in welchem nur die Tür zu dem Treppenturm ,
noch den Ubergangsstil verrät. Dabei geht doch aus allem hervor, daß hier keine
große Unterbrechung des Baues stattgefunden haben kann, und wir müßten also ungefähr
die Jahre 1230 bis 1250 dafür in Anspruch nehmen. Das ist allerdings ein ziemlich
frühes Datum in Anbetracht der sonstigen Zeugen des Eindringens der Gotik am Ober-
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