Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 15.1923

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Die Fürftenberger Komödianten Simon Feilners

Von CHR. SCHERER

Mit 15 Abbildungen auf drei Tafeln

nter den mannigfachen Gegenftänden mehr oder minder künftlerifchen Charakters,


die im Jahre 1754, alfo kurz nach der Eröffnung ihres eigentlichen Betriebes, aus

der Porzelianfabrik zu Fürftenberg hervorgegangen waren, werden in den
Äkten u. a. auch „Statuen, Komödie vorftellend“ aufgefiihrt, die der FJand des mit
Benckgraff im Mai 1753 von Fjöchft nach Fürftenberg gekommenen Boffierers Simon
Feilner entflammten. Leider fehlt herbei jede weitere Ängabe, fo daß wir weder die
Anzahl diefer Figurenfolge kennen, noch uns von ihrem Ausfehen eine nähere Vor-
ftellung zu machen vermögen; nur das eine dürfen wir mit Sicherheit annehmen, daß
es fid) um jene allgemein bekannten Cypen der italienifchen Stegreifkomödie, der fog.
commedia dell’ arte, gehandelt haben wird, die ja in der gefamten deutfdjen Porzellan-
kunft des 18. Jahrhunderts jahrzehntelang eine wichtige Rolle gefpieit haben.
tüährend wir aber über die Komödiantenfolgen anderer Fabriken mehr oder weniger
gut unterrichtet find, h^rrfchte über jene Fürftenberger Folge, hauptfächiid) wegen der
faft völligen (Unkenntnis authentifchen Materials, noch eine große Unklarheit, die erft
feit den letzten Jahren durch eine Reihe neuer Forfdjungsergebniffe und zufälliger Ent-
deckungen fid) allmählich zu lichten begonnen hat. Gab es doch bis vor einiger 3eit
nur eine einzige Figur, die man, foviel id) weiß, ohne tüiderfprud) als ein Stüde aus
diefer Folge betrachten durfte, nämlich die Figur des fpanifd)en Kapitäns, von der
die Landesmufeen zu Braunfchweig (Abb. 1) und Kaffel je ein Exemplar befi^en,
während fid) drei weitere in einigen, inzwifd)en zur Verweigerung gelangten Privat-
fammlungen befanden1. Es ift eine etwa 0,200 hohe Figur in geftreckter Fjaltung mit
bafdjlikartiger Kopfbedeckung und kurzem Mänteld)en über dem gegürteten tüams,
die in flottbewegter Stellung den Kopf [dbarf über die rechte Schulter zurückwerfend
fid) an einen Baumftamm lehnt, im Begriff, den Degen aus der Sd)eide zu ziehen.
3war trägt keines von fämtlichen mir bekannten Exemplaren die F-Marke der Fürften-
berger Fabrik; dod) gibt es andere Gründe, die die Figur als ein Erzeugnis der lefeteren
fid)er ftellen.
So befitjt z. B. das Landesmufeum zu Braunfchweig eine zwar erheblich kleinere,
aber faft völlig genaue Uliederholung, die zu einer Folge von 15 Komödienfiguren
gehört, welche die Fürftenberger Modelleure Luplau und Rombrid) 1775, und zwar,
wie der 3ufatj „cop“ in den Formenverzeichniffen der Fabrik belehrt, als Kopien nach
Modellen von anderer Fjand angefertigt hatten2. In letjteren jene Komödianten
Feilners zu vermuten, liegt aber um fo näher als wir wiffen, daß derfelbe Luplau auch
nod) eine zweite Feilnerfche Figurenfolge, nämlich feine berühmten Bergleute, ebenfalls
in kleinerem Maßftabe nachgebildet hatte. (Denn dem fo ift, wird fid) aud) die unter
dem Sockel der größeren Figur des Braunfd)weigifd)en Landesmufeums eingerifete
Bezeichnung, die aus den beiden durd) einen Fjorizontalftrid) von einander getrennten
öud)ftaben I und F befteht, leicht dahin erklären laffen, daß man fie auf Ferdinand
Jürgens, der unter den vier Fürftenberger Formern diefes Namens gerade als Figuren-
1 So enthielt die 1909 bei beding verweigerte Sammlung der Frau E. Kned)t-Müncben (ftuktions-
katalog, Caf. I, Nr. 13) ein Exemplar, deffen Befdjreibung jedod) zu ungenau ift, um hier ver-
wertet werden zu können; ferner befand fiel) in der Sammlung C, Jourdan-Frankfurt (R. Lepkes
Ruktionskatalog, Oktbr. 1910, Caf. 53, Nr. 508) ein Exemplar, und ein drittes enthielt eine im Sept.
1917 bei IJelbing verfteigerte Sammlung (Katalog, Caf. III, Nr. 141), während ein viertes FJerr Bank-
direktor Lange in Mainz befitjt, das vielleicht mit einem der oben genannten identifd) ift. Das
Kaffeier Exemplar ift übrigens, wie ich höre, inzwifchen verkauft.
e In den Formenverzeichniffen wird fie unter Nr. 8 „Kapitän, den Degen ziehend“ aufgeführt,
cf. Cbr. Scherer, Das Fürftenberger Porzellan, S. 10.

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