Südwestdeutsche Rundschau: Halbmonatsschrift für deutsche Art und Kunst — 1.1901

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freifte, bie nad) $reU)eit lecken unb murren, loeil id) fie unter-
brüefe. ÜJleine $unft, fie ift meine 3uftud)t. SInbere üDlenfdjen
tjaben ^reunbe, 23efannte, ©eüebten, ©efettfdjaften, aber id) — feiert
©ie — id) babe uid)t§, nid)ts ai§> meine ®unft. Unb barum ge-
rate id) aufjer mir, meint mir etroa§ mißlingt, barum beilüde id)
jebe SJUnute, um ju lernen, um emporkommen §ur ©onneni)ö|e
meiner Eunft. Semen Sie erft ba§ Seben, bie 9Jienfd)en fennen
unb Sie werben batb einfefyen, bafj ba§ einzige ©lud: in ber Arbeit
befielt, in ber SSerooUfommnung unferer gäljigfeiten, in beut fingen
unb Streben nad) innerer ^reibeit.

$a, fo ift ba§ Seben fdjön, fo oerbient e3 gelebt §u merben.
$d) bitte Sie, für „33ül)ue unb Seit" einen Slrtifel über „|)ebba
©abter" 51t fd)reiben, ferner bie $umore§fe p ooUenben. |)ier
fjabe id) einen ruffifd)en Stubenten fennen gelernt, jung oott ©etft,
ooH SÖßiffen, mit bem ptaubere id). $iete ©rüfje! $rene triefet).

* *

(Sommer 1899.

. . . ^d) benfe oft au Sie unb liebe Sie, ma()ri)aftig, nrie
id) meinen trüber tiebe. sXtt bas, wa§ m\§ fo oft oerbunben,
oereint f)at, unfer Seinen unb «^offen, unfer 2öünfd)en unb SCöoUen,
unfere Sd)mer5en — id) babe nid)t§ oergeffen, atte§, alte§ Hingt
nad) in meiner Seele. 9JUt meiner ©efunbfyeit get)t e§ fd)ted)t;
fei 14 Sagen babe id) Sc^merjen im 9iüden, unb bod) fpiele id)
jeben Sag. ©infam bin id), ot)ne ^reube, ob,ne Siebe — unb bod)
fommt oft eine trunfene Seben§freube über mid), gan^ ptotjlid),
urplöt^lid), fie überrafd)t, fie überrumpelt mid) mitten im tiefften
SBet), unb ba möd)te id) auffd)reien, aufjaudjjen unb tanjen oor
©tücf. ®a fommt aud) Siebe über mid), Siebe für aße3, Siebe
für ba§ WS.. 2lber ba§ ftnb eben nur trunfene 2lugenblicfe, fie
entftiel)en, unb id) bin roieber 00H £)af3 unb SJiifjtrauen, ootl 9^eib
unb SHatfd) unb 33o§f)eit unb Mtäglidjfeit. So rjaben Sie mid)
oft gefefyen, unb fo mißfiel id) $f)nen. £)od) genug oon mir. —
SDanf für $f)i* 33ilb! ©§ ift mobjlgetroffen; e§ ftef)t auf meinem
Sd)reibtifd), id) bliefe e§ oft an. $dj münfd)e einen 23rief oon
^bmen, in bem Sie mir fagen, mie Su leben, al(e§, aKe§, jebe
SHeinigfeit intereffirt mid); oert)ef)len Sie mir nid)t§, faffen Sie
gegen mid) alte§ tjerau§, roa§ in $l)nen tobt unb burcfyeinanber
tollt. $cfj oerftefye alte§! üSßiffen Sie, |)eme fyat fein t)errtid)e§.
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