Wingenroth, Max ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 7): Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg — Tübingen, 1908

Page: 301
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AMT OFFENBURG.

APPENWEIER.

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Vorgeschichtliches: Bei Vergrößerung des Bahnhofs 1864 wurde ca. 120 m Vorgeschicht-
liches
nördlich vom alten Gebäude und 30 m westlich von der Bahn eine etwa 1 m hohe

Erhebung des Geländes durchgraben, die sich als alter Grabhügel erwies. Es fanden

sich dabei, mit etwas Asche und Kohle vermischt, ein Halsring, zwei Armspangen und

zwei Fußringe von Bronze, massiv und dick gearbeitet ohne Verzierung, und ein nicht

mehr deutbares flaches Stück Eisen, also die Reste einer Bestattung oder vielleicht eines

Leichenbrands; Genaueres war, da die Arbeiter ohne Aufsicht gegraben hatten, nicht

mehr festzustellen. (Fundstücke in der Karlsruher Sammlung.) ( W.)

Kath. Pfarrkirche (ad S. Michaelem). 1287 wird ein Wernherus rector ecclesie Kath.Pfarrkirche
de Appenwilre, filius quondam H. militis de Stöffenberg dicti Schidelin erwähnt, 1291
ein Waltherus sacerdos de A. Wie oben erwähnt, kam durch Schenkung 1359 das
Patronat an Allerheiligen, 1361 inkorporierte Bischof Johann von Straßburg demselben
»parrochialem ecclesiam in A.« ;') demgemäß hören wir z. B. 1439 von Rülmann Tedinger
ein conventherre des closters Allerheiligen zu der zit ein lutpriester der kirchen zu A.
1692 war die Kirche so zerstört, daß sie kaum noch dem Gottesdienst dienen konnte,
und auch die Innenausstattung
hatte schwer durch den Krieg
gelitten.2)

Die heutige Kirche ist
ein Bau aus der Mitte des
18. Jhs. (s. Fig. 17 2). Über dem
Portal steht: »Anno 1750 hat
die gemeindt Appenweyher
diese Kirch zu größerer Ehr
Gottes unter direction Hern
Simon bruder des vogtens auf-
erbauen lassen«. Eine ein-
schiffige Kirche mit Chor, der
in drei Seiten des Achtecks

endigt. Einfache Lisenengliederung der Außenwände. Die Fassade ist mit stattlichem
Barockgiebel gekrönt, neben dem Chor der Turm mit abgerundeten Ecken und originellem
Zwiebeldach, an diesem die Jahreszahlen 1748, 1835, 1881, 1900. Im Innern hübsche
Stuckornamente im Rocaillestil an den rundbogigen Fenstern wie an dem Spiegelgewölbe
der Decke, wo sie die dortigen Gemälde einschließen. Diese stellen dar im Langhaus
die Himmelfahrt Maria, im Chor die Speisung der Zehntausend, in den Stichkappen
die Evangelisten und die Symbole Maria aus der Lauretanischen Litanei: den hortus
conclusus, den fons signatus, pulchra ut luna, electa ut sol, quasi flos rosarum, sicut
lilium inter spinös, außerdem Moses und David. Flotte Werke der rauschenden Deko-
rationskunst des 18. Jhs. Im Chor an den Wänden in schöner Stuckumrahmung je ein
Wandgemälde, darstellend die Heiligen Norbert und Augustin. Auch die Sakraments-
nische hat eine entsprechende Umrahmung.

Am Triumphbogen in Rocaillekartusche großes badisches Wappen. Wappen

Fig. i?j. Haus in Appenwäer.

*) Bestätigt durch die päpstl. Bulle 1407, FDA. XXI, S, 314 ff.
2) FDA. NF. in, S. 318.
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