Südwestdeutsche Rundschau: Halbmonatsschrift für deutsche Art und Kunst — 1.1901

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2)aj3 — ob audj fern öon bev Waffen ©unft —
©id) in anbevn Sperren entjüubet,
SSaS in magifdjer ©tunbe Sittmutter Äunft
Sem ringeuben Kämpfer berlünbet

Sit föniglid)fte Königin,
grau Äuuft, §etl ©einen 33af)nen!
Sem 2Hter fcfjenf'ft Su ber Sugenb ginn
llnb ben 3ungen ber 2Öeiöt)eit ?U)nen.
2tl§ ^Bannerträger ber SD^enfcfj^eit ^ief)'n
©toi} 2)eine fdmffettben ©ötjne
2Rit Geißel, «ßtnfel unb 3Ke^fta6 fjin
3n'ö 9feid) Seiner fd)immernben ©djöne!
.H a r l § r u f) e. Albert Herzog.

l^cftor Bcrlt05 in Tfranffurt

3m Verlaufe biefcs SßinterS hatte man in granffurt bes öfteren ©elegen-
fyeit, fid) eingefjenber mit bem Reformator ber SUJnfif unb SBegrünber beS mobernen
Ordjefterö, £>ef'tor 33 er Ii 05 ut befcbäftigen. gelir SBeingartner leitete bie
fautaftifdje ©l)tnpbonie, bie 23erhog=9Tu8fteItimg im :D£an?fopf = äRufeum gab @e-
legenfjeit, bem Seben unb JSirfen beü 3JfetfterS perfönüdj nätjer ut treten, unb üor
menigen Sagen brachte unfer Dpernl)au§, feineu 3krpflid)tungeu ben ÜJietftermerfen
ber Sitteratur gegenüber bewußt, bie Dper „tBenoenuto Settini" berauö. Unb
merfroürbtg, je mebr mir 1111$ mit ber Äünftlerperföntidjteit öeö genialen grair,ofen
bcfaifen, befto lieber geminneu mir ibn, unb biefe 3unei9unfl 51! oer perfon über*
trägt fid) and) auf feine SGBerfe, tu benen mir einen Seil feiner merfmürbigen
3fnbt»ibuatttät mieberfiubeu. Unb tote man oft einem fünftler @igentiimlid)feiten
feinet GüjarafrerS nad)fiet)t, menn mau feine Sßerf'e f)ocf)fd)ät3t, fo muß man ba§
©eltfame nnb Uebertriebene in mandien Äompofitioneu mit anbeten Slugen betrachten,,
menn man ben Mann Hebt, ber jte gefdjaffen. ©0 greifen Suitftmirf'en unb
Äunftmirfungen in einanber ein.

Sefct fommt man auf biefem Söege aümäblid) $u einer SOßürbigung ber
33erItog'fdjett üffiufe, unb gönnt ibr, ber man bieder immer nur eine 3uninft
prophezeit, nun enMid) aud) bie ©egenmart. Hub ber Sünftler, ber öor 32 Satjren
am ©ram barüber ftarb, baß feine 33ebentuug tu feinem eigenen Sßaterlanb ut
roentg anerfannt mürbe, mürbe fid) bleute nid)t met)r bef'fagen, menn er erleben
tonnte, maß atfeS gefd)iel)t, um feiner geiftigen SBebeutung gered)t ut merbeu.
SJitdjt allein, baß ber 9?ame fteftot 53erlioj heutzutage auf allen Programmen
prangt, bafj in gtanfretdj bie Äon^ertinftitnte mit f e in e u Äompofitionen bie beften
@efd)äfte machen, e8 mirb aud) eine forfältig reüibierte f'ritifche 2lu§gabe feiner
Sßerfe üerauftaltet — befanntlid) mar bie« ftetö ein Sraum feinet Sebent — unb
bie Oper „33ent>enuto Selltni" fein ©chmenenot'tnb, ba? in fummerlidjer (Sriften^
fid) müt)fam Hon Sftifjerfolg 511 SOiißerfofg batjingefriftet t)atte, erlebt in Seutfdjfanb
an uerfd)iebenen großen 53übnen 2(ufführungen, bie öon beftem (Srfotg begleitet
fiub. ?ütd) in ^ranffurt mürbe bie erfte ?(uffnf)rung ber 3Serftoj'|djen Oper aufter*
orbentlid) marm, ftettenmeife fogar begeiftert aufgenommen. ift ber neuen
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