Die Werkstatt der Kunst: Organ für d. Interessen d. bildenden Künstler — 19.1919-1920

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XIX. Jahrgang.

I)eft 20.

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16. sebruar t$2o

Hufwarts oder abwärts?
Don 3ultas Bosenb aum, Berlin.


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JDaren bie Hofsnungen auf bas Bcsultat eines
„Deutsd}en Künstlertagcs" auch nicht hochgespannt,
so ermattete man bod? non ber Aussprad^e eine
gemisse Klärung. ©ntrocber mären Sie Künstler
imstanbe, bte angebliche Unsähigkeit, ihre mirtfd}ast*
lidjen unb sunstpolitischen sragen selbst 3« lösen,
als unmahr h'n3uslellen, ober sie mußten bekennen,
ba§ ste mtrslidj bie unpraftisdjen Kinber mären, ats
bie man ste gerne bc3eidjnet. Daß man stdj in
Künstlerfreisen bcs ©nistes ber Sage nollfommen
Gemußt ist, bemeist ber Aufrus ber „bereinigten
üerbänbe bilbenber Künstler Berlins", ber sich an
bie Kollegen mit ben IPorten menbet: „Der mirt*
sdiastlidje gusantmenbruch Deutschlanbs bebeutet
melleicht auch seinen kulturellen «gusammenbruch! "
€in mohltuenber ©rust geht burd] bas gan^e Schrist«
sitck, bas mit ben IDorten sehltest: „Keiner bars
sid) aussdjlteßcn!"
Butt kennt man bie Kunbc, baß std] plößltch bie
„bereinigtenDerbänbe" ausgelöst hatten unb baß ber
„beutsdje Künstlertag" nicht stattsinben soll. <£s ist
einsach unbegreislich, baß Kollegen, bie einen Aufrus
in bie ICelt slicken, ber uon ben „erbärmlichen
äußeren gustänben unserer unb ber kommen«
&en ©eneration" spridjt, so leichten fser3cn5 ßinc
soldje mtdjtige Angelegenheit mie ben „Künstlertag"
einsach begraben. IDarum ging man auseinanber?
Sachliche ©rünbe können es nicht sein, benn
fie mürben burdj ben Ausrus selbst miberlegt merben,
es können nur personensragen sein. Sollten Kollegen,
*>ie si<h 3ur Dorbereitung bes Künstlertagcs berusen
fühlten, plößlich entbeckt h^en, baß ste bie Arbeit
ssicht bewältigen könnten ober wollten, ober bass ste

utiferetnanber nicht hcisssiossierten, so ist bas noch
kein Anlaß, ben „Künstlertag" sallen 51t lasscn,
sonbern man hätte bie Arbeiten anberen Ceuten
übergeben sallen.
€s sd^eint, baß noch )ehr »tele Künstler bie
<§eit unb bie brohenbe Zukunst nid}t klar erkennen.
Die Künstlcrjdiast mtrb non aßen Seiten unerbittlich
ausgepreßt merben, menn sie sidt nicht 3« ©egen«
maßregeln mirb aufrassen können.
<£s soß hi^r einmal ber IDerbegang bes Kunst*
lers unter ben heutigen Derhältnissen ganj nüchtern
betrachtet merben.
Der Crtcb 31m Kunst geht, menn er ausgeprägt
ist, 3mar 3citmeise, aber nicht bauernb 3U unter*
brücken; bas bemeist bas Ceben otcler ITtalcr, mte
Spifemeg, ber Apotheker, Ut|be, ber ©ssoter mar,
unb oor aßem sinb ©esanne unb Bracht Betsptele,
bie 511 benken geben; beibe sattelten jmetmal um,
ehe ste ben Kausmannsstanb enbgültig »erließen,
<£s ist bcjcichnenb, baß beibe Blaler, bie hoch aus*
geprägte Begabungen sinb, an ihren jühigseiten
3mciselten. Das sollte bod} nadjbenklid} stimmen,
uor aßem soßten biejenigen std} mit bieser 3rage
näher beschästigen, bie jungen Ceuten ©alerit 3U*
ober absprcchen, ober ben Schülern ben Bat geben,
ohne materieße ober hcnbrnerklidje ©runblage bie
Kunst 3um Cebcnsberus 3U mählen. Da bie BTuse
bei Verteilung ihrer begnabeten Küsse nicht Öen
Untcrsdjieb 3misd]en Arm unb Beid} macht, ist sür
ben Sohn armer Ceute ober ben bes BTittelstanbes
ein soldjer Kuß he“te keine Annehmlichkeit. W&$
jeßt Cebensuntcrhalt unb BTaterial kostett, ist sür ben
minberbemitteltcn Schüler fast unersdiminglid}. Bor
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