Wingenroth, Max ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 7): Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg — Tübingen, 1908

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KREIS OFFENBURG.

Altäre

Ortsgeschichte Ortsgeschichte: Im 13. Jh. wird Ebersweier erstmals genannt. Ursprünglich wohl

Zähringer Besitz,') kam es durch Erbschaft an die Uracher, nach der Spaltung des Uracher
Hauses hatten sowohl die Grafen von Freiburg als von Fürstenberg hier Besitzrechte,
später auch die Markgrafen von Baden. 1336 hören wir von einem »hof zu Eberswilre«,
den Konrad von Schauenburg vom Grafen Konrad von Freiburg zu Lehen hat. 1367 von
einem Hof: »den man nennet des Rodders hofe, den marggrave Rudolf von Baden
Arbogast Roddern ritter sinem diener geeignet und gefryet hat«. Seit dem 14. Jh:
gehörte der Ort zur Landvogtei Ortenau (Gericht Griesheim), er war somit bis 1805
vorderösterreichisch und wurde dann badisch. Begütert war hier auch das Kloster
Honau, das indessen seinen Hof »in villa Eberswilre dietam de Witterine hoff« dem
Kloster Allerheiligen 1284 abtrat. Ein Geschlecht de E. kommt im 13. Jh. vor.
Kath. Pfarrkirche Kath. Pfarrkirche: S. Crucis, ehemals auch patronus coelestis ss. Tiburtius et

Valerianus mart. (noch 1666). Ursprünglich nur Kaplanei und Filiale von Nußbach,
kam es mit dieser Pfarrei an Allerheiligen; im Laufe des 16./17. Jhs. scheint es zur
Pfarrei geworden zu sein.

Die heutige Kirche ist ein Neubau von 1827, sie birgt aber eine Anzahl Reste
aus älteren Kirchen der Umgegend, so die drei Altäre aus dem ehemaligen Kapuziner-
kloster in Oberkirch, übliche, wirksame Barockaufbauten aus Stuckmarmor und Holz
mit eingelegten Ornamenten, mit Säulen und verkröpftem Gebälk, welche das Haupt-
bild, und oben Pilastern, welche das zweite Bild flankieren. Zu beiden Seiten laufen die
Altäre in Rocailleschnitzwerk aus. Auf dem Hochaltar Gemälde: h. Dominicus und
h. Franciscus in Anbetung des Christkindes, oben gekrönte Heilige mit Palme und
Schwert; auf dem linken Seitenaltar die vierzehn Nothelfer, oben ein Bild des h. Wernher
von Straßburg; auf dem rechten Altar: das Jesuskind erscheint dem h. Antonius. Alles
Werke etwa aus dem zweiten Drittel des 18. Jhs. Auf den Altären einige Reliquiare in
der Rokokoform. Einfache Kanzel des gleichen Stils; älterer, schlichter Tauf stein
von 1631.

An der südlichen Innenwand der Kirche holzgeschnitzter Kruzifixus mit Maria
und Johannes, zweidrittellebensgroße Figuren in der geschwungenen Haltung der Mitte
des 18. Jhs.

In der Sakristei: eine weiße Casel mit reicher Hochstickerei, Blumenranken
und Blüten in Seide und Gold; dazu Stola, Manipel, Kelchtuch und Palla, 18. Jh., den
Angaben nach Geschenk von Schuttern; rote Casel, Hochstickerei in Gold und Silber,
Rocailleornamente und Gitterwerk; dazugehöriges Kelchtuch; Kelch, silbervergoldet,
getrieben, Rocaille, Cuppa neu, angeblich von Schuttern, ohne Zeichen; ohne solches
auch das Versehkreuz im gleichen Stil, silbervergoldet, getrieben; ein gedrucktes
Prämonstratensermissale (also wohl aus Allerheiligen) hat einen Samteinband mit
schöner Silberstickerei.

Das Pfarrhaus ist ein Bau aus dem Ende des 17. Jhs.; das Gewände der Tür,
zu der eine Freitreppe hinaufführt, ist abgefast und endet in Schnecken.

Vor der Kirche Kruzifix, Sandstein, übliche Rokokoarbeit von 1773.
Am Weg nach Unterweiler einfacher Bildstock.

Kanzel
Taufstein

Kruzifixus

Kirchengeräte
und -gewänder

Pfarrhaus

Kruzifix

Bildstock

') Heyck a. a. O. S. 510.
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