Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 1.1885-1886

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I. Iabrgang. Left 2^

?5. Gktober;s55.


Unker besondrrrr Wikwirkung von Fr. Pechk, heransgegrbrn von der Verlagsnnflalt für Knnfl nnd Wiflrnlrlrnfk
_ vormnls Frirdrich Vruckmann in Wünchen.
.Tic Kimst s»r Allr" erschnnt i» halbnionatlichen Heften von ca. I'/, Bogen reich illustriertem Text und ca. i Bilderbeilagcn in Umschlag. Preis des Heftcs im
vuchhandel 00 Pf., durch die Post (Reichspostverzeichnis 14. Nachtr. 2916 e, bayer. Verzeichnis 986 a) 3 M. 60 Pf. sür das Bierteljahr (6 Hefte). — Jnserate die
viergespaltene dtonpareillezeile 30 Pf.

Dir Achrnüach-Feier in Düsscldarf.
Von L. von perscill.


m 29. Septrmber feierte der Altmeistcr dcr dcutschen Land-
schaftsmalcrei?lndreasAchc n b a ch in Dnsscldorf seinen
70. Gcbnrtstag nnd gleichzeitig sein 50jähriges Dienst-
jubilänm. Der 1815 in Kassel gcborne Meister, hat ron 182/^
bis 1835 die Düsseldorfcr Akadeniie besucht und bei
I. W. Schirmer, dem späteren Direktor der Karlsruher
Kunstschule, gelernt. Die fünfzigjährige Künstlerlanfbahn
des heute noch schaffensrüstigcn Meisters ist ein inhalt-
volles Stück deutscher Kunstgeschichte. Bcit Andrcas
Achenbach beginnt das Morgcnrot des Realismus
in Deutschland, die Betrachtung und Darstellung
der Natnr in ihrcr Wahrheit, um ihrer selbst willen.
Jn der eigenen Naturerkenntnis, für welche ins-
besondere eine 1835 mit seinem Vater, dcr Kauf-
mann war, unternommene Reise nach Skandinavien,
auf der er auch die Nordsee zum erstenmale sah,
bedentnngsvoll war und in wcitcrer Linie im gründ-
lichen Studium eines Ruysdael, van Everdingeu
und Hobbema, fand Andreas Achenbach den damals
noch neuen Kunstpfad in einer Zcit, da namentlich in
Düsseldorf die Romantik die Landschaftsmalcrei aus-
schließlich beherrschte. Lange ging er seinen Weg ziemlich
einsam. Wenn auch schon im Beginne seiner Lanfbahn
ihm für die Kühnheit seiner Auffassnng, den Neichtnm
sciner Gestaltungskrast die Bewunderung der Mitstrebenden gezollt
wurde, so wagte es doch zunächst noch niemand seinen Pfaden
nachzuwandeln. Die romantische Auffassung der Natur als eincs
toten Jnstrumentes, dem erst dic menschlicheu Empstndungen und
Gefühle Lebeu einhaucheu, herrschte noch lange vor und sie hat
gerade in Düsseldorf Achenbach auf seinem ganzen Künstterwege
bis uahe au die Gegenwart begleitet. Die geistige Anschauung mußte natnrgemäß auch ans dcn tcchnischeu
Ausdruck ihrc Rückwirkungen haben und auch hier boten die Niederländer einen Anstoß, der aber doch die
Selbstäudigkeit nicht behindcrte. Die Schirmer'sche Betrachtung des Landschaftbildes, welche der peinlichen Sorg-
fatt iu der Durchführuug der zeichuerischen Elemente den obersten Platz eiuräumte und der Farbe, obwohl sie
von Schirmer für jene Zeit sehr lebhafte Berücksichtigung sand, doch nur einc zweite Stelluug gewährte,
mußte aufgegeben werden; das gerade für die Landschaft so bedeutungsvollc Recht der Farbe wurde von

Andreas Achrnbach.
Nach einer Naturaufnabme von Fr. Haarstick.

Die Aunst sür Alle I.
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