Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 15.1923

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warf aber diefes Bild, und es entftand (von ißm felbft? — fidjer unter feinen Äugen)
das zweite ölbergbild, das dann dem Ältar eingegliedert wurde. Der ganze Ältar kam
von Perugia in die Galerie Orleans, bei deren Verfteigerung 1789 das meifte nach Eng-
land kam. Der ölberg wurde von dem damaligen Cuftos der Sammlung nad} Rom
gebracht und kam von dort in die Sammlung aus’m öüeerth in Bonn und fd)ließlid)
zu Dr. Gitterman, der felbft ein guter Kenner der Florentiner Kunft ift. Hier hat das
Bild hoffentlich den Befitjer gefunden, der die Cimelie in ißrem vollen hohen (Bert zu
fcßäben weiß.

Carl Philipp Fohr

Von MELA ESCHERICH j Mit
zwei Abbildungen auf einer Tafel

Ludwig Richter im Herbft 1823 nad} Rom kam, mietete er fid} auf dem Monte


Pincio im dritten Stock des Palazzo Guarneri ein, bei der CBitwe Mariuccia, bei

* ** der fd}on drei deutfd}e Maler wohnten. Nod) einen Stock ßößer häufte Philipp
Veit. Neben Richters Stube lag ein kleiner Saal, in dem die jüngern Künftler alle vier-
zehn Lage bei einem Fäßcßen guten Valletriweines, mitgebracßtem Abendbrot und dem
malerifd}en Schein dreiflammiger römifd}er Lampen fröhliche 3ufammenkunft hielten, zu
der auch zuweilen die altern Meifter, Kod}, üßorwaldfen, erfd}ienen. Der Gründer diefer
gefelligen Abende war ein junger Heidelberger, Carl Philipp Fohr (1795—1818) ge-
wefen, der einige Jahre vorher beim Baden im Ober ertrunken war, von dem aber
nod} viel gefprochen wurde und deffen hiuterlaffene Studien im Kreis der Freunde
pietätvoll verwahrt und rühmend herumgezeigt wurden.
(Bas Richter in feinen Lebenserinnerungen über Fohr berichtet, ift wichtig, fo daß es
hier wiederholt werden mag.
„Noch muß id} hier zweier Künftler gedenken, deren Arbeiten mich aufs tieffte be-
rührten. Es waren der Heidelberger Karl Fohr und Horny aus (Xleimar. Beide waren
im Beginn ihrer Laufbahn geftorben. Fohr ertrank 1818 in der Ober und Horny ftarb
in Rom im darauffolgenden Jahre. Ihr Andenken lebte noch warm in den Genoffen
und die Naturftudien wie Kompofitionen, welche fid} noch im Befifc ihrer Freunde vor-
fanden, verfemten mich in einen Raufd} der Begeifterung; insbefondere war das bei Fohr
der Fall. Man darf aber auch nur fein fchönes, von Ämsler geftod}enes Bildnis be-
trachten und in diefe tiefen, feelenvollen Äugen fehen, um das poefievolle Künftlerherz
zu erkennen. Frühere, nod) in Deutfd}land gemachte Naturftudien zeigen eine fo feine,
liebevolle Beobachtung der Natur und manierlofe, naive Darftellung, daß, als diefe Eigen-
fcßaften mit einem großen Mitgefühl fid) verbanden, die reizvollften Sachen entfteßen
mußten.
ttlelker befaß von ihm ein Skizzenbuch, welches ihn wahrfcheinlid) ins Älbanergebirge
begleitet hatte und eine Menge der lebendigften Volksgruppen, bald gelagert im tüald,
bald wandernd, mit Efeln, 3iegen oder Schweinen dargeftellt, enthielt. Eine große Cufd}-
zeichnung Fohrs fah ich bei Paffavant, ein Sonntag in Cirol. Die Burgleute kommen
durch den Buchenwald zur alten Kapelle herab, um die Meffe zu hören, tüeiter Blick
in das großartige Gebirgstal. Eine wundervolle Segnung voll poetifdtjen Naturlebens,
wie ein altes Volkslied, ift die von dem alten Schlößchen Hirfchhorn am Neckar, mit
dem Falken in der blühenden Heide ganz im Vordergründe (Äbb. Schmidt, Rheinlande
1915); ebenfo eine Cirolerlandfcßaft mit der Feder und aquarelliert: vorn fdjreitet ein
Burfch mit feinem Mädchen, prächtige Geftalten, mit einem Buben, welcher auf der Flöte
bläft, einem Dorfe zu. Es ift unmittelbar nach der Natur gezeichnet und doch fo groß
und fchön zum völligen Bild geftaltet und abgerundet. Ferner erinnere ich niich auch
einiger überaus feßön gemachter Klaldlandfchaften, einer deutfeßen und einer von Äriccia.
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