Südwestdeutsche Rundschau: Halbmonatsschrift für deutsche Art und Kunst — 1.1901

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Stele mtfc tüimfcfje.

SS

äöarum füllen mix nid)t münfdjen, fo lange nur nod£) fefte
3ide oor 5Hugen fe£)en? SBarum nid)t rufen, bie Träumer roecfen,
wenn fte fd)lafen? SSieHetc^t bat man gebad)t, baf} biefe ^eit-
fd)rift, bie bisher in ibreu beiben ^rogrammarttfeln (fief)e ^eft 1
unb 2) nur Ernzen 2lu§btucE i£>rer sJlotroenbigf'eit gegeben b,at,
ruf)ig 5ufäb,e, mie man oon anbersrao ©übroeftbeutfd)lanbs S^uf
unb $ntereffen augreift fd)äbigt? 2Bir müßten nid)t junge
(Stürmer fein, menn mir fo fur§ auf unfer gutes 9?ed)t am
^ampfplalj uer^iditeten. Sföir motten nur fämpfen nad) fübroeft-
beutfdjer ©igenart: ftill, befdjetben, langfam, befonnen, um gletd) oier
ptreffenbe (Spitbeta 51t nennen. üBetmeiben mir bod) alles ©freien
in .ftuuftfämpfen, fudjen mir bod) ber föunft nid)t mit trafen §u
bienen! $ct) habt mid) eines Sacfjens nidit ermebren f'önnen, als
mir in biefen äöocfyen oon allen Seiten "Blätter pflogen, bie, liebend
roürbig ober unliebenSnrürbig, bas fummert uns f)ier nid)t, unfere
„©übmeftbeutfrfje 9ümbfd)au" flugs in bie „^eimatf'unft" ein-
regtftxterten. sIUeUeid)t maren mir alfo md)t beutlid) genug in
unferen ©infübrungsmorten, bie metter md)tS wollten, als ber alten
Stet unb ftunft oon ©oetl)e'§ -öeimattanb bas oerbtente Slnfeben
mieber ju gewinnen unb menn es gilt, 51t wagten. 3)as ift eine
fdjroere unb gefährliche ^3olitif, bie mit ben breiten öienljarffcfjen
fielen ber £)eimats fünft nur baS ben £ampfesurfprung gebenbe
©efüf)l ber |)eimatspietcit gemein bat. 2öie ber Q3ürgermeifter
einer f(einen ©tabt fid) für bas 2öof)l unb 2öef)e feiner kleinen
©entetnbe forgt, fo machen mir über unfer fjetrticfyes ^leddjen @rbe
im beutfcfyen Skterlanb, ben 2ßur§eln nadjgeljenb, bie frifdjen 23oben
bringen [ollen. 2öir treiben foroeit <£>eimatf'unft, als mir ^unft
treiben. Solange mir (Scfyönljeit feben, nimmer bis 31t bem engen
©tenjpfafyle, ba mir ber ©d)önbeit ßebewofyl fagen müffen, meil fte
fd)on ins @ebiet beS 91ad)barlänbd)ens gebort. üEßir faffen ben
begriff Heimat im roeiteften ©inne: bie einmal aufgeblühte s^flanje
foH fid) ausleben, fid) nad) ^erjenSluft in (Rottes meiter @rbe
tummeln bürfen, nur foH fte fid) ein geheimes $ad) im ^er§e
ängftlid) wahren, ba ber Heimat 2lrt ib,r oervät, roefs «Stammes
fte ift, mobin fte gehört. — ^Jleue ^Bewegungen liaben ja immer
bas ©djicffal, meit über ibre eigentlichen $wecte binausgufdjiefsen:
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