Wingenroth, Max ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 7): Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg — Tübingen, 1908

Page: 353
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kdm7/0469
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
AMT OFFENBURG.

GENGENBACH.

353

Bericht) verbrannt. -Es scheint nach Künstle, daß man im 18. Jh. diese nun unnötig
gewordene Anlage abtrug.

Von diesem geschilderten Befestigungskreis ist die ganze Anlage im Süden der
Stadt in der Gestaltung des Terrains noch erhalten, auch die Reste der Zwingermauer
noch zu sehen. Sie war aus
Bruchsteinen mit Mörtel-
verband errichtet. Im Süd-
osten und im Westen sind
die Spuren verwischt, wäh-
rend im Norden die eigent-
liche Mauer selbst, vom
Haigeracher Tor west- und
ostwärts, noch ca. 3 m hoch
gut erhalten und als Außen-
mauer für die hier stehen-
den Häuser benutzt ist. Sie
besteht ebenfalls aus Bruch-
steinmauerwerk, in ihrem
westlichen Teil wird sie
unterbrochen von einem
halbrunden Turm, der nach
innen offen ist, also einem
Rondell, dem sogenannten
Schwedenturm (s. Fig. 192).
Sein oberes Stockwerk ist
auf Holzbalken ein wenig
vorgekragt und mit einem
polygonalen Ziegeldach ge-
deckt. An den Resten der
Mauern innen, soweit sie
freistehen, sieht man noch
Konsolen, die wohl für die
Holzstützen des auch hier
zweifellos vorhandenen Wehr-
gangs angebracht waren.
Von den Schwibbogen, von
denen die obige Notiz
spricht, ist hier nichts mehr
zu sehen. Etwa 2 m vor dieser Mauer finden sich die Reste einer zweiten, also wohl
der Zwingermauer, in der Südseite des Hauses Nr. 17 ; ihre Ecke war mit Bossenquadern
bekleidet. Auch die Reste einer dritten Mauer haben sich bei baulichen Arbeiten
gezeigt. Die Grabenstraße, die sich in entsprechender Entfernung in der gleichen
Richtung wie die Mauer herumzieht, wird, wie ihr Name sagt, dem ehemaligen Graben
entsprechen. Die Mauerzüge lassen sich nach Westen verfolgen bis zum Hause Nr. 17
der Hauptstraße, das in seinem Holzwerk noch den alten Wehrgang besitzen dürfte.

Fig. ig2. Stadtmauer mit Rondell, soge?i. Schwedenturm in Gengenbach.
loading ...