Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 3./​4.1921/​22

Page: 326
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Künstlermensch Thoma sein Evangelium der deutschen Scholle
offenbart, und dann noch die geistig hervorragenden Bildnisse,
die auch den philosophierenden großen Maler zu Worte kommen
lassen.

Adolph Donath.

Die iDeimat?i{ebe Ct?anacb‘Heicbtaung.

Zur Veröffentlichung der im Besitze der Freien Deutschen
Künstlerschaft in Berlin, Bendlerstraße 11, befindlichen Radierung
nach Cranach, schreibt uns Dr. Schenk zu Schweinsberg
vom Museum in Weimar: Die im 2. Februar-Heft des Kunstwande-
rers, S. 275 abgebildete und S. 283 besprochene Radierung gibt
allerdings eine Cranachzeichnung der weimarischen Sammlung
wieder, die aber zum Glück nicht verschollen und auch als
Nr. 4 in der zweiten Reihe der Prestel-Veröffentlichung enthalten
ist. Die Radierung selbst entstammt einer Reihe von 14 Cranach-
wiedergaben, die bei dem Stecher W. Miiller in Weimar 1851
gedruckt sind. Was dieser in Weimar und Eisenach selbst errei-

chen konnte, hat er aucli selbst gestochen, nur drei Madonnen,
davon eine aus der Pinakothek, sind von Walde und Friedrich ge-
arbeitet.

Die Gemälde hat er sich von anderer Hand in Zeichnung
iibersetzen lassen, und zwar von Friedrich Preller und Sixt Thon.
Prellers Umzeichnung zu dem hier abgebildeten reizvollen Blatt
liegt im Kupferstichkabinett des Weimarer Museums. Das Cranach-
sclie Bild von 1530, aus dem es einen Ausschnitt wiedergibt, war
1851 in Christian Schuchardts Besitz in Weimar. (Vgl. dessen
Lukas Cranach des Aelteren Leben und Werke. 2. Teil, Nr. 420);
Flechsig erwähnt es nicht: iiber seinen Verbleib scheint also nichts
bekannt.

Abgesehen von den Diensten, die das Blatt für eine Identi-
fizierung leisten kann, ist es als Cranachkopie des Odyssee-
Prellers ein amiisantes kunsthistorisches Dokument.

S c h e n k z u Sehweinsberg.

Im Mschattasaal des Kaiser Friedrich-Museums
in Berlin ist jetzt persische Keramik nebst anderen Bei-
spielen persischer Kleinkunst aus dem Besitz des Studiendirektors

Dr. Draeger zu sehen. Dem Katalog der Ausstellung, deren
einzelne Stücke von E. K ü h n e 1 beschrieben werden, stellt
Professor Dr. Friedrich Sarre, der Direktor der Islamischen
Abteilung, folgende einleitende Worte voran: Herr Studien-
direktor Dr. Richard Draeger, der ehemalige Leiter der Deutsch-
Persischen Höheren Lehranstalt in Teheran, hat seine Sammlung
mittelalterlicher persischer Keramik und andere Beispiele per-
sischer Kunst der Islamischen Abteilung der Staatlichen Museen
zeitweilig zu leihweiser Aufstellung überlassen. Während eines
zwölfjährigen und erst nach Beendigung des Weltkrieges ab-
gebrochenen Aufenthaltes in Persien ist es Herrn Dr. Draeger
mit großem Geschick und mit feinem künstlerischen Verständnis
gelungen, eine vorzügliche Auswahl von aus Ausgrabungen
stammenden Kunsttöpfereien zusammenzubringen. Die Draeger-
sche Sammlung bildet eine willkommene Ergänzung des reich-
haltigen Museumsbesitzes dieser Art; sie enthält neben charak-
teristischen Beispielen der verschiedenen bekannten Gattungen
einige ganz hervorragende Stücke, wie sie in gleicher Qualität
selten bisher nach Europa gelangt sind. Der Entschluß des Be-
sitzers, seine mit großer Mühe unter schwierigsten Verhältnissen
heimgebrachten Schätze für einige Zeit der Öffentlichkeit zu-
gänglich zu machen, ist mit ganz besonderem Dank zu begrüßen.

*

Das Kunstgewerbe-Museum in Frankfurta. M.
veranstaltet vom 12. März bis 9. April eine Gedächtnis-Ausstellung
für die kürzlich frühverstorbene Buchbindermeisferin Dora T h o r-
m ä h 1 e n.

Kunftausfteltungeru

Anläßlich der Thoma-Ausstellung in der Nationalgalerie
zeigt die Kunsthandlung Konrad Zimmermann das graphische
Werk des Meisters. Schöne und seltene Drucke — Radierungen
und Lithographien — sind hier mit klugem, sorgfältig abwägendem
Sinn zur Schau gestellt. Diese Ausstellung ergänzt vorzüglich
die Ausstellung der Nationalgalerie.

Bei Schulte hängen Landschaften, Stilleben und Tier-
stücke von Philipp F r a n k. Der 67jährige ist noch vorwärts-
gekommen, scheint sich von Liebermann freigemacht zu haben.
Seine Tiere sind temperamentvol! gesehen und erfaßt, seine
Blumen (siehe die Malven) in ihrer koloristischen Üppigkeit
plastisch.

In der Galerie Möller sieht man Ludwig Meidners
Köpfe. Etwas robuste, aufgequoliene Köpfe. Aber man hat doch
immer das Gefühl, daß hinter diesen Schwarz-Weiß-Blättern eine
von jenen wenigen ganz sicheren Porträtistenhänden sitzt. Die
Öistücke Meidners sind „hingehaut“, haben so etwas wie ge-
nialischen Schmiß.

Bei Dr. Goldschmidt - Dr. Wallerstein liegen
Blätter der Malerin Weißgerber-Pohl aus: sehr lebhaft-
spitzige Ausschnitte aus Prag und aus Stockholm, zum Teil reiz-
voll in der Farbe, zum Teil amüsant als graphische Glossen zum
Thema: Straßenleben. Jedenfalls steckt hier unvergleichlich
mehr Malertum als in den Holzpuppen-Anstreichereien C z o b e 1 s.
Auch Heckel wirkt diesmal nicht gerade erfreulich. Diese
höchst primitive Art primitiv-dekorativer Landschaftsmalerei ist
fast kulturlos. d.

Im Kunstantiquariat J. Neumark findet man jetzt Arbeiten
von Menzel, die schon lange nicht im Handel gewesen sind:
die Radier-Versuche (6 Blätter), die 1844 bei L. Sachse & Cie.
herauskamen, und dann die Versuche auf Stein mit Pinsel und
Schabeisen. Von letzterer Publikation (bei Karl Meder, Berlin
1851) besitzt Neumark Heft 1 mit 6 prachtvollen Drucken.

Maler Ernst Wienes stellt im Kaiserhotel Stickereien aus:
Decken, Kissen und gestickte Bilder. Er scheint sich Mühe zu
geben, um die Farbenklänge zu bewältigen und zeigt auch
sicheren Geschmack in der Anordnung der Farben. Als kunst-
gewerbliche Arbeiten verdienen die stilisierten gestickten Bilder
Beachtung.

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