Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 1.1885-1886

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Aiisstelliiiigeii Zainmlungcn :e. — Denkmäler — vermischte riachrichten 261

Ausstellukkgrir, ^ummlungen rtr.
V. V. Wien. (Kiiiisl lerlia US!. Wir liabennun auch einen
Aquarellistenklub, welchrr, auS der Genossenschafl hervor-
gegangen, bereitS eine stattliche Anzahl vou Mitgliedern und
Amateurs aufiveist. Altiueister Rudo ls All ist Vorstand, Lud-
w ig Haus F- i s ch e r.dessen Itelloerlreter. Die erste AuSstellung
des KlubS ist vorlresflich auSgesallen uud hat die Kauflust in
einer Weise angeregt, daß bereits die meisten Blätter ihre Lieb-
haber gefunden haben. Unter deu 200 Numinerii des hübsch
illustrierten Katalogs finden sich vor allein Prachtblätter von
Passini und Alt; daun eine Reihe von au-:-gezeichneten Nummern,
welche die Signatur von Lichtenfels, Zchönn, Schaeffer,
Griepenkerl, Trenkwald, Nvwopacki) tragen. Unter den
jiingeren Malern haben sich insbesondere Ludwig Hans
Fischer, Darnaul, Bernaliik, Charlemont, Ielsche
hervorgethan. Der Prager Hans Schwaiger briugt 4lben-
teuerlich-Spukhaftes, wie es die alten Holzschnitte lieben. Der
Miiuchener Sieger das Jnnere einer Tiroler Alpenhiitle. Bon
unserem berühmten Landschafter Robert Ruh sinü nur Bleistift-
zeichnungen, aber voll Stimmung und Leben: der Kostümier
Fux vom Burgtheater bringt belehrende Kostümstudieii.
Fröschl und Trenlin vertreten daS Pastell mit Glück: der
erstere kraftig und keck, der zweile mil einein feinen inleressanten
Zuge. Charles Wilda, ein junger Wiener, der nicht umsonst
in Paris gewese» ist, stellt hier zum ersten Male aus; er bielel
ein modernes Frauenbildnis, aber ehrlich und solid gemacht.
Unter den Landschaftern haben der schwermütige, nachdenkliche
Lichtenfels und der frische, frohe, unbeküininerle L. H. Fischer
die Führung; dcs Letzleren orientalische Wandermappe scheint
unerschöpflich, diesmal besonders an korfiotischen Motiven. Trenk-
walds italienische Naturstudien sind in Künstlerkreisen berühmte
Blätter. Es wäre unbillig, wenn wir zum Schlusse trefjlicher
Leistungen von Michalek, Greil, Pituer, Seelos, van
Haanen, Petrovics nicht gedenken würden. — Der iminer-
glückliche Altmünchener Maler Karl Spiyweg, einer jener
liebenswürdigen Spezialisten der alten, guten, intimen Zeit, die
man nie genug geuießen kann, weil sie einem immer wahre
Herzensfreude machen, ist in einem Pavillon des KünstlerhauseS
zu den Ehren einer jener Sonderstellungen gekommen, welchs nur
heimgegangenen Künstlern zu Teil wirü. Wien kannte diesen
Mi'mchener, der in seinem stillen Malerheim, drei Treppen hoch
am Heumarkt, viele Jahre lang an der Staffelei arbeitete, ohne
sich viel nm die Well, um ihren Larm und Ruhm zu kümmern,
nur bruchstückweise. Heute lernt es ihn ganz kennen aus seiner
Ausstellung, nnd waS Keuner, Liebhaber und Bilderfeinschmecker
schon lange wußlen, weiß heute alle Welt in Wien, die sich für
Knnst interessierl, daß nämlich Karl Ipitzweg einerder erquickendsten,
herzersreuendsten Maler gewesen, ein Maler-Humorist ohne
Bitterkeit, der dem Kleinleben seine heitersten Momente abzu-
lauschen wußte und in dessen Bildern ein ächtes Stück deutscher
Kunst fortlebe» wird.
vm. Die Ausstellung der Grosvenor-Galerie in London hat
ein recht erfreuliches Resultai ergeben. Ohne gerade Sensations-
stücke wie im vorigen Jahr Mitchells „Hnpatia" zu enthalten, bringt
sie doch von Burne-Jones, Richmond, Mitchell, Hill,
Tadema und dem hierfehr glücklich debntierenden jungen Maler
Shannon eiue ganze Reihe beachtenSwerter Leistungen, iiber welche
freilich wohl sämtlich AltmeisterWattS mit seiner „Hoffnung" den
Sieg davon trägt.
vm. Jn der Londoner KunstauSstellung der Kgl. Akademie
konnten von 9000 eingesandten nur 1925 Werke Aufnahme finden.
Besonders gul vertreteu sind Porirät und Landschaft.
ss Ernst Zimmermanns Bild: „Musikunterricht" wurdc
in Dresden für die dortige Galerie angekauft.
viu. Zu der Wiener Skizzen - Ausstellung zum
Besten der Verunglückten von Stryj und Lisko hatte
der Wohlthätigkeitssinn der Künstler in reicher Weise beigesteuert.
Die Auktion der eingelieferten Kuusiblätter ergab dementsprecheud
an den beiden ersten Tagen (27. und 28. Mai schon den ansehn-
lichen Erlös von 6761 sl.

Denkmälrr
vm. Professor Lenz in Nürnberg ist von einem F-ranksurter
Patrioten mit der Neuherstellung des ehemalS steinernen Brunnens
äuf dem Römerberg in Frankfurt, welcher vor sinigen Jahren
seines bedenklichen Zustrndes wegen abgebrochen werden mußte,

in Erzguß beauftragt worden. Diefer historische Brunnen, aus
dem ehemals bei den Kaiserwahlen Wein stall Wrsser hervor-
sprudelte, hat eine Gesamthöhe von -t m. Auf dem mit Reliefs
verzierten Unterbau erhebt sich eine Slatue der Gerechligkeit mit
Wage und Schwert in den Händen.
viu. F-rie dls Kolosialgruppe „Der Tag" soll nunmehr
in Wien nach ihrem Bestinimnngsvrte, dem Ziererhof, transportiert
werden. Der Künstler legt in derselben einen neuen schönen
Beweis seiner bereits durch seine Arbeiten für die Wiener Museen
und die Theater in Briinn und Temesvar, sowie die Pegasus-
gruppe sür das Augsburger Theater bekundeteu Begabung ab.

Vermischte Nachrichten
vm. Einen vorzüglichen Rubens hat der auch als guter
Kunstkenner bekannte Ihakespeare-Rezitator Hermann Linde
in Amerika entdeckt nud erworben. Das nur 1 m in der Breite
und ff, m in der Höhe messende Werk, deffen Echtheit der auf diesem
Gebieie speziell als kompetenl geltende „Nieuwe Rotterdamsche
Courant" außer Frage stellt, bringt die Szene wie Herodias das
Haupt Johannis des TänferS ihrcm Vater reicht, zur Darstellung.
Herodes siyt mit seiuer Gemahlin unter einem Thronhimmel an
der Tasel, seine Tochter steht mit der halbverdeckten Schüssel, in
welcher das Haupl JohanneS ruht, vor ihm. Zeichnung und
Kolorit des Bildes sind vollendet; ein besonderer Wert liegt noch
dariu, daß verschiedene Figuren interessante Porträts sind. So ist
z. B. Herodes als Rubens selbst zu erkennen. Die Gemahlin
des Herodes ist Helene Fourment, die zweite Frau von Rubens.
Die Züge der Gäste erinnern an große ilalienische Maler: Palma
isl deuilich zu erkenuen, ebenso Tizian und Michel Angelo; übrigens
sind andere Einzelnheilen des Bildes Nachklänge an Ruben's
Studien-Ülusenthalt in Jtalien. Das Porlrät der Helena Fourment
beweist, daß das Gemälde erst nach dem Jahre 1630 entstanden
sein kann, es scheint in des Meisters dritte Periode zu gehören.
Daß Rubens den Gegenstand ursprüuglich in dieser genialen
Weise behandelt hatte, war schon durch den Stich von Boetius-
Bolswert bekannt. Das Museum zu Wümar besitzt eine Zeich-
nung, und eine Kopie ist in Christiansborg zu finüen. Jn der
von Joach. v. Sandrat in Nürnberg 1675 herausgegebenen „Akle
der deutschen Bau-, Bildner- und M.ilerkuust" findel sich eine
genaue Beschreibung des damals im Nilich'schrn Kabinett befind-
lichen Gemäldes. Eigentümliche Schicksale hat dasselbe durch-
gemacht. Durch Erbschaft gelangte das Bild in die Hände eines
französischen Händlers, der es an eiue amerikanische Kompaguie
zu Ausstellungszwecken für den fabelhaften Preis von 250,000
Dollars (incl. Stener und Frachts verkaufle. Als das Bild in
Amerika anlangte, hatle die Kompagnie inzwischen Falit gemacht,
und das Bild qing für einen viel geringeren Preis in den Besitz
eines Rheders über, von dem Herr Linde es vor mehreren
Jahren für zwei Anteile Silberbergwerke (im Werte von 35,000
Dollars), zwei echle Taselaufsätze Bevenuto Cellinis und einige
französische Genrebilder im Werte von 20,000 Thalern erstand.
Von Amsterdam sind Herrn Linde schou über 100,000 Gulden
dafiir geboten, doch will er sich vorläufig noch nicht von seinem
Schay irennen. Eine genaue Beschreibung des Bildes brachte
die Leipziger Musik- und Kunstzeitung (Nr. 10), einen guten
Schritt darnach die Leipziger Jll. Zeitung in Nr. 2238.
vm. Königin Olga von Württemberg hat dem Stutt-
garter Verein zur Förderung der Kunst wiederum 10,000 Mk.
überwiesen, welche den Fonds für den Eugenbrunnen au-
35,000 Mk. vermehren. Das Modell für deu letzteren hat augenf
blicklich Architekt Rieth, der Schöpfer des Entivurfs, iii^Arbeit.
vm. Für das Landesausschnß-Gebüude iu Straß-
burg wurde eine Konkurrenz auSgeschrieben, bei der vier Ver-
treter der Regierung, sechs Mitglieder dsr Landesausschuß-
Kommission und die Architeklen Petiti uud Ialomon in
Straßburg, Oberbaurat v. Leins iu Ituttgart und Geh. Baurat
Prosessor Raschdorff iu Berlin als Preisrichter fungieren werden.
Die 3 beslen Entwürfe werden mit 4000, 2000 und 1000 Mk.
prämiiert werden. Zur Aussührung, welche mit dem im italienischen
Renaiffancestil erbauten Kaiserpalast in Einklang zu bringen ist,
stehen 650,000 Mk. zur Verfügung. Das Bauterrain umfaßt
6060 gm mit 61 m Frontlänge am Kaiserplatz.
vm. Jn Wiener Künstlerkreisen einigt man sich immer be-
stimmter dahin, die für 1887 geplante internationale Kunstaus-
stellung um ein Jahr zu verschieben, da sich eine allgemeine Un-
zusriedenheit mit dem gegenwärtigen Stande der Kunst und des
Kunstinteresses dort geltend macht. Jnzwischen will man dem
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