Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 15.1923

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die mit Äbfießt primitiv pnd und areßaifieren wie Bartl), Cafimir Raymond und
andere, (ünter diefen ift Gimmi zweifellos der befte lebende Schweizer Maler.)
Schließlich müITen nod) genannt werden Lßotße, Biffiere und andere langweilige
Styliften. Ferner Georges Koßn, deffen kleine Bildchen ich aufgeftöbert habe, die fo
unerhört geiftvoll vom Leben der Juden im Elfaß erzählen. Ramey, Bara Levrault,
Clairin, dazu die Bildhauer 3adkine und Cßana Orloff, deren Ulerke, gemeffen
an den kubiftifeßen Widrigkeiten eines Jaccfue Lipfd)i£, genial anmuten. Am Schluß des
Reigens Gimond mit feiner Büfte des Malers Renoir und jene ausgezeichneten zahl-
reichen Vertreter einer älteren Generation wie Luce, Victor Dupont und einige
weibliche Calente wie Äugiboult, Irene Lagut, Fjalicka, Fjelene Perdriat, Martße
Laurens, Cheriane ufw. Und Odette de Garets, deren Bilder von einem raffigen,
malerifcßeri Calent zeugen.

Die Grünewaldlegende vonw.K. zülch

Kaum wird es nod) einen Deutfd)en von Ditrd)fd)nittsbildung geben, dem der Name
Matthias Grönewald nid)t ein Begriff wäre von genialfter deutfd)er Malkunft.
Ja, und daran find ebenfo die zahlreichen Publikationen der lebten Jahre über
Grünewalds Kunft, wie die veränderte Geiftesftrömung beteiligt; es ftel)t heute fo
daß viele über Grünewaid faft ganz Dürer vergeffen. Dürers und Grünewalds Leben
umfaffen die gleiche 3ßilfpanne 1470—1528; aber während der Nürnberger breiten
Ruf und Ruhm bei Fürften und im Volke fcl)on im Leben gewann und bis heute nicht
verlor, hat Grünewald in abgefcßloffenen 3irkeln fiel) bewegt und wurde früh ver-
geffen, die Perfon, nicht das tüerk. Das, was wir von ihm wiffen, danken wir dem
Maler Joachim von Sandrart. Diefer aber fagt 1675 (150 Jahre nad) Grünewalds Code,
den er falfd) auf 1510 ftatt 1528 angibt!) in feiner „deuifeßen Akademie“, daß er
mündliche Mitteilungen, die ihm als Knabe vor 50 Jahren gemacht wurden, als Greis
aufzeid)nete. Diefe auf Grund mündlicher Überlieferung nad) 50 Jai)ren von einem
alten Manne gemachten Angaben enthalten nachweisbare Fehler: Das Codesjahr 1510
ift pd)er falfd), dazu nennt er den Schüler Grünewalds und Lehrer Pi), üffenbacßs,
einmal Johannes Grimer, ein andermal Adam Grimmer aus Mainz. Eifenad) und
Ifenheim werden verwcchfelt. Daraus folgt, daß Sandrart mit Vorfid)t zu benutzen ift,
er könnte fiel) aud) in einem feßr wichtigen Punkte geirrt haben, nämlich in dem
Namen Grünewald. Vor Sandrart 1675 kannte man als einwandfreie Benennung
nur Matßis von Afd)affenburg, Maler des Kurfürften von Mainz; den Eigennamen
Grünewald hat Sandrart durch nichts belegt, und mit größter 6üahrfd)einlicßkeit liegt
auch hier ein Gedächtnisfehler, 3ufammenftrömen verfd)iedener Erinnerungen des alten
Mannes zugrunde... Jede Grünewaldforfchung ift naturgemäß von dem Namen Grüne-
wald ausgegangen und hat ihn zum 3iel gehabt. Alle Mül)e war vergebens. Da-
gegen ift über Matßis von Afcßaf f enburg Vieles und feßr <XIid)tiges gefunden
worden (5- A. Scßmid). Nur an der näd)ft Mainz 5auptgrünewa!dftätte, das ift Frank-
furt, fand fiel) nichts. Da wurde durch zwei Publikationen von mir die ßiftorifche
Frage gründlich umgewendet (Repertorium für Kunftwiffenfcl)affcen 40, 1917, 43, 1920:
„Grün oder Grünewald?“ und „Das Dunkel um Grünewald“). Aus meinen Forfd)ungen
zur Frankfurter Kunftgefd)icl)te veröffentlichte ich, dem Ganzen vorgreifend, drei Namen.
„Maler Matßis von Straßburg 1511, Bildhauer und Maler Matßis Grün von Eifenacß
1512—1532 und Maler Matßis Gotßardt, alias Nitßardt von tüürzburg 1527—1528.“
Mit der ßerausarbeitung der Perfon des Matßis Grün, der als „Meifter Matßis der
Maler (!)“ vom Grafen von Erbach befcßäftigt wird, hatte ich) beabfießtigt, „den Kern
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