Südwestdeutsche Rundschau: Halbmonatsschrift für deutsche Art und Kunst — 1.1901

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bunftcn %ox% fein SJläbcfyett fampft f)offnung§uoü, f)offmmg§lo§
um tt)tt, für fd)nöbe§ ©olb giebt ein Sftenfdjenrtnb fein £>et3 fyttt
unb ein Stein füllt bie teere $q'6\U, unb ©elfter fteigen aus ben
finftern Seen, bie greifet) en anftrebenben bergen wie fd)rear§e,
brofjenbe klugen §um Gimmel b liefen.

3I6er oergebens fucfje tcf) mir ben Taunus in ein folcfjes
SötXb gufammenpbrängen. 9Bot)t ift auct) er auf feinen ©runbton
geftimmt, unb roie eine Si)inp£)onie non ©otb unb £8lau fteigt fein
ftra£)lenbe§ ©ebilb oor meiner Seele auf. (Sine ©locfe oon Sl^ur
fpannt fiel) fjter ber Gimmel aus, raufd)enbes 33lau ftrömt er über
bie Stäbte, bie im $ran§ ben $ufj ber |)öl)e bebeden, unb aus
gotbenen Stetjrenfetbern flutet ein neuer $arbenüberfcf)reang §um
.gummet prücf. %a gießen ftrafjlenbraeifse Söolfen raie leud)tenbe
©ebirge auf, mit Steuer bie plaftifcrje 9tunbung erfüllt, türmenb
unb rorperfjaft unb bod) fo fcf)reebenb leid)t, mit fitbernem
JRanb fd)mücft fte bie oerfcf)reenberifcf)e Sonne; unb bu roenbefi
bas gefättigte 2luge ab, bas all ben ©lang nid)t faffen fann, £)in
gum ©ebirge: in tiefem blauen ©rün fdjmingt fief) feine rut)ig-
lebenbige Sinie unb über ifyr breitet ftd) atjnungsljaft ferapf)ifd)er
Sdjimmer. 3Bo £)ebt ftd) biefe Sinie an, roetctier ^irfel ift bas
©efet$ if)res Saufet? 2)u finbeft es nid)t, benn in if)r ift jene
£)öct)fie Sd)önf)eit erfüllt, bie greifbar unb ungreifbar pgleicf) roarb,
feine beftimmte ^öilbung lä^t biet) im einen %fyai unb |)öl)en§ug
bas ,3meite loiebererfennen, feine fefjroffe Ungteid)f)eit ftört bie
mitbe 9JMobie bes ©angen, t)ier ift bie munberfam belebte ©iu-
tönigfeit bes Speeres, aber ber 9teid)tum freunblicfyer ©eftaltungen
tä^t bie fdjauenbe Seele nie ermatten.

Unb bie§ ^leinob ber Dlatur i)at eine fyerrlicfje Raffung er-
Ratten; graifdjen äötesbaben unb Hornburg etma erftreeft ftd) bie
„|)ö£)e", unb nad) ber ©bene tjirt, am 9)cain, Ijebt fid) mit feinen
türmen bas mad)tige ^ranffurt, bie alte, emig=junge ^aiferftabt,
bas Stior gum Taunus, in feiner ^rone bas f)errlicf)fie $uioel.
2Iuf biefe ©egenb t)at auef) bie ©efd)id)te t^ren unoergänglicfyen
Stempel gebrüeft. ^aum eine Stunbe oon Hornburg liegt bie
Satburg, ein römifcf)es ^aftell. Um bie $eit ©fjrifti begegneten
bie Börner oon fjtet aus ben räuberiferjen ©infällen ber friegerifetjen
hatten. SSom Horben £)er brauften bie ©ermanen aus ib,ren 2öatb-
gebirgen f)ernieber, unb einmal fcfjüt^ten toeber SRauer noef) ber
breite ^3faf)lgraben bie 23efte oor ^erftörung. SBieber mürbe fte
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