Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 1.1885-1886

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Die serstörung Roms

Aleliernotizen — personalnackrickten

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ausgesetzt, daß man die hauptsächlichsten
Kunstdenkmale jeden Stiles schone.
Rom ist nicht eine monumental-
historische Stadt, wie dies Venedig, Siena,
Nürnberg, Ilugsburg und Amsterdam sind;
es hat aufgehört dies zu sein, seitdem das
Christentum das Heidentuin überwand.
Seit jener Epoche ist Rom nichts mehr
als ein Museum von Andenken an Fa-
milien, welche ihre Herrschaft auf die
Stadt ausgeübt.
Die gegenwärtige Bertretung im
Herzen deS Muuizipalrates von Persvn-
lichkeiten wie der Archnvlog de Rossi, der
Maler Mariani und Architekt Azzurri ge-
wiihrt uns völlige Garantie, dajs man
keineu Bandalismus begehen wird gegen
solche Denkmäler, welche der Ausbewahr-
ung würdig sind.
Ein für allemal: die Fremdeu würdeu
gut thun, dieser verletzenden Bevormun-
duug gegen die Jtaliener sich zu enthalten,
da sie überzeugr sein kvnnen, dast es hier
genügend kompetente Personen gibt, welche
i'elbst wissen, was man vemichten oder
schoneu niuß.
Jch habe die Ehre.
Emil Löwenthal.
Da nun aber gerade merkwür-
digerweise Rvm von aiken Nationen
als die am meisten monumental-
historische Stadt angesehen wird, wenn
das auch nicht die Ansicht des Herrn
Löwenthal ist, so ändert das an der
Sache selbst rein gar nichts — da
weiterhin aber gar keine Garantien
existieren, daß dem Vandalismus in
Rom von der gegenwärtigen Vertre-
tung im Herzen des Munizipalrates
Einhalt geboten werde, da weiterhin,
wenn auch nicht den Bailspekulanten in
Rom, so doch der übrigen Welt, deren
Besuch übrigens für die Einwohner
der ewigen Stadt eine Lebensfrage
ift, sehr viel daran liegt, das monu-
mental-historische Rom als solches er-
halten zu wisfen. so hätte die „Künstlerwelt" besser gethan,
dieses Schriftstück nicht vom Stapel zu lassen. Ob nun die
in deniselben vertretenc „Künstlerwelt" Sinn für die künst-
lerische Schvnheit Roms hat oder nicht, wäre an sich völlig
gleichgültig; nber durchaus nicht gleichgültig ist, daß sich nun-
mehr der brutale Vaudalismus in seinem weiteren Vor-
gehen und für seine künstigeu Verheerungen am die bei-
füllige Zustimniung dieser „Künstlerwelt" berufe» kann
und wird. _ Richard Paul
Melier-Nolizen
v. Düsseldors. Von Arthur Kampf, einem 23jährigen
jungeu Mann, Schnler von Prof. W. Janssen, ist zur Zeit ein
Bild, das erste des Künstlers, in der Düssekdorfer Kunsthalle aus-
gestellt, „Die letzte Aussage" betitelt. Wennesauchnicht mit solchem
laut klimpernden Beiwerk auflritt, wie seinerzeit die Wereschagin'schen
Bilder, so wird es doch mindestens ebenso durchschlagend in der Wirkung
sein wie jene, da — während sie die himmelschreienden Gräuel
des Krieges schilderten, — dieses Bild das nicht minder große,
aber fortwährend und allerorten wütende Metzeln des wzialen
Elends iu einer nüt schonungslos packender Wahrheit dargestellten
Episode zur Auschauuiig bringt. Eine wahre und tiefe Empfin-
dung, ein strenges, liebevolles Naturstudium, eine bereits hoch-
entwickelte Fertigkeit in der malerischen Technik, eine markige Vor-
tragsweise voll packender und erschütternder Überzeugungskraft

Aus A. v. lverners Skizzenbuch
und „vor allem — trotz einiger Anlehnung — eine küustlerische
Jndividualitttt, die sich nicht in der Nachahmung eines Meiskers
und der Wiederholnng des tausendfach schon dageweseneu befrie-
digen mag", lassen dem vielversprechenden Talente, wenn auch
nicht ohne harten Kampf gegen den Felsen dünkelhafter Spieß-
bürgerlichkeit, eine bedeutende Zukunft prophezeien.
** Die Kuppelausschmückung der Trinitatkirche zu
Berlin (in welcher Schleiermacher jahrelang seine berühmten
Predigten hielt) durch den durch seine Projekte für das dortige
Rathaus-Treppenhaus bekannt gewordenen Maler Mühlenbruch
rechtfertigt vollkommen die Erwartungeu, die man von dem Ta-
leut des hervorragend begabten jungen Künstlers hegte. Dagegen
ist derselbe von der Ausmalung der Kuppel des Festraumes des
Landesausstellungspalastes zurückgetreten. Tie Ausführung der
Deckengemälde ist iiunmehr dem Maler Woldemar Friedrich
übertragen.
js. Bieleseld. Die künstlerische?lusschmiickung der großen
Aula des biesigen Gymnasiums ist durch Verfügung vom k. Kul-
tusministerium dem Professor Ernst Hildebrand in Berlin
übertrageu worden; als Gegeustand für den Fries ist das Leben
Luthers, sür zwei größere Gemälde Szenen aus der branden-
burgisch-preußischen Geschichte in's Auge gefaßt.

Personalnachrichten
** Berlin. Die Maler H. Baisch in Karlsruhe, O. v.
Kameke in Berlin, L. Loefftz und A. Zimmermann iu
München, F. Leighton und Millais iu London sowie der
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