Südwestdeutsche Rundschau: Halbmonatsschrift für deutsche Art und Kunst — 1.1901

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Sweaterleitnng nid)t fjod) genug anjuredjnen, baß fte mit einem SGßerfe, bas ben
93ebürfniffen beS großen ^ublifums fo Wenig entgegenfommt, burd) eine borjüglidje
SBiebergabe fo biet erreicht f)at.

Xrotj aller mirfungSootten (Stnjefljetten nämlidj bebarf bie Oper „Sediui"
fetjr einer Unterfttifcung burd) gute 31uffübrung. Sie fo oft, tfi e8 aud) t)ier
wieber ber Xert, ber jitm Sßiberfprudj reiben fann. 211« $8ertio5 baö oon leinen
greunben 2Sat££t) nnb Starbier oerfaßte Sibretto ju ©eftdjt befam, tjielt er ba$
©ujet für eins ber reijenbften, ba§ man für eine Oper überhaupt ftnben fönne.
©eroiß ift ba8 @ujet reijenb, aber man fann fid) für eine Oper bod) nod) ein
befferes" nnb oor allen Xingen brantatifdjereS münfd)en. SJon einer toirflidjen
^anblung fann man nicbt reben. @8 finb lofe ©jenen au§ bem tofen Seben be§
florentinifdjeu ©olbfdjmiebeS Settiui. 5)ie erften beiben Sitte jeigen Üjn uns at$
ben jn alten möglichen nnb unmöglichen flotten ©treiben aufgelegten, übermütigen
Siebfjaber. Srft ber letzte Slft bringt fein beffereS Xeil, ben Mnftler, jum SSorfdjein,
beffen ©enie fid) in furjer g,tit 33erjeifjnng für alle in ben porigen Sitten begangenen
jDumtnljeiten ju berfdjaffen meiß.

Ss ift ein buntes, unterbattenöeS 2Ilterlei, eine SReilje oon Silbern, bie
einjeln genommen Wirten, im ©anjen aber bes tieferen 3ufaninieil£)anges entbebren.
SaSfetbe gilt bon ber ättufif, ber ein großer, bramatifdjer ,3ug abjufpredjen ift,
Die aber in bieten ©injelljeiten boftenbeteS bietet. 33on allen biefen ©jenen möd)te
id) nur eine herausgreifen, weil id) fte in ieber SBejiefjung für bie befte nnb
gelungeufte, gerabeju für ein SHeifierWerf bes wompouiften fjalte, nämlid) bas ginole
bes jweiten 3llte€. §ier wirb uns ein frobes, buntberoegteö SBUb bes ttarneoat-
tebeus entworfen, roie man es fid) uidjt prächtiger wünfdjen tarnt. Uno fobiet
^Bewegung nnb garbenreidjtum wir auf Der Süfjne fefjen, fooiel ©lanj, SBitj nnb
(Sfprit perwenbet ber Äomponift in ber Shtfif. Xas Orcbeftcr pridelt oon witzigen
Sinfäßeu, jebeS Snftruntent fdt)eint auf eigene gauft feinen Äarnepalsabenteuern
nacfßugefjen. 2öie fomifd)=feierücf) wirfen ba bie 4 Xrompeteu auf ber ©jene,
faft wie eine Sßarobte auf Soljengrin, wie brollig bas ®uett jmifcfjen Xuba unb
großer Xrommel. §ier tommt ber Serlioj, ber im Äonjertfaal oft ju tbeatratifd)
wirft, in ber Oper jur rechten ©ettung, wäfjrenb bei anberen Partien fid) ber
©timpfjonifer ju fetjr au bie Rampen brängt. Xa, wo (ifprit unb isM^ perlaugt
werben, berfagt eben bie (SrfinbuugStraft eines Serlioj nie, ctjcr ba, wo er tragifd)
ober rüfjrenb werben foll.

Xie Stuffübrung ber Oper war eine Xl)at, nidjt nur bon fünftlerifd)er,
fonbern aud) oon tjiftorifdjer iSebeutung, unb biefe Sebeutung mar um fo größer,
als bie ©arftettung eine in ieber S5ejief)ung muftergtlttge mar. ©owofjl bie Sböre,
wie bas. Orcfjefter unter §errn Dr. Stettenbergs feinfinniger Seitung (eifteten
§eroorragenbes. Sbenfo maren bie §auptpartien burd) bie Herren $idjler unb
©djramm, unb bie Samen grl. ©djaefo unb grau ©reeff = SInbrieffen beftens
oertreten.

$htrje 3,eit juoor tjatte §>err SfticolauS ilcansfopf eine ©pejial'2ln8-
ftetlung feines mufifljiftorifdjen Ü)iufeumö eröffnet, bie ausfdiließtid) Reliquien unb
Slnbenfen an ba$ Seben unb SGBirfen oon Serlioj enthielt. 3n ©egenwart bes"
§errn §offapettmeifter§ getix SB ein gart n er unb ber Ortsgruppe ber 3nter-
nationalen älhififgefeltfdjaft mürbe uad) einigen ' einleitenben unb begrüßenben
SBorten bie (Sammlung ber 33eficf)tigung übergeben. Unter ben 164 Hummern
befinbet fid) manef) intereffanteg ©tüd, bas ju Setractjtungen Slntaß giebt. %id)t
Weniger als 12 Silber ber fdjönen englifdjen ©cfjaufpielerin Wi}i ©ntitbfon,
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