Wingenroth, Max; Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 7): Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg — Tübingen, 1908

Seite: 193
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AMT OBERKIRCH.

LAÜTENBACH.

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da die Hand der Jungfrau
aber angesetzt ist, so dürfen
wir wohl annehmen, daß sie
erneuert und daß ursprüng-
lich die Mutter die Birne dem
Kind hinreichte. Die gleiche
zierliche und manierierte Bein-
stellung wie die zwei Heiligen
zeigt der Schmerzensmann
des Aufsatzes. Das Taber-
nakel mit den kleinen Figuren
der Evangelisten zwischen den
Spitzbögen seiner Maßwerk-
fenster entstammt der gleichen
Zeit, auf die auch die
Schnitzerei der Bögen, Krab-
ben und Gewölbe hinweist:
dem ersten oder zweiten Jahr-
zehnt des 16. Jhs. Denn dahin
wird man doch wohl die
Figuren ansetzen, von denen
ich nicht zu viel sage, wenn
ich sie für Meisterwerke ersten
Ranges erkläre. Einen Schul-
zusammenhang vermag ich
nicht zu konstatieren, es
sind eben Werke der ober-
rheinischen Plastik,J) die im
Anfange des 16. Jhs. insbe-
sondere in Colmar, Breisach
und Freiburg so schöne
Früchte gezeitigt hat.

Bei den Gemälden macht
sich auf den ersten Blick
eme gewisse Verschiedenheit
geltend; die der Innenflügel
stehen beträchtlich über denen
der Außenflügel und scheinen
auch von anderer Hand. Auf
den Innenbildern fällt uns
neben der vorzüglichen Kom-

) Ich sage ausdrücklich nicht
Rassischen, da das meines Er-
stens eine unstatthafte Ver-
engerung des Begriffes ist.

Band VII.

Fig. in. Der Kerzenträger auf der Darbringung im Tempel.
(Gemälde vom Hochaltar in Lautenbach.)

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