Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 15.1923

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befondere aud) die Frage nad) ihrer 3a\)l\ auf die id), als auf etwas ganz Ungewiffes,
l)ier abfidtjtlid) nid)t näher eingegangen bin, vorläufig unbeantwortet bleiben mußte,
dürfte dod) m. E. die vorfteßende ünterfucßung vieles aufgeklärt ßaben, was bisher
noch) ganz im Dunkeln lag. Schon allein der Umftand, daß es dank der mir von allen
Seiten zuteil gewordenen Unterftütjung gelungen fein dürfte, einen großen, wenn nicht
gar den größten Ceil der zu diefer intereffanten Serie gehörigen Figuren nadjzuweifen und
deren nahe Beziehungen zur FJöchfter Fabrik feftzuftellen, war mir eine große Freude,
die auct) nicht gemindert werden konnte durch die fd)ließlid)e Erkenntnis, daß, was mir
fcßon längft klar geworden war3, der ganze, jene Figuren behandelnde Äbfchnitt in
meinem Buch über das Fürftenberger Porzellan nicht mehr im Einklang mit den Er-
gebniffen meiner neueften Unterfud)ungen ftehen, vielmehr einer gründlichen Revifiori
und forgfältigen Umarbeitung bedürftig werden würde.
1 Mit den im Vorßehenden mehr oder weniger ficber nachgewiefenen 11 bzw. 14 Figuren wird
die ganze Feilnerfcbe Serie wohl kaum vollßändig fein. Es gehörten gewiß nod) weitere dazu,
obne daß pd) fagen ließe, ob ißre Ge[amtzabl, entfprecbend der Luplaufcben Kopienfolge, pd) auf
15 belief oder ob pe nod) größer war. Id) möd)te letzteres vermuten und id) boffe. daß diefer
Äuffatj dazu beitragen wird, die bis je£t nod) fehlenden in abfebbarer 3eit ans Lid)t des Cages
zu bringen und fo die ganze Reibe zu vervollßändigen.
2 Cicerone II (1910), S. 264, flnm. 1.

Beiträge zur Gefd)id)te der Keramik in Frankfurt a.M.
Mit neun Abbildungen auf drei Tafeln Von KARL SIMON

I. Urkundliches
Die Urfprünge der neueren Frankfurter Keramik liegen naturgemäß im Dunklen
Doch mag wenigftens erwähnt werden, daß uralte Tradition vorliegt. Äuf dem
Gebiete des heutigen Ofthafens ift 1909 mit Sicherheit eine größere Änßede-
lung der jüngeren Steinzeit nad)gewiefen worden, deren keramifd)e Refte nicht
unbeträchtlich find. Ein Cöpfereibetrieb der ßallftadtzeit ift im Frankfurter Stadtgebiet
bei Rödelheim ausgegraben worden. In römifcher 3eit hat in unmittelbarer Nähe
der Stadt, in dem heutigen Heddernheim, eine große römifche Niederlaffung, Nida,
eine blühende Cöpferinduftrie befeffen.
Merowingifch-fränkifches und weiter Mittelalterliches fchließt fid) an, das
nod) nicht genauer bearbeitet worden ift.
Urkundliches Material für das Mittelalter vom 14. Jahrhundert ab, liegt feit eini-
ger 3eit verarbeitet vor in dem Buche von Karl Bücher: Die Berufe der Stadt
Frankfurt im Mittelalter (Leipzig 1914). Danach begegnen „hafener“ im 14. Jahr-
hundert erft ganz vereinzelt. Im Beedebud) von 1484 an werden immer ein bis zwei
erwähnt; Bücher glaubt, daß meift Ofenmacher gemeint feien. Er kommt zu dem
Schluß, daß in Frankfurt pd)er keine entwidtelte Gefchirrtöpferei im Mittelalter beftanden
habe, öüobei freilich erft einmal gefagt werden müßte, was man unter „entwickelt“
zu verfteßen ha*- Es ift doch in Betracht zu ziehen, daß die Einwohnerzahl damals
gering war, fo daß aud) wenige Fjäfner den l)eimifd)en Bedarf wohl befriedigen
konnten. Im Jahre 1792 pnd 21 ßäfner hier vorhanden, die pd) bei noch nic±)t ganz
3000 Fjäufern eine überaus ftarke Konkurrenz machen, fo daß eine Eingabe von ihnen
zuftande kommt, in der um Befd)ränkung ihrer 3ahl gebeten wird1 *.
Jedenfalls müßten vor einem endgültigen Urteil die Verhältniffe in anderen Städten
herangezogen werden.
1 Lauffer: Der Kachelofen in Frankfurt. Feßfcbrift zur Feier des 25jäbrigen Beftebens desStädt.
Fpßorifcben Mufeums in Frankfurt a. M. S. 122.

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