Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 1.1885-1886

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N,8 Modcrne Uunst. von F r. Pecht — Personalnachrichten — Ausstellungen, Sammlungen rc. — Denkmäler :c.

Bräutigam scheint von seinen eben erworbenen Rechten aus-
giebigen Gebrauch niachen zu wollen, während hinter ihm
bereits sein Beispiel ansteckend gewirkt und ein neues Ver-
löbnis zu Stande gebracht zu haben scheint. Köstlich ist
die Darstellung der verschiedenen alten Philistcr, von denen
der hinter dem Pfarrer stehende ein Prachtexemplar ist das
sein Geld gewiß nie anders als zu hnndert Prozent ans-
leiht. Die am andern Ende spielenden Musikanten sind nicht
weniger gut der Natur abgestohlen. Überall aber, am
Hausrat nicht weniger als am Benehmen der Menschen,
sieht man die Wirknngen einer dreitausendjührigen Zivili-
sation, die dem Ganzen wohl einen etwas abgetebten
Charakter aufdrückt, aber keine Spur von urwüchsigem Bar-
barentum, weder von seiner Roheit noch von seiner
frischen Kraft zeigt. Welteroberer waren die Ahnen dieser
wohl einmal, sie selber dürften es aber schwerlich je wieder
werden, wenn man auch vom unverlierbaren Adel der Rasse
wenigstens b.ei den Frauen noch deutliche Spuren sindet.
Personlllnachrichten
?. Feuerbachs für die Decke des plastischen Museums der
Akademie der bildendm Kiinste in Wien bestimmter „Titanensturz"
ist bis jetzt noch immer nicht an den Ort seiner Bestimmung ge-
bracht, weil die dazu gehörigen Seitenbilder vom Künstler nur
in den ersten Skizzen vorlagen. Jkunmehr ist ein Schüler des
grosten Künstlers, der seit mehreren „Jahren in Paris lebende
Histonenmaler Hynais, ein geborner Lsterreicher, nüt der Weiter-
führung der Arbeiten betraiit worden.
/. Kardinal vr. Ludwig Hapndel hat daS von ihm ge-
stiftete Stipendium sür kirchliche Malerei nach Vorichlag der
Direktion der ungarischen Gesellschast für bildende Kunst auf die
nächsten drei Jahre dem Benczur-Schüler Ladislaus Kimnach
verliehen.
/. Der Professor an der Kunstakademie zu Slockholm,
Frithj of K jellberg. — Professor Niels Simonsen, einer der
berühmtesten dänischen Maler, im Alter von 78 Jahren: er war
Ehrenmitglied der Akademien von Stockholm und München. —
Historienmaler Frin Schneider. srüher in Tüsseldorf und München)
im besten ManneSalter zu Heilbronn.
7. Jn Brüssel ist Charles Goethals im Alter von 32
Jahren durch einen plötzlichen Tod einer, wie es schien, sich für
ihn glänzend gestaltenden Laufbahn entrissen worden. Die Re-
giening, welche ihn im vorigen Jahre nach Frankreich und Jtalien
zum Studium der dekoraliven Kunst gesandt hatte, wollte ihm ein
einflußreicheS Lehramt übertragen. Seiu letztes Werk: „das Ende
eines TagewerkeS" war sehr beistillig aiifgenommen.
Nusstrllmkgen, Sammlungrn rlr.
7. Vor Jahresfrist schenkte Herr Kestner, der Sohn von
Goethes Lotte, der Stadt H annover seine übcr cine halbe Million
Mark gewertete Sammlungen und dazu in bar 100,000 Mark
mit der Bedingung, dast die Sladt ein Museum sür die Auf-
bewahrung dieser seltenen Schätze errichte. Die Stadt nahm das
grostherzige Geschenk mit freudigem Danke enkgegen und bewilligte
dazu den Beitrag von 150,000 Mk., um ein dem ausgesprochenen
Zwecke würdiges uud stattiiches Bauwerk herzustellen. Pon den dazu
eingelausenen Entivürfen ivurdeu die zwei besten mit Preisen aus-
gezeichnet, deren erster Prof. Stier in Hannover zucrkannt, dabei
zugleich aber von der Jury der Ankauf des ProjektS von Macklot
aus Stutlgart empfohlen wurde. Mit nächstem soll zwischen den
beiden Plänen endgiltig entschieden werden. DaS Gebäude wird
in den Anlagen des Friedrichwalles, eiuer der schönsten Partien
der Stadt, errichtet werden. .
7 Der Berwaltungsrat der Eniou centcale äes arts ckecoratiks
in Paris hat jüngst besümmte Beschlüsse bezüglich der geplanten
Errichtung eines ständigen Museums im ehemaligcn Gebäude des
Rechnungshofes gefaßt. Von dem Ertrage der hiersür veran-
stalteten Lotterie werden 3 Millionen Francs sür passende Wieder-
herstellung des niedergebrannten Palastes ausreichen, so dast die
übrigen 2 Millionen zur Vermehrung der Sammlungen alter
Kunstgegenstände der Önion centrale verwendbar sind. Mit den
Wiederherstellungsarbeiten soll schon im April begonnen werden.
V. V. Berlin. Zur Ausmalung deS Treppenhauses deS Berliner

Rathauses ist eine Reihe von Konkurrenzentwürfen eingegangen,
die vom 11. bis 23. dieseS Monats im Rathause zur össentlichen
Ausstellung gelangen werden.
7- Das Geschenk von sechs Bildern für das Museum des
Louvre hat sich als höchst fragwürdig herausgestellt, da das
MuseumS Konservatorium nach genauer Prüsung drei dieser Ge-
niälde alS einer össentlichen Sammlung unwürdig zurückgewiesen,
die übrigen vorläufig zwar angenommen, aber die Bedingung,
dast man ihre Herkunst feststelle und ihnen einen bevorzugten Platz
anweise, verworsen hat.
6. V. Berlin. Für die im Frühjahr bevorstehende inter-
nationale KunstauSstellung hat der Senat der kgl. Akademie der
K ünstc eine besondere Kommission zur Vorbereitung einer Abteilung
für „dekoratioe Künste" ernannt. Die genannte Kommission, be-
stehend auS deu Herren Baurat Heydeu, Graf Seckeudorss,
Prof. 11,. Julius Lessing, Pros. Ewald und Direktor Or.
Dohme ninimt etwaige Meldungen über geekgnete Schöpfungen
der lepten 20 Jahre in Edelmetall, Eisen, Porzellan und Thon-
gut entgegen.

Drnkmäler rkr.
o. V. Berlin. Der Bildhauer Ludwig Brunow in
Berlin ist mit der IluSführung des Deukmals, welches die Unter-
thanen des Grostherzogtums Mecklenburg-Schweriu ihrem ver-
storbenen Grostherzog Friedrich Franz II. in Schwerin zu
crrichten beabsichtigeu, beauftragt worden. Das von Brunow an-
gefertigte Modell zeigt eineu ovalen Sockel, aus dessen 4 vor-
spriugcndeu Ecken je eine münnliche allegorische Figur, darstellend
4 Herrschertugenden: Glauben, Kraft, Gerechtigkeit und Weisheit,
angebracht ist. Jn der Mitte des Denkmals erhebt sich die Reiter-
statue des Fürsten, welche im Maßstab von l^ Lebensgröste
in Bronze ausgeführt werden soll. An den Längsseiten des Sockels
befinden sich zwei Reliefs, darstellend den Einzug des GroßherzogS
an der Spitze seiner Truppen in Schwerin im Jahre 1871 und
auf der audern Seite die Einweihung des unter Friedrich Franz II.
errichteten Ilniversitätsgebäudes der Ztadt Rostock.
7. Dem Bildhauer Jules Dalon ist das Monument für
Eugen Delacroix iibertragen worden. Die Büste des gefeierten
Malers soll einer auf einem Sockel von drei Stufen erhöhten
Pyramide zum krönenden Abschluß dienen. Die drei diese um-
gebenden Figuren werden symbolisieren ack 1, die Anstrengung und
ack 2, die Zeit, als welche notwendig gewesen sind, um den grosten
Maler zur allgemeinen Bewunderung gelangen zu lassen. Die
letztere unterstützt übrigens noch den Arm der Gerechtigkeit, die
eine Krone gegen die Büste ausstreckt, Auf Len Stufen des
Postamentes macht der Genius die Gebärde des Ilpplaudierens.
sEntsetzlicher Schwulst!)
7 Alexandre Pezieux ist mit der Statue der Jeanne
d'Arc beauftragt worden, welche in Rouen vor der Fassade des
neuen Justizpalastes ausgestellt wcrden soll.
O. V. Berlin. Die Aufslellung des von Professor
Calandrelli ausgeführteu Reiterdenkmals Friedrich
Wilhelm IV. auf der Freitreppe der Nationalgalerie, der
Liebliiigsschöpfung des KönigS, stcht nunmehr trotz aller gegen
diesen seltsamen Standpunkt ausgesprochenen Bedenken unmittel-
bar bevor. Hoch oben auf der Plattform einer Treppe, die von
Niemanden betreten wird, in einer Höhe, welche dic Porträt-
wirkung der Statue filr den untenstehenden Beschauer unmöglich
macht, kann das Denknial mithin nur eine rein dekorative Be-
deutung haben, Wie bei allen hochaufgestellten Reitcrstatuen
wird man also wieder einmal den vollen Anblick eines mächtigen
Pserdebauches haben, von den Zügen des Königs aber so gut
wie nichts erkcnnen. Dast man hier von den ewig mustergiltigen
Beispielen der auf niedrigem Sockel ausgestellten Neiterstatuen
Marc IlurelS auf dem Kapitol, Heinrichs IV. auf dem Pont Neus
zu Paris und des grosten Kursürsten auf der langen Brücke zu
Berlin absieht, muß entschieden bedauert werden. Noch in letzter
Stunde schicn es möglich die Aufstellnng auf der Freitrcppe zu ver-
hindern. Der Treppenbau zeigte, wie die Umfangsmauem der
Nationalgalerie überhaupt, dcrartige klaffende Brüche in seinen
Sandsteinquadern, daß man dem auf sumpfigeur Baugrunde er-
richteten Treppenbau die rund 2000 Zentuer betragende Last deS
Tenkmals nicht zutrauen zu können glaubte. Die von zustttndiger
bautechnischer Seite neuerdings angestellten Untersuchungen habeu
sich indesseu für die Möglichkeit der Ilufstellung ausgesprochen,
Für die Enthüllung ist die Zcit der Eröffnung der internationalen
Kunstausstellung, also der Monat Mai, in dlussicht genommen.
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