Südwestdeutsche Rundschau: Halbmonatsschrift für deutsche Art und Kunst — 1.1901

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„©fiern."

©obafb ein SD? cum Don ber ©ebanfenfompücatiou fowie bem bvamattfcf)cit
Talente Sütguft (StrtnbBerg'S ein neues ©tnd in bie SBett gehenläßt, fo muß
man fidj eben Sftüfje geben, es fennen ju lernen. S)aS gefdjiefjt natürfid) feine«*
weg§ burd) SInwofjnen ber bieS&ejfigficljen kremiere, refp. bnrcf) ein ©icbfeßen auf
eine nocf) frifdjangeftricfjene ©artenbanf, fonbern einzig unb allein mittelft ber
Seftüre! Sin 2>id)ter, ober felbft nur ein ©djriftfteffer, ber biefen litterarifcfjen
SSert nid)t für ftdj beanfprudjt, i[t auf SfugeubficfSeffefte angewiefeu, bie weber
ifjn, nod) fein ^ublifum efjren. UeberaU wirb ber 9tang unferer großen geifiigen
$erfönfid)feiten burd) baS — Sefen irjrer Sßerfe gemadjt; fdjou beSfjafb, weil wir
einzelne bebeutenbe ©äße, unauflöSlidje ©lieber einer langen Äette, Wotjl
einigemafe uns felbft wieberfjoten fönnen, aber bod) fd)Werfid) beu @d)aufpieler
um ben gleidjen ©efalfen mitten in ber Sluffüfjnmg bitten bürften. 9cidjt Seffiug,
nicfjt ©cfjitfer, nid)t 3bfen, fämtfid) Poeten, beren SBirfung in ber 23ü[)ne wur,eln,
f)abeu auberS als mnödjft budjmäßig unfere §er,en entjünbet. ®enn in ber
©elbftttfätigfeit unb nicfjt in bem, was auf uns üon außen, gleicfjfam mit biefen
©tridjen einbringt, liegt ber wicfjtigfte Vorgang unfereS inneren 2öad)3tumS. 2fud)
lege man feinen SilbungSftol} ab unb tjalte bie große SDienge für ebenfo empfinbungS-
fräftig, aus bem bloS gebrueften 2ßort fid) ein 2>rama geftaften 511 fönneu. 9cur
fjat bie große 9Jcenge feine £eit unb fein ©efb, neue ©djaufpiele anberS, als wirf*
lief) jn fef) en. Sas ift bann ein breifadjeS unb unreines Sßergnügen, wert nod) fo
öief äußerlitfjeS Seiwerf: gepußte 9Jcenfd)en, Sicfjtergfan, unb Sfjeaterbeforation
mitgenoffen wirb.

©trinbberg fjat biesmaf baS Uuglücf gefjabt, fogleid) aufgeführt m werben!
©ine Sfjeaterfeitung, bie fid) mef)r in Äunftftücfen als in Äunft ausgibt, ließ ben
®raf)t nad) ©djwebeu fpiefen, auf fold)e Seife fief bann granffurt bie Sfjre 51t,
bie haute nouvaute (nb.: ein ^affionSfpief unb nid)t etwa ein ^arifer §ut!) tot
ju madieu. GS bleibt bie grage, ob bieS fonft fo rafdj mögtid) gewefen wäre, b. f),
ofjne bie Sedjnif unb bie falfdje JEecfjntf ber betreffenben SKegie. Snbeffen, eine
jartere unb poetifd)ere Sefjanbümg oermag bod) nur einzelne ^ßartieen in eine üöflig
anbere 33eleucf)tung ju bringen, wie 5. 33. bie fo le:r,artig auffeimenbe Se^iefjung.
mnfdjeu ber Gleouore unb bem Benjamin. 2)a3 33erftänbnis beS ©an$en bleibt
einmal oerwirrt, weif es nicfjt genügenb in uns burd)gearbeitet war, als mau mit
gröberen SJcittefn an nnfer 2fuge unb unfer Dfjr fid) jn wenben begann.

©trinbberg'S 93ceifterf)anb ift befannt, ba wo es fid) um baS große ©rarna
fjanbelt; ffeinere ©tüd'e wie u. a. §erbftjeid)en, 2>aS 33anb u. f. w. werbe jwar
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