Südwestdeutsche Rundschau: Halbmonatsschrift für deutsche Art und Kunst — 1.1901

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9lber man ift bennod) gern batö mieber braufjen, bie Sanbfdjaften ber @emälbe-
fäle, ad) maS fütb fie bod) jtuergenfleiit gegen unfere buftenben SBätber aus braunen
Säumen, friftfiem fd)immerubem fJioo«! SB.?.

Htfolaus Rotf)miif)l.

3n feinem 2lbl'tf)iebe öon Stuttgart.

Sag Äuttftlebett ber fdjmcunfdjen üDcetropote tjat burd) ben gefeierten ©ättger
unb gelben Roth müf)l, roäbrenb beffen fed)Sjäbrigen SSirfenS an ber §ofbühne
unb im Stuttgarter f onjertfaal eine Bereicherung unb SluSgeftaltung erhalten, bie
an bie ©tanjperiobe ber Stuttgarter Oper in ben 60er Satjren erinnert, als
Sontheim, ed)ütft), SBertram, Sßifdjef unb bie 3)carlon., @d)röber=§anfftäugel ber
Hofoper angehörten. Rothmül)l bflt nach bem einmütigen Urteil ber Äeuner burd)
bie Sßudjt feiner fünftlerifdjen Snbiüibualität bie Operuüorftellungett auf ein
höheres Riöeau ju bringen oerftanben. 2)er 3U9 1110 ©roße, iBoruetjme, baS
fingen nad) fünftlerifd)er ©eftaltuug zeichnete fein Sßefen unb SBirfen aus. @r
genügt fid) nidjt in ber tedjnifdjen Seraalttgung beö ©timmlichen; er fud)te aud)
nicfit, burd) ©efangSfünfte Sffeft $u machen, fonbern bie Äunft beS ©efauges mit
ber einer nomeljmetv burdigeifttgten ©arfteuung ya öeretnen. Sr betrachtete bas
©efanglidie nur als Hilfsmittel jur Srreidjung ber getreuen SBiebergabe beS rein
Äünftlerifdten.

@o ift Rothmühl einer ber beroorragenbften Saguerfänger geworben, ber
bie Sßartieen ber älteren rote ber neueren Söagneropern mit gteid) großer 2)ceifterfcf)aft
befjerrfdjt. Xabei ift er ein gloreftanfänger im „ftibelio" in edjt Seettjoüenfdjem
©eift üou hinreißenber ©eroalt. (Sbenfo finö feine Seiftungen tu ben äßojartopern
gerabeju oon gewaltiger Äraft. ©aneben ift er ein großartiger ÜJcerjerbeerfänger,
Was tjeutigen ©agS gewiß Diel rjetßen will. 2ÜS er cor einigen Jagen jum lebten
ÜD?al ben Raoul in ben „Hugenotten" mit bem ganzen ©lau1, feiner Stimme unb
2)arftelluug-?gabe fang, ließ il)n ber Äöitig tu feine Soge rufen unb fprad) tfjm ben
föniglid)en Sanf unb bie tjulboollfte 2üterfenmtng ans.

SSie er bem auSgefprodieueu Selcanto ber itaitenifdjen Oper gewacbfen,
bewies Rothmüf)t jebeSmat in glän^enbfter SBetfe, meint es galt bie Schöpfungen
eines Roffini ober SSerbt, eines 2)caScagni ober Seoncaoallo barjuftetten. ©ein
Repertoire ift nnerfd)öpflid). Ü)cau rotrb bälber fertig mit ber flufjäljlung ber-
jenigen Opern, bie er nicht, als ber, bie er ja fingt. 2)urd) unb burd) äJtuftfer
be£jcrrfd)t er bie ganje Partitur: er reißt beit uufidjeren Partner, wenn er 51t
ftoden brol)t mit fouoeräner 58ef)errfd)ung beS ©anjert ebeitfo energifd) mit, mie
ben Sfjor, ja felbft ben Äapellmeifter. iücir oerftdjerten mehrere h^roorragenbe
ÜÄitglieber ber Oper, baß Rothmübl einen eminent erbtet) erif dien (Siufluß auf fie
unb ihre Äunft ausgeübt habe. 2Bie er felbft für jebe feiner Stuf gaben feine gau^e
reid) angelegte ^erföitlidifeit einfefjt, um feine Rolle utr tjödjften Sßotenj lebens-
mat)rer unb havmottifd) abgerunbeter Sarftellung ju bringen, fo trad)tete er aud)
banad), feine füuftlerifdteu Söeftrebuugeu auf Stubere $u übertragen.

$ein SSunber, baf3 baS ©djeiben RothmüblS oon ber Stuttgarter Opern«
bühne allgemein bie fcr)merjttct)ften ©efühle t)ert»orgerufcn hat. Selber ift es nidjt
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