Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 15.1923

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Sammlungen
Danzig
Das Stadtmufeum im alten Franziskaner-
kloßer bat durch JImbau des großen Konvents-
remters, der viele Jahre hindurch nur als Ab-
ftellraum dienen konnte, nunmebr außer einem
Vortragsfaal aud) die lange entbehrten Räume
für wecbfelnde Ausßellungen gewonnen, die,
von weitgefpannten gotifcben 3ellengewölben
überdeckt, ganz bell gebalten, befonders für Aus-
ftellungen moderner Kunß böd)ft geeignet pnd.
Die erße Ausßellung, die Ende Juli eröffnet
wurde, zeigt merke Erich Fjeckeis, Gemälde,
Aquarelle und Grapbik, meift Arbeiten des lebten
Jahres.
Effen
Die 3eitverbältniffe machen eine Verbindung
mit der neuen Beimßätte des Folkwang-Mu-
feums unmöglich. Dort bat die Kun|t den bren-
nenden Fragen des Tages weichen muffen. Man
weiß, daß das ein vorübergebender 3ußand iß
und muß ißn ertragen, ttlenn aber politifche
Umftände zu einem infamen Angriff auf die
Perfon des Mufeumsleiters und die öüeiterfüb-
rung der lange 3eit lebendigften Sammlung
Deutfdjlands mißbraucht werden, fo muß diefe
Bandlungsweife gebrandmarkt werden, ln fjeft
27 der 3ßitrchrift Bellweg (Effen, 4. Juli 1923)
findet pd) unter der zunäcbß nicht ganz ver-
ftändlicben Überfchrift „Die Kunß der Band“ ein
Auffatj mit dem Titel „Ein Mufeum für öüelt-
gefüble“. tüas ift gefcheben? Gofebrucb bat
an einem Sonntagmorgen über neue Kunft, über
„neues Cüeltgefübl“ gefprocben. Die Cüortgebung
ip feine Sache. Die fchwarze Band des Reit-
wegs klagt über „Entwicklungslinien“ von dem
franzöpfcben Schweizer JJodler, dem franzöp-
fierten Holländer van Gogh, dem Ruffen Kan-
dinfky. Die Ruffen kann der Bellweg nämlich
auch nicht leiden. An den Entwicklungslinien
ip nun mal nichts zu machen. Die franzöpfcben
Bilder des Folkwang pnd vor der Befetjung in
Sicherheit gebracht worden. Diefe Vorpcht war
Pflicht der Mufeumsleitung. ttlenn Gofebrud)
hofft, „daß wir uns bald wieder ihres Anblicks
in reinem ungeßörten Genüße erfreuen können“,
fo verftebe ich das vorwurfsvolle 3itieren nicht
recht. Es gebt eben gegen die franzöpfcben
Bilder. Dabei bat die fchwarze Band das Pech,

fich auf Licbtwark, Tfcbudi und Jupi zu be-
rufen, die ihre Mufeen rechtzeitig mit den
Meiperwerken der großen Franzofen verforgten.
Damals kauften die Mufeumsleiter des Cüeßens
die beften Bilder der jüngften Franzofen für
ganz geringe Summen mit dem Erfolg, daß die
traurigen Verl)ältniffe der Gegenwart in diefen
Mufeen zunäcbß ertragen werden können, denn
was Frankreich und Amerika unter großen Opfern
jetp kaufen, befi^en wir längß. 3U den Män-
nern, die vorausfaben, was die Mufeen brauchen
würden, gehört auch Gofebrud). Jetjt pnd ihm
plötjlid) die unvergleichlichen Schäle des Folk-
wang in den Schoß gefallen. Cüenn der Rell-
weg feine Eröffnungsauswabl angreift, fo ftimme
id) ihm zu. tüer die Beftände der Sammlung
kannte, mußte pe unzureichend pnden. Aber
der Bellweg fordert Einengung des alten Pro-
gramms; die ausfd)ließlid)e Pßege deutfeher
Kunft widerfpriebt der Folkwang - Tradition.
Diefe bat Gofebrud) weiterzufübren. Mit Ab-
fdjeu zitiert der Bellweg die Binfenwabrbeit,
„daß es gleichgültig ip, welche Meifter im Folk-
wang bangen, wenn pe nur liiert haben“. Man
nehme Güert im Sinne von wefentlid) und zu-
kunftweifend, der gemeint ift, und wird Gofe-
brud) zupimmen müffen. Das weiter von der
3eitfd)rift entwickelte „nationale“ Mufeumspro-
gramm würde die Überlegenheit der durd) den
Schöpfer Oftbaus allfeitig angelegten Sammlung
vernichten. Gerade weil pe pd) in einer „von
angefpannter Arbeit und praktifcher deutfd)er
Geißestat durcbpulßen Stadt“ bepndet, muß ße
mit tüeltüberblick (Gofebrud) mag fagen mit
Güeltgefübl) und nicht mit nationalen Scheu-
klappen geleitet werden. Nachdem die fchwarze
Band des Bellwegs die künftlerifd) - nationale
3uverläffigkeit Gofebruchs genügend bezweifelt
bat, fordert pe ißn auf, „von der erzieberifd)en
Bühne des deutfd)en Kunftlebens endgültig ab-
zutreten“. So intrigiert man in Effen. Die An-
griffe pnd in einer Tageszeitung wiederholt
worden. Alfred Salmony.
London
Dem Britifd)en Mufeum iß kürzlich durd)
Stiftung mehrerer Kunftfreunde eine wertvolle
Dürer-3eid)nung zugefallen, die pd) vordem in
der Karlsruher Sammlung Feder befand und in
dem Lippmannfcben Corpus der Dürer-3eid)-
nungen reproduziert iß. Es bandelt pd) um jene

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