Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 15.1923

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ßübfcße Überficßt über die Inftrumentengefcßicßte [eit der Renaiffance zu geben
vermag.
Die Sammlung der wiffenfcßaftlichen In[trumente im Mufeum für Kunft und Gewerbe
ift keine Facßfammlung im eigentlichen Sinne des {Hortes. Nicht als gefd)lo[[ene Gruppe
tritt fie daher in Erfcheinung, fondern in den einzelnen Stilabteilungen find die orna-
mental herber gehörigen Inftrumente ausgeftellt. Sie wollen mit den anderen Kunft-
objekten der 3eit zufammen gefeßen werden, wie diefe Ausdruck ihrer jeweiligen künft-
lerifchen und kulturellen Geftaltungsform.

Die gotifeßen Skulpturen des 13. Jahr-
hunderts der Kathedrale von Burgos
Mit fünf Tafeln Von AUGUST L. MAYER
Die Kathedrale von Burgos ift an erftklaffigen gotifchen Steinfkulpturen eine der
reichten in Spanien. Die beiden Blütezeiten: zu Anfang und zu Ende der
gotifchen Epoche können nicht beffer veranfcßaulicßt werden als hier- Gewiß
bietet auch die Coledaner Kathedrale eine Fülle intereffanten Materials, befonders für
die Spätzeit, da die niederländifchen Ateliers das Feld beherrfchten. Aber für die
Periode, in der die franzöfifeße Frühgotik in Spanien tonangebend war, gibt es keine
wichtigeren und belferen Monumente als die Plaftiken des 13. Jahrhunderts, die mit
dem Dom von Burgos verwaeßfen find.
Fjier arbeiteten die erften franzöfifchen gotifchen Bildhauer in Spanien. Es ift kein
3ufall, daß gerade an diefer Stelle die gotifeße Plaftik Frankreichs am früßeften Fuß
faßte, ift doeß Burgos ein wichtiger Knotenpunkt der alten Pilgerftraße nach Santiago,
die für die Entwicklung der Kunft feit früßefter 3eit eine wichtige Rolle gefpielt hat.
(Es ßat daßer auch feinen tieferen Sinn, wenn der ßl. Jacobus mayor an der Puerta
del Sarmental feinen Pilgerftab feft mit beiden 5änden ßält.) Dazu kommt, daß durch
heiraten der königlichen Familie die Beziehungen zu Frankreich gerade am Beginn der
gotifchen Periode aufs neue feßr eng und rege geworden waren.
Die Katßedrale von Burgos wurde 1221 gegründet. Der Baumeister ßat, wenn er
nicht überhaupt Franzofe war, zumindeft feine Schulung auf der Ile de France erhalten.
Franzöfifcße Bildhauer müffen fpäteftens um die Jahrhundertmitte in Burgos bereits an
der Arbeit gewefen fein, denn das nördlidje Querfcßiffportal, die Puerta de los Apo-
ftoles, ift nachweislich vor 1257 vollendet und, wie Bertaux woßl mit Recht vermutet
ßat, find die Geftalten des Königs und der Königin, zu denen fid) auf der Paradies-
darftellung des Cympanons drei Figuren wenden, Bildniffe des ßl. Ferdinand (geft. 1252)
und feiner Gattin Beatrix von Schwaben.
Diefes große Bildßaueratelier hatte bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts Arbeit
meßr als genug. Natürlich macht fid) im Verlauf der Jahre die Cätigkeit der jüngeren
Generation, die ftiliftifcße Entwicklung deutlich bemerkbar. Eße wir aber von dem
künftlerifcßen Charakter im einzelnen fpreeßen, fei zunäcßft der ömfang der Arbeiten
umfeßrieben und dabei gleich die zeitliche Folge wie die einzelnen Künftlergruppen
angegeben.
Nach bzw. neben dem plaftifcßen Schmuck des nördlichen Querfcßiffportals ift jener
des füdlicßen, der Puerta del Sarmental entftanden, ferner die Galerien mit den
Königsfiguren (Skulpturen von feßr verfeßiedenen Dimenfionenj und Proportionen,
natürlich) nicht von einer einzigen 5and gefeßaffen) in der J)öße über dem Fjauptportal
und den Querfcßiffportalen. Sodann die Figuren, die — gewiffermaßen als Fortfeßung

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