Südwestdeutsche Rundschau: Halbmonatsschrift für deutsche Art und Kunst — 1.1901

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weiblicher Slfte, iuas untfo bennmberusiuerter ift, wenn man be;
benft, bajg bie f'leiuften ttnterfcfjiebe in Ion unb $afer f)ier tn§
2htge fallen, unb es einen überaus feinen ©efd)tnacf erforbert, bie
entfpvedjenb gefärbten unb gefaferten üftaturrjölger richtig au§^u-
wciblen.

®atjer möchte man beim SInblict eines feiner ftimmungsrj ollen,
rei^enben Silber glauben, nic()t eines 9ftenfcrjen .panb unb 2luge,
fonbern bie Statur felber in ibrem luunberbaren @d)öpfergeifte l)abe
biefelben f)err>orgebract)t. (gortfefcung folgt.)

SJleijeral t. b. .^otfjrtogefen. Hans Karl Abel.

Sßettn ein franjBftfc^er Äritifer behaupten fanu: „2)?an lieft bie Jh'itif wie
einen Vornan, ein ©ebid)t ober ein pbilofopf)ild)es öucf) unb fragt nidjt nad) ber
Meinung bes SritiferS", fo wäre bamit bem Urteile bes SefepubtifumS bas ftärlfte
Sob gefprodien. 3ene Umfrage aus ben letzten Sagen beweift aber, wie wenig
auf bas felbftäubige ©enfen unfrer geferroelt ju fetten ift. ©olange wir ®eutfd)en,
bie wir ja immer fo felbftäubig benfen unb füllen wollen, nod) eine Natalie öon
(Sfd)ftrutf) ju unferer Sieblingsfcbriftftelleriu mäljlen f'önnen, folange müffen wir
fd)on ben Sinflufjgrab ber Sritif ertragen, ben wir öerbtenen. §ier ift ein langer
Üßeg, bis jene Uufultur einmal aus ber SBelt gefdjafft ift, bis einmal ebenbürtig
fünftlerifdjem ©djaffen fünftterifdjes Süerftäubnis gegeuüberftefyen wirb. 3d) glaube
immer nod) barau, bafj tjieu bas ^ublifum, will es ein gutes öud) jur §anb
nehmen, fid) am befteu beim 23erufgfd)riftfteller 9iat boten fanu, ebenfo wie es
bem ©peyalaqt, bem Kaufmann, ber feine Sßare am etjeften fennt, auf Sreu unb
©tauben folgt, ©o fie nid)t eine attju perfönlidje §Iufd)auung aufbrängt, fjat febe
Stiitit, nicfjt jutetjt bie bes Äunftmert'es im 93udje, ibren moralifdien wie ibren
praf'tifdjen Söert. 2Bir werben uns gewönnen müffen, nun enblid) aus ber jämmer*
lidjen s$ertobe unreifer SSovbereituug bes ÄunftgentefjenS tjeraus^ufommen, im
33nd)e uor allem bie Arbeit bes Ä'ünftlers feben $u lernen, nicfjt eine ©elegenfjeit,
unferer Srägfjeit burd) neue ^evftreuung 35orfd)itb ju leiften. Sielleicfjt wirb uns
bann ein Seil ber f^renbe aus ber ©eele bes ©djaffeuben in bie eigene übergeben.
@old)e SÖenbung gefdjiebt nidjt in Sagen, faum in 3abren. 2ßir werben üiel
prebigen, Ijart arbeiten müffen. 3U begrüßen finb barum alle Slnjeidjen aufrichtiger
SSeftrebung, £>eil gu fdjaffen. £üd)tige Süuftler unb ©djriftftetler im herein mit
wagemutigen, opferfreubigen Verlegern, bie 2Iuenarius, Sidjtwarf, ®ieberid)s,
Seljrens, (Seemann, ©djönbad), finb Ejier borangegangen, Shtltur bor arbeit ju leiften,

Von neuen Büchern.
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