Südwestdeutsche Rundschau: Halbmonatsschrift für deutsche Art und Kunst — 1.1901

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für ba«t 3Bot)I unb ben ^rieben eines- etnfigen 33ülfleins [)at, bann ffiljtt er fid)
glüdlid) in Öiefer uraTten, froren ©tabt

@r ftefjt bießeidjt eine ©tunbe lang ober langer auf bem SWünfterptats bor
bem SBatjrjeidjen 2llt=i5reiburg8 unb fietjt betounbernb empor an biefem Sofument
einig junger Straft. 3n heljrer 9D?ajcftät ragt es empor über alle 2>äd)er unb
önebel, unb im Jptntergrunbe breitet unb fonnt fid) ber ©djtojjberg.

Serg unb SBalb fietjt man au8 jeber Straße, jebem genfter, benn tote ein:
Sali umfdjtiefit ber ©djroarptalb Don brei ©eiten bie ©tabt. ©eSljalb blieb fte
fo (äuge berfdjont bon allem Ungefunben unb Traufen ber ftrembe, begljatb t)at
ftdtj greiburg feine ^tfrorifdje tfultnr unb Eigenart bie beute beroafcrt, ofme fidtj
ben nüfcfidjen Neuerungen ber 5vrembe $u oerfdjüefjen.

Son feiner anberen fübtoeftbeutfdjen ©tabt gilt cö mefjr al$j ber unirigett,
was in bem erften Jpeft unferer ^eitfd^rift als GEIjarafteriftifum ©fibbeutfdjlanbs
im allgemeinen (jerborgeboben mürbe, bafj ein b e f dj ei b e n e 8 , fei u er Qsi gen ar t
f v o t) e ö SBotl fid) eigener Sultiit unb $unft erfreut..

2Sic ber ebrmürbige 'iprälat ipebet bietete, fo fdjafft and) ber moberne
©d)ir>ar,ttialöbiri)ter. 3d) benf'e fjier in erfter l'inte au £>ansjacob, ben prächtigen
Sßfarrfyerm bon ©t. SUiartin.

Sine glütfltdje ^Bereinigung ^eigt ber attetnannifdje (Sljarafter: greube am
2llteu unb ©iun fiir'S S^eue. (Sö ift Ijier tlidjtS mufflig, nid)tö alt, unb lelfr mit
Unred)t bat grei6nrg ben vJinf, eine fdjroarje ©tabt $u fein.

9catiirlid) briitft bie (Srjbiöjefe mit bem s4>riefteriemiuar, ber fatl)olifd)en
Gr,iel)ungsanftalt unb bem flerifalen ^reßorgan „^reibtirger 53ote" ber ©tabt
ibr ©iegcl auf. Slber bas borgügücf)e moberne Jfjeatcr, bie liberalen
Heitlingen, oon benen in erfter Stnte bie „ikeisgauer 3eirltnS" $n nennen ift, bie
gan1, oon mobernem (Seift geleitete Unioerfität betoeifen aud) bem gremben, baß
fjier fein unerträgltdjer, fonferbatiber ©eift regiert. iffier längere oeit in greiburg
auf äffig ift, tuei|, baß man otellcid)t nirgenbs weniger beobachtet unb in bem
Seftrebeu, nad) eigener gacon felig ra werben, beeinträchtigt ift, af« l)ier.

Xas macfjt }itiu Seil mobl aud) bie fräftige 3ugenb, bie mtö allen Seilen
be8 9veid)e8 fjier jnfanjmenfirömt, ein fröfjlidjes treiben enttoicfelt unb feine l'uft
bat, fid) oerftaubten bebantifdjen SSorfdjriften ju fügen.

Unb inebefoubere finb e§ junge üünftler jeben gacfyeS, bie fid) an Aveibnrgs
berühmten ^ilbungsftätten bereitem unb bie Söälber ber ©tabt ,nm ©d)auptatj
jenes fingen«, jener kämpfe machen, oljtte bie fein .ttünftler groß wirb. Sö giebt
ja and) feine jmeite Llittperfitätsftabt in Sentfrijlanb, bie (anbfd)aftUd) fo nie!
bietet. 3" jeljn äJlinnten ift ber 8BaIb erreicht, unb bie guten 2i>ege
fütjren rafcf) nad) ben beliebten 2Iu§jtd)t3tounften, bem Stofjfotof, 3äb,ringer
©d)loß ic Ober ber Xourift bringt im liebten, fonnigen 2)reifamtljal auftoärts,
bis fid) nad) Horben m bas jerflüftete ©öttenttjal öffnet. 2Infang8 ein breites,
fjefles Stjal: bas öimmelreid), bann brängen fid) jäl) bie Sergroänbe redjt-? unb
ünU ^ufantnten, bis fte fid) am „^jirfdjförnng" fo na()e finb, baß bie ©age erjäfjtt,
ein §irfd) tjabe tjier bas 21)al überfprungen — unb bas eigentüdie §ölleittt)al,
toitb nnb romantifdi, nimmt ben SBanbrer auf. §ier ift es, mo im Sommer
Kletterer unb Souriften ib,rem ©port bnlbigen, mo bie Sugenb in männlidjen
Stuftrengungen nnb — freilid) oft gefügten — (Sefaljrcu Äörber unb ©eift frifd)
erfjält.

(Sin ^roei ©tunben langer DJiarfd) bom $irfd)fbrung aus, unb ber SÖauberer
erreidjt bie ©tatiou ^oftfjalbe, oon ber aus Xouriften unb ©fitänfer iljren Slufftieg
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