Südwestdeutsche Rundschau: Halbmonatsschrift für deutsche Art und Kunst — 1.1901

Page: 644
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/suedwestdeutsche_rundschau1901/0684
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Übeater, CßuTik, KunTt etc,

frankfurt. Uttfcrtn Scbaufpielenfemble tft es nur feiten nergönnt,
ein flaffifdje§ 5?ilb in einem Etaffifc^en Diafmten barjubieten, umfo roof)l-
tf)uenber berührt ein Biberpeljabenb (.— man bente: unfre ©ofie ffönig
als bie „olle ehrliche 2öolffen" —) jmtfdjen alt ben füßen ©efulbfel unb
Gapusdjen ber legten Söocfyen, bie mir uns erft gar nietjt anfd)aun
mod)ten. 3)tan rüfjmt bem „SBiberpelj" eine (Sefd)loffenheit ber gorm,
ein 2tufgef)en com Stofflichen in bie $bee naef) unb man flagt, baß fein
®id)ter im Streben nad) ntef)r jene fion^entrationsgabe mäf)licf) ueriiere:
SSir motten t)ier nicf)t unterfuct)en, meldte Söerfe §auptmann'§ rechtmäßiger
in bie beutfcbje Sitteraturgefd)id)te einzureihen ftnb, bie halben brünftigen
©eelengaben bes ringenben SEict)terS, ober bie reifen gtatten ^unf'tier-
arbeiten bes fertigen 9Jcenfcf)en; galten mir es mit öeinrief) "^ubor, ber in
ber miffenfcfjaftlidjen &unftbetrad)tung ein §inberni§ jutn uotlraertigen
ßttnft-genuf fief)t, unb freuen mir uns billig, baß mir bie heiligen SBerfe
haben, bie nicht überall vor ber £ritifd)en fyornt befielen tonnen, 3ugleich
mit ben Unheiligen, über bie fid) ber Sfteifter be§ objeftiuen ©eftaltens"
felbft genau fo gang unperföntief) ergoßt, mie er ber halben ©rfolge ber
2tnbem ftolj tft. — $n unferm Dberregiffeur SÖotfgang Quincfe befi^en
mir eine junge rührige ßraft, ber nur mitunter noch ein menig mehr
$nitiatine ju münfehen märe, "Sie beften 9iegiffeure finb immer bie, meld)e
felbft <3)ramen in ihren Stafdjen tragen. ®iefe roerben immer bas> 23e-
megung§red)t bes> ®id)ter§ über bas bes> Sd)aufpielerä fetjen. Dmiede
nun tft ein betefener Äopf, nod) mel)r, ein ©ntfmfiaft für biefen unb jenen
feiner ^unft. Unb fetjt er biefen ©nthufiasmus einmal ein, fo erreicht
er ftets ein abgetönte? ©efamtbüb, au§ bem l)txau§ fid) boch feine (Sin^h
§üge fjerauSIöfen, bie eine ftarfe Beobachtung verraten, damals im
„feiigen" „Dftern". @o im „Biberpelz". Söir tonnten bie g-ranffurter
atufführung gerabeju ein Oiegiefunftftüd nennen, menn füer nidjt gerabe
bie ®arfteEer ihren guten Anteil am (gelingen gu beanfprud)en hätten.
®ie fieiftung ©ofie ®ötitg'§ als 2ßafd)frau ^Öotff ift vergleichbar mit
einem jener föftltcfjen S'naus'fd)en ©enreftüde. §ier ein paar v}>ausbaden,
ein paar ©rau=2tugen, baß einem gfeid) ber ganje SJienfd) uor bie ©eele
tritt, bort fogar ein plaftifches 9Jcenfd)enbilb, fo fünbl)aft unb bod) in
feinem natoen ShrongefüI)l fo anreijenb jugleid), baß mir burd) feine
magnetifd)e Sraft — barin liegt t>ie(leid)t ein gut £eit feiner fünftlerifd)en
Söirfung — gar felbft ju ©ünbern merben unb mit biefer SÖafcbfrau
auf meiteren ®tebftaf)I ausgehen möd)ten. Siegelmann mar ber „Qulian".
loading ...