Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 15.1923

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viel vertrauter war als ißm [elbft. Es ijt zu bedenken, daß die üöpfer damals diefe für
fie neue Cecßnik des Scßarffeuerdekors auf 3innglafur noeß nießt gut beßerrfcßen konnten,
da fie bisßer gewöhnt waren, ißre Gefäße und Kacßeln, die ja reliepert waren, nur mit
farbigen 3inn- und Bleiglafuren zu überzießen, was malerifcßes Können nid)t voraus-
feßte. Natürlich widerfpricßt das nid)t der anfprecßenden Cßeorie Stengels, das aud)
Fjirfcßvogel, für den ja eine Cätigkeit als Glasmaler, Emailleur und Maler bezeugt ift,
folcße Fayencen bemalt ßat. Äber gerade in vorliegendem Falle fpricßt die (Uaßrfcßein-
licßkeit dafür, daß Georg Pencz der Maler der Scßüffel ift. Im übrigen ift feßon durd)
Stengel1 nacßgewiefen, daß Pencz und ßirfcßvogel in Bezießungen zueinander ftanden.
1 Mitteilungen aus dem Germanifcßen Nationalmufeum 1911, S. 85.

Die Porzellanfammlung Eduard L. Behrens im
ßamburgifcßen Mufeum für Kunft und Gewerbe
Mit zwei Abbildungen auf einer Tafel Von ALFRED ROHDE-Hamburg

Dem Sammeleifer Juftus Brindcmanns war es zu verdanken, daß in der Porzellan-
fammlung des ßamburgifcßen Mufeums für Kunft und Gewerbe alle Manufak-
turen gleicßmäßig und ißrer Bedeutung entfpred)end vertreten waren. Es ift er-
freuließ, daß die Porzellanfammlung Eduard L. Beßrens, die jeßt dem Beftande des
Mufeums eingereißt ift, diefes Prinzip nießt nur nießt beeinträeßtigt fondern, daß fie in glück-
licßfter ddeife die Lücken, die die Sammlung ßatte, auffüllt, fo daß mit diefer jüngften
Ergänzung die Porzellanfammlung des ßamburgifcßen Mufeums in ißrer Vielfeitigkeit
ßeute kaum noeß übertroffen wird.
Eduard L. Beßrens war einer jener glückließen Sammler, der feine ganze Liebe dem
deutfeßen Porzellan feßon in einer 3eit widmete, als die Allgemeinßeit fieß ißm nod)
nießt zuwandte, der den wefentlicßen Beftand feiner Sammlung vor jener Auktion
Jjirtß zufammengetragen ßatte, die das „Deutfcß-Canagra“ wie mit einem Scßlage zum
offiziellen Sammelgut maeßte. Juftus Brinckmann ßat ißn bei feinen Ankäufen ftets
beraten und maneße Figur, die Brinckmann auf den Auktionen feßeinbar für das Mufeum
für Kunft und Gewerbe kaufte, ging in diefe Privatfammlung über. Aucß ßierbei zeigte
er ein feftes und ficßeres Programm: die ganze Gruppe des figürlicßen Barock von
Meißen, für die Brinckmann im Fjinblick auf die „klaffifeße 3eit des Rokoko“ kein
Intereffe ßatte und die im Mufeum für Kunft und Gewerbe daßer naßezu ganz feßlte,
fießerte er doeß auf diefe tüeife für Fjamburg, eine Seit aßnend, die fieß mit meßr
Liebe diefen etwas groben und derben oft fpaßßaften Figuren zuwenden würde.
Eduard L. Beßrens ßinterließ feine Porzellanfammlung feinem durd) feine Impreffioniften-
fammlung bekannten Soßn Cßeodor Beßrens, der fie feinerfeits dem Mufeum vermaeßte.
Daß das Mufeum aber feßon jefet in den Befitj der einzigartigen Sammlung kam, das
verdankt es einer großzügigen Scßenkung der ülitwe Frau Eftßer Beßrens, die die
Porzellane noeß zu ißren Lebzeiten dem Mufeum ausßändigte.
(Hie feßon angedeutet, erfäßrt der Meißner Befitj des Mufeums eine vorzügliche
Ergänzung durd) ausgefueßte Beifpiele der Früßzeit. Der breitbeinige, derbe Narr
Frößlid) auf barockem Sockel, eine datierte Ausformung von 1739, Fjarlekine in ißrer
übertriebenen Kontrapoftftellung und farbig-bizarren Kleidung, meift Modelle des jungen
Kandier, Cypen aus dem Volksleben wie der tanzende Bauer und der Narr mit den
Fifcßen ergeben mit einigen früßen Gefcßirren vereinigt einen Kabinettfcßrank. Die
bekannten Fjandwerkerfiguren feßon von Beding aus der Sammlung Beßrens abgebildet,

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