Südwestdeutsche Rundschau: Halbmonatsschrift für deutsche Art und Kunst — 1.1901

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alter lieber unb bocf) nie oft genug im Äonjertfaat begegneter 33efnnnter. §err
Äoujertmeifter 53erber au« Seip^tg entfaltete in feinem fo feelenuollen, mie feurigen
©piele reife, reine Sünftlerfcfjaft, bie ibm füglid) feinen ^lal^ in ben allererften
9ieitjen uuferer lebenben ©eiger anmeift. 3)eS ^efteS Krönung unb mürbigen
3Ibfd)tuf3 bilbete SSeetbotienS große Sborpbantafie, bei bereu erbebenber SluSfüfjrung
©irigent, Drcbefter, (Sbor unb nomebmlid) §err ^ßrof. OrbenfteimSarlSrube rcett-
eiferten. Unb biefeö bobe Sieb beglüdeuber Sunft f'onnte nirgenbS tieferen SBiber*
ball ermeden als in ber alten Äaiferftabt SöovmS, ber fagenumroobeuen ©tätte
beS 9ribelungenliebeS!

§eibelberg. §ann« §etm.

Sranffurt, tDtesbaöen, Baöen=Baöen bei eurgenjeff.

lurgenjeff ift einer ber menigeu rufftfdjen ®id)ter, bie ganj bon bem
©egen ber europäifd)en Kultur beguabet maren unb ibre 93ebeutung feinen Sanbö-
lenten }it bemeifen fudjten. 3)ie ©laüopbilen pflegen Smrgenjeff ooquwerfeu,
baß er fein balbeS Sebeu im SluSlanbe uerlebte unb baber feine 2)cöglid)feit batte,
bie ruffifdje ©efellfcbaft fennen 51t lernen. Slber gerabe in jenen 3Berfenr
beren ^anblung fid) im 2(uSlaube abfptelt, tjat Smrgenjeff mit befonberer Äunft
unb ©d)avffiunigfeit bie Muffen d)arafterifiert. 3}on bem £>intergruube ber meft-
europäifdjen Kultur beben fid) biefe Äinber eines balbafiatifdjen SanbeS, bie
ibrem SDrutterlanbe entmad)fen finb ober bod) entmadjfen ju fein glauben, um fo
beutlidjer ab. §>auptfäd)lid) ift eS bie oiel gepriefene ruffifdje „Sntelligen^ia",
bie im 21uSlanbe 23ilbung unb greibeit fud)t, unb bie ruffifdje 2lriftofratie, bie
fid) 31t £aufe langmeilt unb ber SDiobe bulbigenb, fid) in ben auSlänbifd)en Kurorten
^erftreut.

©übmeftbeutfdjlanb bilbet einen großen Seil biefeS §intergrunbeS. Sefannt*
lid) bat Smrgenjeff in ben 60 er 3abreu faft jeben ©ommer in 23abeu=23aben in
feiner eigenen 2>iUa oerbradjf; er fprad) oon 2)eutfcblanb als Don feinem jmeiten
5i>atevlanbe. (@rft feit bem beutfd)=frair,öfifd)en Kriege mürbe er biefem jmeiten
SSaterlanbe untreu, oerfaufte feine babifd)e 9itüa unb mauberte nad] ^3ariS aus).
(£r uerfebrte in allen Greifen ber in ©übmeftbeut|d)lanb mobneuben Muffen,
beobachtete 2tlle mit bemfelben Haren 33(id unb gab Stilen ibren gebübrenben
^ßtalji in feinen s8efd)reibungen.

®er ruffifd)e 2lbel, ben uns Jmrgenjeff im Vornan „2)unft" in ^aben=33aben
barftellt, ift mol)lgenäl)rt, elegant, parfümiert, $mitfd)ert fraiqöfifd), bat ftd) bie
Sreme beS mobernen enropäifd)en SQStffenS angeeignet unb trägt fie gefd)idt, »nie
ein gutes Äleib, benft lotjal unb befämpft fcbonungSloS bie reöolutionäre }eit-
genöffifebe 3ugenb. 21ber in ibrem Sßefen ift biefelbe Unorbentlidjfeit, berfelbe
SBiberfprud), mie bei benjeuigen, bie fie befämpft. Sie aud) in ben regiermtgs*
feinblicben Greifen, bilbet tjier bie 3lt^unft'Sfr*age baS .'paupttbema ber Unterbaltung.
2)a feben mir einen berablaffenben ©eneral, ber mit milbem 2äd)etn, mit ^ärtltdjen
©eitenbliden auf bie ©amen feine 9iebe nerfüfsenb, bie Üiüdfebr jur glüdfeligen
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