Südwestdeutsche Rundschau: Halbmonatsschrift für deutsche Art und Kunst — 1.1901

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einige Kleinigkeiten verkauft werden, und nach einigen
Wochen der ganze Kram wieder verpackt und weg-
geschickt wird — dann ist, falls überhaupt ein Erfolg
zu verzeichnen war, derselbe ein augenblicklicher, der
hauptsächlich dem Unternehmer zu gute kommt. Doch
von dauerndem Erfolg, der den ideell zwar Beteiligten,
praktisch jedoch vorher nicht Beteiligten so zum Nutzen
wird, dass sie nachher sich das zu nutze machen , was
ihnen in der Ausstellung gezeigt war, dass sie eine
Lehre daraus ziehen, — von solchem dauernden Erfolg
kann gar nicht die Rede sein. Dauernder echter Erfolg
aber ist in jeder Beziehung das Wertvollste und darum
das wirklich Erstrebenswerte. Soll nun die Kunst einer-
seits und das Volk andererseits dauernden Erfolg haben,
sodass die eine das andere erobert und dieses ohne
jene das Leben unwert findet, dann ist es unabweisbar
nötig, einmal überhaupt dauernde Thatsachen zu schaffen,
zum anderen aber die That so zu beginnen und zu
stabilieren, dass sie sogleich immer neue erzeugt und
dadurch beweist, dass ihr Beginn geeignet ist, auch in
Zukunft alles zu umfassen, was in den Bereich des Be-
griffes Kunst fällt.

Hätte also die Darmstädter Künstlerkolonie viel-
leicht in diesem Jahre, oder nächstes Jahr, oder schon
1900 eine kunstgewerbliche Ausstellung abgehalten,
dann wäre diese trotz der zugegebenen Möglichkeit
eines reichen Katalogs nur etwas Einseitiges gewesen,
sie wäre gekommen und vorübergegangen wie all' ihre
grossen und kleinen Vorgängerinnen, sie hätte keinen
bleibenden, dauernden Erfolg und Wert gehabt; und
das Schlimmste von allem: sie hätte eben Vorgänge-
rinnen gehabt. Während also auf vielen anderen, meist
den wichtigsten Kulturgebieten fort und fort Neues ge-
schaffen worden wäre, hätten wir auf dem zweifellos
allerwichtigsten Kulturgebiet, demjenigen der Kunst
das wahrhaft schöpferische Moment wieder und wieder
vermisst, und dann wäre wiederum ein gequälter Schrei
nach endlicher Erlösung laut geworden , und die bange
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