Südwestdeutsche Rundschau: Halbmonatsschrift für deutsche Art und Kunst — 1.1901

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lung eingelaben fjatte. Vefonberes Qntereffe fanb natürüd) bie fürftlicfje
SBibltottjcI, an bev befanntlxd) ©djeffel in ben ^aljren 1857—59 tfyätig
mar unb roeldje 120 000 Srudraerfe unb gegen 300 alte, foftbare £mnb-
fdjriften it)r (Stgentutn nennt. Unter letzteren fei bie in ber Sitteratur als
„Öof)enems=2aßberg'fd)e" befannte fdjönfte ^janbfdjrtft bes Sübelungem
liebes fjerDorgefjoben. Sie fonftigen reichen ©ef)ensmürbigfeiten bes
©d)loffes, 2(rd)ius, bie f)errlicf)e ^arjrt burd) ba§ £>öllentl)al gaben einen
raürbigen 2tbfd)luß ber ebenfo fdjönen raie anregenben g-reiburger Sage.

9?id)t minber tjergltc^e 21ufnaf)me entbot ba§ gaftlidje ga*eiburg ben
Vertretern, uiefmeljr Vertreterinnen bes beutfdjen Vereins für bas bösere
9JMbd)enfd)uIroefen. Vilben bod) gerabe tiefe 21ttftalten einen Jpaitpt-
gegenftanb ber 21ufmerffamfeit ber ©table, raelcljen, raie in ^reiburg, bie
©orge für beren materiellen Unterhalt übcrlaffen fei. — 2luf ber £ages-
orbnung ftanben als öauptgegenftänbe fcbultecl)uifd)e fragen, in meldje
aber raie oon felbft bie moberne ga'auenfrage als -teil ber fojialen ^rage
tjinüberfpielte. ®ie Vegrüßung§rebe feitens bes ©erat Cberbürgermeifters
Dr. Söinterer gipfelte in ber Verficb,erung, baß ga-eiburg, raie alle bentfd)en
©täbte, nor feinem Cpfer jitrüdfdjred'en raerbe, unfere 9JJäbcf)en auf einer
Vübungsftufe ju erhalten, baß fte ber gebilbeten SJcännerraelt tu jeber
§infid)t als noliraertige ©enoffinnen an bie Seite geftelit merben fönnen.
Sin ben Vortrag betreff einer Umgeftaltung ber l)öf)eren 5Dcäbd)enfcbule
fnüpfte fid) eine fet)r lebhafte Debatte. 211s bie roid)tigften, beut Vortrage
ju ©runbe liegenben Öeitfätje feien folgenbe genannt:

1. 2tn ber t)öf)eren 3)Mbcf)enfd)ule, als ber grunblegenben ©djule jux
©erainnung einer f)ö£)eren Vilbung für bie meiblidje Qugenb, ift feft-
jufjalten.

2. ^ebe einfeitige 9<}ad)af)mung ber t)öberen Knabenfdjulen ift bei ber
©eftaltung ber 9Mbd)enfd}ule abjuroeifen.

3. dagegen bebarf fte: a) einer Umgeftaltung, unb $tt>ar in bem
©inne, baß ber Veginu bes Unterrid)tes in ben g-rembfpracben um
minbeftens ein $aljt f)tnausgefd)oben unb bie baburd) geraonnene ßeit
bem Unterricht im ®eutfd)en unb in ben Realien jugefüfirt rairb, baß
ferner ber Unterricht in ben ga-embfpradjen auf bie Dberftufe 31t ©tmftett
bes Seutfcfjen fo eingefd)rän!t rairb, baß bie 3a^ '3er ©tunben eine3
frembfprad)ticl)en Unterrichtes bie bes ®eutfd)en iridjt übertrifft; b) eines
Slufbaues uon raomögltd) jraei fahren für bie jeJjn« unb von brei
$afjren für bie neunftufige fjöfjere 9Jcäbd)enfd)ule. tiefer Slufbau fod in
18—20 nerpflicbtenben ©tunben ben Unterricf)t in Oieligion, in ben brei

• ©pradjen, ©efd)id)te unb ßunftgefd)id)te, (Srbfunbe, ÜDlatbematif, S^atur^
raiffenfd)aften, ^fi)d)ologie unb ©rgiehungslehre umfäffen, mährenb ber
Unterrid)t in ted)nifd)en fächern (ßeidmen unb £>anbarbeit) unb im Smrnen
roal)lfrei bleibt.

4. @s ift raünfd)ensraert, baß mit 3uft"nmun9 uno ^örberung ber
betreffenben Vetjörben an baju geeigneten Slnftalten praftifdje Verfuctje
mit biefer Umgeftaltung unb bem 2(ufbau ber höheren 9JMbd)enfd)ule ge-
macfjt raerben.
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