Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 1.1885-1886

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I. Iabrgang. Lert 15

r. April. rzsö



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_ vormals 5riedrich Bruchmann in Wünchen

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Rudwig Vassmi
oder die alte und die moderne Nunit.
Bon Lr. pecht


^inen nngeheuren Vorteil hal die Malerei der Alten
^ vor jener der Neueren ganz gewiß voraus: daß
fast alle die vielen schlechten Bilder, die auch sie ver-
brochen hat, längst untergegangen sind, während die
der Neueren uns sortwährend den Gennß an den guten
verderben. Denn was wir in den Galerien jetzt noch
von der alten Malerei sehen, das ist höchstens der
zehnte Teil von dem, was nberhaupt gemalt ward; es
ist die höchste und feinste Blüte einer ungeheuren Pro-
duktion. Man braucht ja nur die alten Malbücher und
Znnftregister zu lesen, nm Hunderte von Künstlernamen
zn sinden, von deren Schöpfungen sich absolut nichts
erhalten hat. Denn natürlich wurden die Werke der
berühmtesten Künstler auch damals mit einer Sorgsalt
behandelt, die den anderen, die es nicht zu Rnf ge-
bracht, nie erwiesen ward. Sie gingen also mit einer
Schnelligkeit zu Grnnde, die man nur beurteilen kann,
wenn man einmal näher zusieht, wie sich die Pro-
duktion der ersten Hälste unseres Jahrhunderts bereits
jetzt verloren hat, so daß man die Werke selbst
ziemlich bekannter Maler ost ganz vergeblich sucht und
höchstens gelegentlich bei einem Trödler eines derselben
sindet.
Dieser unanshörliche Vernichtungsprozeß, der in
Zeilen, wie die der Bilderstürmerei, des dreißigjährigen
oder siebenjährigen Kriegs, der Revolntionsperiode na-
rürlich noch ungleich rascher vor sich ging, er hat bei
den glücklichen Alten die Spreu schon vollständig vom
Weizen gesonderl und so beslaunen wir jetzt am Rest
Ludwig Passini eine technische Vollkommenheit, die doch auch damals
nur eine glänzende Ausnahme war.
Die Frage ist also nur: werden jetzt auch Bilder gemalt, die Aussicht haben, ewig sortzuleben?
Natürlich so weit davon bei Bildern überhaupt die Rede sein kann, besonders bei unserem Leichtsinn in Bezug
aus Verwendung von allem möglichen unerprobten Material. Stellt man nun die Frage so, wie man doch
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