Wingenroth, Max ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 7): Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg — Tübingen, 1908

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XXX EINLEITUNG.

selbst in Schwanau gefallen sein, was von anderen bestritten wird. Von seinem
wohl ältesten gleichnamigen Sohn, der sich ausdrücklich Herr von Hohengeroldseck
nannte, ging die hohengeroldseckische Linie aus, die alle anderen überlebte, aber
auch den tiefsten Niedergang des Geschlechtes sah und mit Jakob 1634 endete.
Einer der drei anderen Söhne des unglücklichen Schloßherrn von Schwanau,
Georg, Gangolf oder Wilhelm, war der Stifter einer Sulzer Seitenlinie, die nur
dadurch für unsere Gegend von Bedeutung ist, daß die Hohengeroldsecker Vettern
in ihre Kämpfe mit den Grafen von Württemberg verwickelt wurden. Die Linie
starb im 15. Jh. aus.

Vor der großen Familientrennung i. J. 1277, schon am Ende des 12. Jhs.,
hatte sich ein Zweig von der Familie losgelöst, welcher sich nach seiner Residenz,
der Diersburg in dem kleinen Tal zwischen den Ausläufern des Steinfirst, die
Herren von Tiersperg nannte. Zum erstenmal hören wir 1197 von einem
Waltherus de Tirsperg.1) Sein Enkel, Heinrich IL, der mit einer Heilika von
Lichtenberg vermählt war, fiel 1262 in der Schlacht bei Hausbergen, und da
sein Sohn Ludwig 1279 unverheiratet starb, so fielen die Lehen wohl an den
Hauptstamm zurück, die Allode, darunter die Burg, aber kamen an den Gemahl
der letzten Erbtochter, Wilhelm von Schwarzenberg, und gelangten, als dies
Dynastengeschlecht immer mehr verarmte, in verschiedene Hände (s. unten).

Neben den Geroldseckern waren es die Erben der Zähringer, die
Grafen von Urach, die in der Ortenau zu großem Territorialbesitz gelangten.
Nach dem Aussterben des Herzogsgeschlechtes fielen die Reichslehen an den
Kaiser zurück, die Familiengüter aber kamen an die beiden Schwäger Bertholds V.,
den Grafen Ulrich von Kyburg und den Grafen Egeno von Urach. Letzterer
erhielt die im badischen Oberland gelegenen Besitzungen. Doch hatte er sich
zunächst mit dem König auseinanderzusetzen, der die allodiale Eigenschaft einer
ganzen Anzahl Güter bestritt.2) Es kam zu einem ersten Erbfolgekrieg, der in
einem Ausgleich von 1218 sein Ende fand. Die Masse des in unserer Gegend
so erworbenen Besitzes erstreckte sich vom Acher- und Renchtal und von Kork
nach Süden weit über die Grenzen der Ortenau, dazu gehörten Oberkirch,
Hausach und Haslach. Ein neues Zerwürfnis mit den Hohenstaufen wurde 1226
geschlichtet. Unter Egenos Enkeln, Konrad und Heinrich, erfolgte die Trennung
in die zwei Linien, der ältere, Konrad L, erhielt Freiburg und die Güter im Breisgau,
in unserer Gegend auch Hausach, das weitab von den übrigen Besitzungen lag.
Er und seine Nachkommen nannten sich von nun an Grafen von Freiburg, der
jüngere Bruder, Heinrich f., aber nannte sich noch länger Graf von Urach, aber
daneben schon seit 1250 Graf von Fürstenberg, nach seinem Lieblings-
wohnsitz. Von ihm stammt das heute noch blühende Geschlecht ab. Ihm waren
die höher gelegenen, östlichen Teile des zähringischen Erbschaftsgebietes zu-

*) Ruppert a. a. O. S. 32.

2) Riezler, Geschichte des Hauses Fürstenberg I, S. 40.
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