Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 15.1923

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Sammlungen
Berliner Mufeen
Die islamifdje Äbteilung des Kaifer-
Friedricb-Mufeums ift kürzlich durch eine groß-
zügige Schenkung ihres Leiters Friedrich Sarre
um nicht weniger als 750 Gegenftände von zum
Eeil ganz hervorragender Schönheit und Bedeu-
tung erweitert worden. Bislang war die S a m m -
lung Sarre nur als Leihgabe im Mufeum auf-
geftellt, um nun (mit Ausnahme der zurück-
gezogenen Miniaturen, Eeppiche und weniger
Stein- und Stückarbeiten) unter den Beftand der
Galerie eingeordnet zu werden. 3umal auf den
Gebieten der Keramik und des Metallgeräts er-
hält diefe damit einen ganz ungewöhnlichen
3uwad)s. Die Stüde, zumeift unmittelbar im
Orient erworben, find, ihrem Range gemäß, faßt
fämtlid) bereits publiziert, fo daß ein einzelnes
Eingehen auf fie an diefer Stelle [ich erübrigt.
Befondere Beachtung fichern fich zunächft die
markant gefalteten Bronzekannen faffanidifcher
Herkunft, die gefchmeidiger geformten aus Eur-
keftan und Armenien, mehrere plbertaufchierte
Becken des XIII.—XV. Jahrhunderts, ein ägyp-
tifcher heim von jener fpiralig um den Schädel
gedrehten Art. Dann ragen hervor die Eon-
waren des mefopotamifch-fyrifdhen Kreifes wie
des perfifchen Mittelalters, von letzteren ein
gleißend lüftrierter Albarello aus Eeheran, Fliefen,
Reliefplatten, wie z. B. jene prächtig kobaltblau
glafierte perfifche Platte, die eine Gebetnifche
nah oben abfdjloß, dem XIV. Jahrhundert zu-
gehörig. Neben oftafiatifch beeinflußten fpäten
Fayencen findet fiel) eine kleine maurifche, fehl'
rare Lüfterfchale der Malagafabrik. Schließlich
einige zauberifd) iriperte Gläfer, darunter ein
emaillierter und vergoldeter Parfumfprenger von
fpröder Eleganz. Es ift ein rechter Schaff, um
den unfere öffentliche Sammlung da bereichert
worden ift.
* *
*
Im Antiquarium der Staatsmufeen gibt
eine kleine Ausftellung von Photographien,
zeichnerifchen Aufnahmen und wenigen orna-
mentierten Erümmern eine gute Anfchauung von
der fyrifchen Ruinenftadt Baalbek, wie pe in
den erften Jahren nach 1900 durch eine deutfehe
Expedition erfchloffen und rekonftruiert worden
ift. Vor allem die von Eheodor v. Lüpke

hergeftellten, vom füdlichen Licht an [ich be-
günftigten, aber der Monumentalität wie dem
reichen dekorativen Detail der römifchen Eempel
doch mit einem befonderen Gefhick gerecht
werdenden Bilder der Meßbildanftalt ergeben
eine deutliche Vorftellung von jener zur 3eit
des Auguftus gegründeten, im 2. Jahrhundert
beträchtlich erweiterten Kultanlage. Die Groß-
artigkeit des Plans, die enorme tedmifche Leiftung,
das leicht orientalifch durchfetjte, reiche, doch
nirgends protjige Schmuckwerk diefes Repräfen-
tationsbaus fprechen höchft eindrucksvoll aus
diefen Kliedergaben, die auf das demnädbft
vollendet vorliegende Publikationswerk ver-
wegen. GQolfradt.
London
ttlie man weiß, verfügt die britifche Qauptftadt
bisher kaum über eine nennenswerte moderne
Galerie, einerlei ob öffentlichen oder privaten
Charakters. Denn die Sammlung der Eate-Ga-
lerie mag zwar für die Gefchichte der englifhen
Kunft im 19. Jahrhundert immer noch bis zu
einem gewiffen Grade auffchlußreid) fein, eine
moderne Galerie etwa im Stil der Berliner Na-
tional-Galerie ift pe nicht, vor allem deshalb nicht,
weil pe außer der englifhen Kunp kaum irgend
ein öüerk von Bedeutung weder der franzö-
fifhen nod) der deutfhen Malereien bep^t. dm
diefer befhämenden Eatfache abzuhelfen, hat
kürzlich Sir Jofeph Duveen der Mufeumsleitung
das Angebot gemacht auf feine Koften einen
umfangreihen Anbau herftellen zu laffen, der
ausfhbeßlih für nicht - englifhe moderne Kunp
referviert fein foll. Nachdem das Mufeum die-
fes Legat angenommen und der Bau bereits
feiner Vollendung entgegengeht, hat ph neuer-
dings in der Perfon des Mr. Samuel Cour-
tauld ein zweiter Mäzen gefunden, der der
Eate-Galerie 50 000 Pfund Sterling gefhenkt
hat zum Ankauf folcher Kunftwerke, die ph
etwa um die großen Franzofen der zweiten
hälfte des 19. Jahrhunderts gruppieren. Der Stif-
ter will felbft bei der Auswahl diefer Cüerke mit-
wirken und hat ph zu diefem 3weck den Rat
zweier englifher Kenner der modernen Kunft
gephert. ?
3ürid)
3ur 3eit beherbergt das 3üriher Kunfthaus
als Leihgabe die fehenswerte Privatfammlung

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