Südwestdeutsche Rundschau: Halbmonatsschrift für deutsche Art und Kunst — 1.1901

Page: 598
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Don einer jungen zragöMn.

2lls bev eiferne 23orf)ang enbltcf) gefallen mar, glaubten SDie
auf ber Söüfnte, bem £riefcf)=$bfcf)ieb bamit ein @nbe gemacht
§u l)aben, aber fte mußten ficf) überzeugen, ba|3 unfer ^ublifum
beffer oerftanben batte, ma§ e§ Derlor, als ttnfere £f)eaterteitung.
5£>iefe 23egeifterung, bereu ^euergarben tmmer von bleuem auf;
fdjoffen, menn Q3tafiertt)eit ober sJceib fte bereits für eingefunden
hielten-, — bte ficf) über ben |jof nad) beut ©arberobengimmer
unb fobann auf lange ©trafjenlmien fortpflanzte, fte bebeutet einen
f'ecfen ©inbrucf) in alte frauffurterifdjen Strabittonen von ge;
mäfjigtent bürgerlichen ©enufj, mittlerer Sdjä'tjung ber ©cf)aufpiel-
fünft, forme meifem Gcinfyalten nadlet ber £l)eeftunbe. $e tetner
aber fjier jener ganz neue ©turnt ber 33egeifterung burd) ein £>au§
unb um ein «öait§ braufte, befto nullfommener mag berfelbe als>
s^fanb fein, für ben 2lbbrucf) einer gefertigten, gebulbigen 3ufjörer-
feijaft unb ben Stnbrud) mieberum uon jugenbtidjer, entrjuftaftifcfjet
unb — ma§ aud) SJlcmcfjent peinlich, merben fönnte! - unerbitt-
Iid)er 3Iufnat)mefä()igf'eit. Unter ben begriff: -jugenbtief) fallen fjier
natürlich, feinen Slugenbticf bie Maffenbeftänbe unferer s$enfionate
ober (Schuten, beten lebhaften £»änben unfer befter poetifcfjer Lefitz
aud) im (Stile be§ 93ereine§ 2lmicitia ober $ibetita§ oorgefulrrt
merben barf. ÜBtelmefjr finb in fjöljeren fingen nid)t bie jungen,
fonbern nur bie ^unggebliebenen roicfjtig. (Sie finb bie freuen,
bie ©eljaltooßen, bie Slbgeflcirten, unter benen oft bie (Sinfadjften
fo manche gebier einer ÜBorftellung richtiger empfinben, ba mo ber
xoutiniertefte £ml)nenmann fotetje fyöcfjfiens» t) e r a u § finbet. Unb
be§t)a(b merben felbft biejenigen, melcf)e fonft bei äufjetlidjen
^eaterbemonftratiouen, aud) einfcfjtiefrlicf) ber babei gemeinten
grünen falt bleiben, bie§mal ber triefet) ®anf miffen. ®enn
mit ber nur ibr iunemol)nenben Äraft l)at bie fd)eibenbe ^ünftlerin
e§ oerftanben, enblicf) au§ bem ©teilte Reiter zu fd)lagen unb
fomit unmillfürlid) eine Sftatjnung an bie unft gerichtet Um
l)ier jebod) eine gw^e ^rage nur furz 5U fteeifen: bie 3ufunft
unfereS ©d)aufpiele§ liegt meber in bem nergolbeten s$runfe einer
fteinernen (Sttlübung, mo fiel) bie feine äöelt falonmäfng oergnügt,
nod) in ber 3fnziel)ung§fraft einzelner gefud)ter ober aud) nur
ganz ^ufäUig gefunbener bramatifd)er Talente. 3Sielmet)r roirb e§
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