Südwestdeutsche Rundschau: Halbmonatsschrift für deutsche Art und Kunst — 1.1901

Page: 487
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Stber and) biefe (Säfte haben im großen ©air,en allen ©runb, mit ben
fünftlerifdjen unb materiellen grüdjten aufrieben ,u fein; man wirb üjnen fjter
ein gutes Slnbenfen bewahren. — §offen wir auf ein batbigeS SBieberfetjen in
unfern ©olbftabt! SB. topft od.

Von neuen Büchern.

§ermann 33al)r. üicöe über ^Utmt. SBtener SSertag, 1901.

Ter 9tebner tritt mit Temperament für Slimt ein gegen bie geljäffigen
pfjiliftröfen ©egner be§ ÄünfilerS, bie fein SBerf burd) moraliftifcbe SSerbädjttgungen
unmöglich machen wollen. (Sinige gute üßemerfungeu über öaS SBefen edjter
Portrait« ftteßen ein: ööttige Treue ber SBiebergabe bei ftrengftcr SSetonung be§
djaraftertftifdjen SBefenS unb SSerjtdjt auf alle paffageren formen. Ties barf er
Älimt nachrühmen.

Ter Slutor hat feine Diebe burd) überflüfftgen gcfd)id)t(id)en 2tntjang, be-
treffenb baö fcbled)te SSerhatten be3 Röbels gegen bas ©enie — Sitate oon s^erit*leö
btö Schopenhauer—jjur S3udjform geftredt. (Sine üble moberite ©eroohnheit. 2.
Dr. Äarl SBottf. ©ojialcr (Seift, ©ein SBefen unb feine Entfaltung.
9J?aunbeim. Verlag oon Srnft Sltetter. 1901.

Ta$ intereffant gefdpeiebene S3uch befaßt jtdj mit ber tbeoretifdjen S3e-
trachtung ber miebtigften 3e^erfd)einnng, ber fogiaten. Gsö jeigt, Wie jtd) uad)
langer, ^erfplitternber, menn and) fehr fegenSreicher Qsinjelarbeit bie äftenfdjbeit
wieber auf ben Qiotd all bief er Slrbeit befinnt unb bie in ihr erworbenen 9ieid)-
tümer jum Sittgemeingut |u machen ftrebt. Tav feciale Problem entfprittgt nad)
SBottf betn Unoermögen ber Ted)tiif, bie öon ihr felbft gefdjaffenen 9ierl)ättniffe
befriebigenb pj orbnen, nnb mit bem (Srrungenen ber 3Jfenfcfjfjeit ju höherer Äultur
ju ocrbelfen. 3n tiarer 3u^aln,nenfaffuu9 wirb bie inbiüibualiftifdje 3?eroeguug
beö 18. Sahrhunberts in ihren §aupterfd)einungen oovgefiitjrt, bem Siecbtsftaat,
bem fDiancheftertum, ber ©pe^ialwiffenfcbaft. SBir fetjen alle biefc- (Srfdjeinungen
perfdgen, wo e« gilt, bem Gsinjetneu gleidje S3ebingungen beö Sebenö unb ©trebens
in ber ftaatlicben unb öölfifcben ©ruppe, in bie er hineingeboren ift, ju fiebern.
SBir feben bie nominelle Freiheit beö SDtenfdjen ju einer um fo fdjlimmeren tt)at-
fäd)lid)en Unfreiheit werben, je weniger ber Staat beö Liberalismus bie miber*
ftreitenben Sutereffen regeln nnb oergleidjen barf. Tiefe (Sinfid)ten gehen heute
in baö ©efüht ber (Steinen wie ber Staffen über unb erzeugen fokale Stimmung,
fokalen ©eift. SBie er firf) äußert in Staat unb Stecht, SBiffenfd)aft unb fünft,
(Stbd unb 9teligton siebt in lidjtöotten Silbern an uns borüber. 3cb hätte nur
gewünfd)t, baf3 beseitigen ©ruppe mehr Sßla£ in ber 23etrad)tnng eingeräumt wäre,
bie am fonfretefteu fojiate 3'e'e tierfolgt, ber ©osialbemofratie. Sie ift benu bod)
mehr als eine Sinjelerfcbeinung fojiater Dtatur. Sind) ift eS mir nicht gelungen
einjufeben, weshalb ÜJtiefcfdje fo oft in einem S3ud)e genannt wirb, bas bem fojiqten
©eifte gewibmet ift. ©ein ethifdjeä Sbeal ber Jpöberbilbung be8 SDfenfcbheitötnpug,
fowe'it e§ überhaupt Hat ift, fcheint mir bödjft antifojial im wirtfdjaftlichen ©inne.
Ter Sierfaffer hat bieS bemerft, aber nidjt eutfebieben genug betont. Dciebfdje hätte
meine« (SracbtenS in feinem 33ud)e feine ©tätte finben bürfeu. —

3u alten übrigen S3or,ügen be§ 33udjeS fommt bie ftlarbeit unb Äultur
ber Tarftetlung. ©o Dient eS. nicht nur bem gaebmann, fonbern febem ©ebilbeten,
ber fid) über bie hrennenbfte ^rage ber 3e^ einen Iteberblid öerfdjaffen will unb
— mufj.__8. 23-

ißeranttoortlidjer Jperauägeber: SBitlP Leot), ©djriftleitung: (£. Philipe,
beibe in ©oben i. T., auf ber SBeinburg.
Trud oon (Sbuarb 9toether in Tarmftabt.
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