Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 1.1885-1886

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Th. Dennerlein's Pallas Athene — Atelier-Notizen


der romantischen Kunst untcrscheidet, so diirfcn wir uns
solchen Klossizismus wohl gefallen lassen. Wir wollen daher

Pallss Aihrne. von Th. Dennerlein.
Aolossalfigur fär die Neue Aunstakademie zu München.
nur wünschen, daß dicsc Pallas dereinst auf ihrer schwin-
delnden Höhe denselbeu imponierenden Eindruck hervorbringe,
dcn sie hier bei dcr Ansstcllnng wohl aus Jcden gemacht hat.
_ Fr. Pechk.
Aielier"Uoti?en
—t Münch en. Jn L e n b a ch's Atelier sieht man jetzt
ein von Rom halbvollendet mitgebrachtes Portrait Minghetti's,
das den feinen, gewandten italienischen Politiker nnd Gelehrten
vortresflich ausspricht. Ebenso ein paar Fraucnkvpfe, zumal
eine Amerikanerin voll cleganter Salongrazie.
—t An die noch immer in Desregger's Werkstatt un-
vollendet stehende Madonna mit dem göttlichen Knaben auf dem
Arm wird der Meister bei seiner demnächstigen Rückkchr aus
der tirolischen Heimat wohl bald die letzte Hand anlegen. Hält
dann alles Übrige Schritt mit den längst vollendeten Köpfen,
so dürfte hier wohl etwas entstehen, wie wir es in München,

wenn überhaupt, jedenfalls seit Jahren nie mehr gesehen haben.
Speziell der Madonnenkopf ist von einer hehren, sast über-
irdischen Schönheit und Reinheit. Bon der srüheren Dölsacher
Madonna des Meisters unterscheidet diese sich dadurch, daß wir
dort die fast jungfräuliche Lieblichkeit der jungen Mutter, hier
aber die geisterhaste Erscheinung dsr tiefernsten Himmelskönigin
sehen. Diese Auffassnng ist ebenso neu als imponierend und
erinnert etwas an die der Sisto, obwohl die beiden Frauen sonst
gar keine Ähnlichkeit miteinander haben.
—t. Grützner hat Anerbach's Keller angefangen, der ein
prächtiges Stimmungsbild werden dürfte, wenn es dereinst hält,
was es jetzt verspricht.
—t. München. Ein riesiges, Christus und die Ehebrecherin
darstellendes Bild hat Wolff, ein ehemaliger Schüler des Löfstz
und dann des Bouguerean, in Arbeit. Ebenjo originell kom-
poniert als mit einem hervorragenden koloristischen Talent gemalt,
wird dasselbe die Aufmerksamkeit dereinst in ungewöhnlichem
Maße in Anspruch nehmen, da der Künstler offenbar vollkommen
das Zeug hat, seine Aufgabe in fesselnder Weise durchzusühren.
An die parfümirte Süßlichkeit des französischen Akademikers er-
innert es freilich nicht, eher an Munkacsy's Bilder.
XMünchen. ProsessorW.Lindenschmitt, welcher sich die
rühmliche Aufgabe gestellt, das von seinem Vatcr unter den Hof-
gartenarkaden j. Z. gemalte Fresko „Sieg Ludwig des Reichen bei
Gingen", welches wie alle der dort ausgesührten Wandgemälde
viele Jahre in einem unserer Kunstmetropole unwürdigen Zu-
stande sich befand, in der vom Chemiker Ad. Keim hierselbst
erfundenen Mineraltechnik von Grund aus neu herzustellen, legt
nunmehr die letzte Hand an dieses Werk der Pietät. Der Meister
liefert damit thatsächlich den Beweis, nachdem er im Rathause
zu Memmingen diese Technik auf ihre Dauerhaftigkeit sowie Er-
giebigkeit nach jeder Seite der malerischen ?lnforderungen durch-
probt, daß sie für monumentale Zwecke von nun an als die
einzig anzuwendende sich herausgestellt. Obendrein ist für
den, der aus weiten Räumen, in großen Fvrmen und styl-
voller Anordnung seine Gedanken auszusprechen vermag, die
Keim'sche Technik eine sehr leicht zu bewältigende, da sie bei be-
quemlichster Haudhabung mit einfachen und geringen Mitteln
die bedeutendsten Wirkungen erzielt und wird somit die Aneig-
nung derselben für den dem Hohen sich zuwendenden Künstler zur
Unerläßlichkeit. Gleichzeitig fällt jene vft Vernvmmene, zur Be-
schönigung des Berfalles der monnmentalen Kunst erbrachte Ein-
wendung, daß nämlich ja alle Fresken von vornherein dem
Untergange geweiht seien und es gänzlich unnötig ist, für der-
gleichen Wagnisse Zeit, Mühe nnd Mittel zn vergeuden, total weg.
Fritz August Kaulbach ist jetzt, wofern ihn nicht
das edle Waidwerk, dem der Künstler mit Leib und Seele
ergeben ist, in den Bergen zurückhält, eifrig mit der Vollendung
eines reizvollen Genrebildes „Quartett" beschäftigt, welches vier
in einer Gartenlaube singende liebliche Mädchen darstellt. Schon
jetzt läßt sich erkennen, daß das „Quartett" zu den schönsten
Schöpfnngen dieses genialen Künstlers zu rechnen sein wird.
Niemand unter den Neueren weiß wie er eine keusche ideale
Erscheinung mit soviel plastischer und doch vomehmer Lebens-
wahrheit auszustatten. Auch in Vielseitigkeit des Darstellungs-
vermögens wird er kaum von Jemand übertroffen: Stift, Kreide,
Feder, Pastell, Gouache Öl, alle diese Techniken beherrscht er
meisterhaft. So sieht man don ihm in Pastellmanier aus-
gesührt jetzt in der neuen Münchener Kunsthandlung von P.
Kaeser einen iin Frühjahr d. I. zu Paris entstandenen weiblichen
Kopf von entzückender Anmut.
r' Carl von Piloty hat die Komposition des sür die
Nationalgallerie in Berlin ihm in Auftrag gegebenen Kolosjal-
bildes „Tod Alexanders des Großen" vollendet und beginnt
soeben die Untermalung. Todcsmatt liegt Alexander auf prunk-
vollem Bett, neben ihm steht Roxane, des Sterbenden Hand
ergreifend, zur ost'enen Thüre strömen die Kriegerscharen herein,
nm ihrem Feldherrn das letzte Lebewohl zn sagen. Der tragische
Moment ist lebendig erfaßt nnd in klaren Linien mit jcner
Charakteristik geschildert, die Piloty noch als Erbteil aus der
Kaulbach'schen Periode übernommen hat. Besonders das Antlitz
der Hauptsigur ist von bedeutender Wirkung.
»- Toby E. Rosenthal ist im Begriff, ein großes Bild
„Tanzstunde zur Zeit des Empire" zu vollenden. Jn
einem Rokokozimmer sind etwa 20 junge Mädchen versammelt,
um von einem köstlich geschilderten alten Tanzmeister in die
Geheimnisse des Menuetts eingeführt zu wcrden. Diese Fülle
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